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Der Israelit · 1899-04-13 · Heft 29 (13.4.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 29 (13.4.1899)
Date
1899-04-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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540 wurden, hauste ein zweiter Haufen in der Skalitzer Gaffe im Branntweinladen des Samuel Horpatzky, dem es ähnlich' erging wie der Munkschen Handlung. Sodann stürmte die Menge das am Ringplatz befindliche Großhandlungshaus Josef Kraus, wo aber fünf Gendarmen sich aufgestellt hatten. Trotzdem war es den Plünderern gelungen zwei Rollthüren zu erbrechen und die Auslagfenfter zu zertrümmern; da aber die Gendarmerie Ernst zum Schießen machte, flüchtete die johlende Menge und zog zum Koloirialgeschäfte des Richard Müller. Auch hier wurden die Eisenthüren erbrochen und große Mengen von Maaren verschleppt und vernichtet; der Laden und die Schreibstube sind ausgeplündert. Hier und bei Munk brach während des Vernichtungswerkes Feuer aus, das aber rasch gedämpft;wurde. Es war unterdeffen 3 Uhr Morgens geworden, die Menge hatte sich in den umliegenden Dörfern verlaufen, um den Raub in Sicherheit zu bringen. Die Plündernden gehören allen Arbeitergruppen, von den Radicalen bis zu den Christlichsozialen, an. Die Sicherheitswache und die wenigen Mann Gendarmerie waren gänzlich unzureichend, der größte Theil der während des Streikes hier weilenden Gendarmen hatte Nachod bereits verlaffen. Die städtische Behörde war ganz unthätig. Trotzdem schon gegen 8 Uhr von der Bezirkshauptmannschaft Militär verlangt und einigemal dringend verlangt worden war, langte selbes in der Anzahl von 310 Mann mittels Sonderzuges erst um 6 Uhr Morgen» hier an, zu einer Zeit, da das Vernichtungswerk bereits beendet war. Verwundet wurde der Gendarmeriewachtmeister leicht am Kopfe; die Geplünderten konnten sich mit heiler Haut retten. Das Militär streift durch die Stadt. Bei mehreren Hausdurchsuchungen wurden große Mengen geraubter Maaren gesunden und zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Daß der Schaden ein bedeutender ist, liegt auf der Hand; er soll 70,000 fl. betragen. Rach der obigen Darstellung hat es allerdings den Anschein, als ob ein Zusammenhang zwischen den Streikenden und den Plündernden bestanden hat, allein da, wie auch die „Bohemia" zugibt, Arbeiterbewegungen in Böhmen bisher nicht den Charakter solcher Raubzüge angenommen haben, so wird man erst genauere Nachrichten über die Urheber der Ausschreitungen und die Teilnehmer an denselben abwarten müssen, ehe man sich ein bestimmtesUrtheil bildet. England.? London. Der Board of Guardians hielt am Sonntag, 19. März seine jährliche Generalversammlung ab. Mr. B. L. Cohen, der Vorsitzende, erstattete in einer langen, aber sehr intereffanten Rede den Bericht des Board. Mit Genugthuung konnte der Präsident konstatiren, daß das Jahr 1898 eine erhebliche Besserung nach allen Richtungen aufweist, besonders die Zahl der um Unterstützung nachsuchenden Personen, welche schon einmal Hilfe erhalten haben, ist erheblich zurückgegangen, ein Beweis dafür, daß dieselben sich in erhöhter Zahl selbstständige Eristenz begründet haben. Sehr bemerkenswerth ist auch, daß das Sanitäts-Komitee in der größten Mehrzahl der Fälle 439 von 508 die hygienischen Uebelstände abstellen konnte, die es bei dem Besuch der Wohnungen vorsand. Die Finanzen des Board sind zwar noch immer ungünstig, doch ist es durch einen Aufruf wenigstens möglich gewesen, soviel Geld zu erhalten, daß das alte Defizit gedeckt werden konnte. Mit Stolz durfte man die Thatsachen hervorheben, daß die Todesrate in Whitechapel niedriger ist, als in irgend einem der anderen armen Viertel Londons. Die gute Verwaltung des Board fand denn auch in der Generalversammlung allgemeine Anerkennung und das Meeting schloß mit einer großen Ovation für den Präsidenten B. L. Cohen. Afrika. Algier, 9. April. Max Regis wurde heute Vormittag wegen einer gestern gehaltenen heftigen Rede verhaftet, in der er den Gouverneur von Algerien und den Präfekten von Algier angegriffen hatte. Abyssinien. § Harrar Der Vicekönig der Provinz Tigre, Ras Mangascha, der sich, wie bekannt, vor einigen Wochen gegen seinen Gebieter, den Negus Menelik, empört, hat sich nun wieder unterworfen und zugleich sein Amt als Vicekönig von Tigre, dem Vicekönige von Harrar, Ras Makonnen, abtreten müssen. Alle jene Bewohner Tigres, welche den Rebellen Ras Mangascha unterstützt haben, sehen ihrer Bestrafung entgegen. Auf Seiten Ras Mangafchas standen aber diesmal nicht nur Amharrer (Christen), sondern auch Moyamedaner. Nur die Falaschas wollten mit den Rebellen nichts gemein haben, und erklärten sie ihm offen, daß, da er sich gegen seinen und ihren Herrscher, den Negus Menelik empört habe, so erkennen sie ihn nicht mehr als ihren Vicekönig an und zahlen sie ihm auch mehr keine Steuern und leisten ihm auch mehr keine Heeresfolge. Als Negus Menelik von diesem Vorgehen der Falaschas hörte, lobte er sehr ihre Treue gegen seine Person und sicherte er ihnen noch weiter seinen königlichen Schutz zu. Vermischtes Rybnit, 6. April. Die fromme und wohlthätige Gattin des hi sigen Rathsherrn Prager, Ehrendame des israel. Waisenhauses in Rybnik, ist im Alter von 60 Jahren gestorben und unter ungewöhnlich großer Theilnahme aller Bevölkerungsklassen begraben worden. Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor hielt die Trauerrede. ---

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