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Der Israelit · 1899-04-13 · Heft 29 (13.4.1899) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 29 (13.4.1899)
Date
1899-04-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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i i 1 > ..... 552 die uns die Augen öffnen. Ein Stöcker mußte uns zurufen: „Nicht gegen die Juden, die ihre Religion kennen und achten, kämpfen wir, sondern gegen diejenigen unter den Juden, die dem weißen, unbeschriebenen Blatte zwischen dem alten und neuen Testamente gleichen, die weder Achtung vor ihren eigenen, noch vor fremden Anschauungen haben." Karl Trost schreibt in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" (wie wir der Berliner Wochenschrift entnehmen) u. A. : „Die Wahrheit ist, daß ein leidlich unterrichteter zwölfjähriger Junge aus christlich gesinnter Familie von den Erzählungen und Sprüchen des alten Testaments mehr zu wissen pflegt, als die meisten jüdischen Literalen und Advokaten Berlins." Die Wochenschrift fügt hinzu: Das ist tief beschämend, gerade weil es wahr ist. Zweimal täglich halten wir uns das göttliche Gebot vor Angen: cz im“? cs'ja rs cnx omo^i Lehret Eure Kinder das Judenihum kennen, sie werden es schon lieb gewinnen und als höchstes, theuerstes Gut des Lebens heilig halten! Wiederum muß die Thauroh unsere Wolken- und Feuersäule werden, die uns beschattet und beschützt am Tage, wenn die Völker auch uns Juden ein Plätzchen an der Sonne gönnen, die uns Licht und Wärme bietet bei Nacht, wenn es trüb und dunkel um uns her wird vb ojn pxn -rajn eev pjn noy vro\ drum weiche nicht die Wolkensäule am Tage und die Feuersäule des Nachts vor dem Volke. Unser Schutz und unser Licht aber ist die Bibel, gründe jüdische Schulen, aus daß die jüdische Jugend ihre Kenntnisse erhalte auf Grund der Bibel Auch und gerade für jüdische Kinder muß der Religionsunterricht der erste, höchste und letzte sein und sich, wie ein rother Faden durch alle anderen Unterrichtsgegenstände hindurchziehen. Disharmonien, die entstehen, wenn der Geographie¬ oder „Natur"lehrer über die alte Bibel und ihre Berichte witzelt, dürfen nicht Vorkommen. In solchen Gemeinden, wo die jüdische Jugend in jüdischen Schulen für Thauroh sowohl, als auch für ps pn herangebildet wird, finden wir auch einen Nachwuchs, der dafür sorgt -pr rbnp nemo rwa 'b ms mir,, daß die Lehre, die Mauscheh uns gab, auch ein Erbt heil für die Jakobsgemeinde wird. Hingegen treffen wir gerade dort den größten Abfall und Zerfall, wo die jüdische Schule, resp. der jüdische Religionsunterricht ein nebensächliches, bescheidenes, privates Winkeldasein fristet, wo der Genius des Judenthums während des größten Theils des Tages still und unbeachtet in der Ecke steht. „Solange ist Israel unbesiegbar, als die Stimme Jakobs in den Schulen vernommen wird." Drum ihr Eltern, Lehrer, Rabbiner, Vorsteher, Gemeinden, errichtet jüdische Volks- und höhere Schulen, wo Tbamowori und Thaurogeist im Mittel punkte des Unterrichts steht! — In zweiter Reihe ist dafür Sorge zu tragen, daß in diesen jüdischen Schulen die profanen Wissenschaften mit demselben Eifer, mit denselben Zielen und Resultaten unterrichtet werden, wie in den entsprechenden christlichen Schulen. Nur dürfen aber Religionsunterricht einerseits und die Gesammtheit der profanen Fächer andererseits nicht zwei getrennte Gebiete bleiben, die in Gleichgiltigkeit oder gar F indsellgkeit egoistisch nebeneinander hergehen. Ein derartiger Instand, wie er leider an vielen Plätzen herrscht, erzieht die Jugend geradeaus dazu, stets zwischen zwei einander oft entgegengesetzten Richtungen, der idealistischen und realistischen, hin und her zu schwanken. Was Wunder, daß man so selten charaktervolle Menschen findet, wenn die Jugend konsiquent zur Inkonsequenz, zur Charakterschwäche errzogen wird, wenn hier Nützlichkeitsmaximen und dort ethische Prinzipien an die Spitze der Erwägungen gestellt werden. Eine „j üdis che" Schule dokumentirt sich aber gerade dadurch, daß im Mittelpunkte — nicht an derSpitze — des Unterrichts der jüdische Religionsunterricht steht, und daß sich von diesem Centrum alle andere Wissenschaften strahlenförmig nach allen Richtungen hin vertheilen; dadurch werden die Lehren noan mwm am r,»T rs»n mten und ctm rxn’ „Erstes und letztes Ziel der Weisheit sei Gottesfurcht!" mit mathematischer Genauigkeit erfüllt. Bisher stellt sich der Unterricht meistens in folgendem Bilde dar: Sittlichkeits-Princip Sittlichkeitö-Princip idealistische Richtung. Jugend. "aliftifche Richtung. Der Eine drängte nun die Schüler hinaus, der andere zerrte sie hinab; der Erfolg war meistens, daß die Jugend lieber den Maximen des Nützlichen, des Angenehmen folgte und den unpraktrschen Idealismus verlachte. Unsere Ausgabe wäre nun trotzdem schlecht oder gar nicht erfüllt, wenn wir den profanen Unterricht einschränken oder vernachlässigen wollten, um dem Religionsunterricht desto größeren Spielraum zu lassen. Im Gegentheil, unsere jüdische Schule muß auf profanem Gebiete mindestens ebensoviel leisten, als jede andere gleich stufige Schule. Der Unterschied liegt nicht in der Menge des Lehrstoffes, sondern darin, daß sämmtliche Fächer in harmonischem Einklang mit dem Judenthum, mit Unterstützung desselben und zu seiner Unterstützung gelehrt werden. Menschenthum (sogenannte Bildung) und Juventhum sind mit Nichten feindliche Mächte, vertragen sich nicht

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