Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-04-13 · Heft 29 (13.4.1899) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 29 (13.4.1899)
Date
1899-04-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448980--48058-2498436
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

545 Dieser großen Thierquälerei könnte nun leicht abgeholfen werden, wenn ein Phantom mit Federeinrichtung construirt würde, das zu Einübungszwecken bestimmt wäre; erst dann, wenn der junge Metzger an demselben die nöthige Kraft und die nöthige Uebung sich erworben hat, dürfte er an die Tödtung eines lebendes Thieres gehen, auf diese Weise würden sicherlich dem Schlachtvieh viele Quälerei erspart bleiben. Ein weiterer Mißstand ist der, daß die Lohnschlächter, die täglich oft vier und sechs Stück zu schlachten haben, um den Weg von der Stallung zur Schlachthalle nur einmal gehen zu müssen, alle Thiere auf einmal dorthin führen; so kommt es vor, daß so ein Thier stundenlang inmitten aller Schlachtproceduren stehen muß. Wenn ja zugegeben werden muß, daß die Intelligenz eines solchen Thieres sich nicht so weit erstreckt, daß es weiß oder merkt, daß es geschlachtet wird, weil es sich sonst eben mit einem ganz dünnen Stricke nicht anbinden ließe, muß anderseits doch sicher auch eingeräumt werden, daß der Eindruck eines solchen Thieres, das zitternd und mit weit geöffneten Nasenlöchern furchtsam um sich schauend dasteht, der eines sehr geängstigten ist. Würde jedes Thier einzeln geholt und sofort geschlachtet werden, wäre diesem die Angst erspart und zugleich auch ein Anblick beseitigt, der jedem gefühlvollen Menschen einen unangenehmen Eindruck machen wird. Frankreich. Paris. (Central-Komitee der All. JSr.) Die Paragraphen 8 und 9 der Statuten der Alliance lauten: „Das Central-Komitee wird durch das allgemeine Votum der Mitglieder nach Stimmenmehrheit gewählt", ferner „die Mitglieder der Central- KomiteeS sind auf neun Jahre gewählt und zum Dritttheile alle drei Jahre zu erneuern", endlich „die Mitglieder des Central-KomiteeS find in unumschränkter Weise wieder wählbar." Die letzten Wahlen zur Erneuerung des Drittels, das von den Mitgliedern des Komitees ausschied, und zum Ersatz der verstorbenen und entlassenen Mitglieder fanden 1893 statt; die nächsten Wahlen hätten schon 189b stattfinden sollen, aber verschiedene Ordnungsrücksichten haben das Komitee dazu veranlaßt, sie aufzuschieben. Es war beschtoffen worden, daß sie Ende 1898 stattfinden sollten. Die einmüthige Meinung der Mitglieder des Central-KomiteeS, sowie die der größeren OrtSkomitee? war, daß die Wahlen durch die allgemeine Abstimmung der Mitglieder gewisie Schwierigkeiten böten, und daß dar Komitee bester daran thun würde, sich durch Annahme von Personen zu ergänzen, die vorgeschlagen wurden, um die gestorbenen oder entlastenen Mitglieder zu ersetzen. Diese Ansicht ward befolgt: Unter dem Vorbehalt, die Enscheidung im günstigen Augenblick durch eine allgemeine Abstimmung der Mitglieder genehmigen zu lasten, schritt in der letzten Sitzung de» Dezember 1898 das Central-Komitee zur Bestimmung der neuen Mitglieder. Hier folgen die Namen der zu ersetzenden Mitglieder: In Pari»: Joseph Derenburg, gestorben; Eouard Kohn, gestorben; Baron M. von Hirsch, gestorben; S. Wolff abgedankt. Außerhalb von Paris: Dr. Bamberger, Königsberg, gestorben; Israel Costa, Livorno, gestorben; A. A. Daniels, Amsterdam, abgedankt; Sir Julian Goldfmid, London gestorben; Deutsch de Halvan, Budapest, gestorben; Benjamin Luria, Hamburg, gestorben; Joseph Perles, München gestorben: Die neuen Mitglieder, die für da» Central- Komitee in Aussicht sind: In Paris: Alfred Bechmann, Banquier; Dr. Dreyfus-Brisac, Arzt; Lavier Leon, Direktor der Revue de Metaphysique;" Sylvain Levi Profesior am „College de France;" Camille Lyon, Stadtrath. Außerhalb von Pari»: Joseph Deutsch von Halvan, Präsident de» Komitee in Budapest; Jsaac Fernandez, Präsident de» Komitee in Konstantinopel; M. H. Goldschmidt, Banquier in Stuttgart; W. H. Hinrichsen, Präsident der „Anglo- Jewish-Astociation" in London; Vittorio de Rosst, Advokat in Livorno; Prof. Dr. Samuel, Vorsteher der israel. Gemeinde in König»berg; Alexander Simon, Banquier in Hannover; Dr. Werner, Rabbiner in München. Die Bestimmung de» Nachfolger» de» Herrn A. Daniels in Amsterdam ist der Wahl der Generalversammlung der Mitglieder in den Niederlanden überlasten worden. Diese Wahl wird später staltfinden. Rußland.. Petersburg. (Gerichtsbarkeit.) Der Assisenhof hat jüngst über eine ziemlich seltsame Sache zu entscheiden gehabt: ein Jude, David Lion hatte sich den Titel „Rabbiner" angemaßt, um eine Trauung zu vollziehen. Rach dem Anklageakt wird der Betreffende .beschuldigt, ebenfalls am 29. August und 2. September 1897 in Lomza zwei Trauungen vollzogen zu haben; da er nicht mit einem rabbinischen Diplom versehen ist, ward ihm bei Riten der jüdischen Religion zu fungiren, verboten. Vor dem Untersuchungsrichter leugnete er seine Schuld mit der Behauptung, niemals amtlich thätig gewesen zu sein. Aus den Beweismitteln des Untersuchungshofes erhellt, daß Lion, obwohl er den Hochzeiten beigewohnt, sich nicht in der Eigenschaft eines Rabbiners dort befand, sondern blos als ein gewöhnlicher Eingeladener, daß er nicht fungirt hatte, daß es ihm unmöglich war, das zu thun, abgesehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.