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Der Israelit · 1899-04-13 · Heft 29 (13.4.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 29 (13.4.1899)
Date
1899-04-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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539 laßt werden nnn ^sa aus der heiligen Stadt zu beziehen. Bad Neuenahr. Letzten Sommer berichteten wir von der Vereinigung mehrerer Herren zur Gründung des Vereins Israel. Krankenheim am hiesigen Platze mit dem Zwecke, armen Israeliten, welche eines Kurgebrauchs in Bad Neuenahr bedürfen, freie Verpflegung und Unterkunft zu gewähren. Heute können wir unseren Lesern schon mittheilen, daß das Streben dieser Männer von schönstem Erfolge gekrönt ist. Wie sich aus der am dritten crt. in Ems abgehaltenen Vorstandssitzung zeigte, hat der Verein bereits eine stattliche Anzahl Mitglieder und ist in der Lage, schon in diesem Jahre an seine edle Aufgabe heranzutreten. Dementsprechend beschloß der Vorstand und genehmigte einen Vertrag mit Fräulein H. Wolff in Bad Neuenahr, welche den Pfleglingen Unterkunft und Verpflegung gewähren wird. Der Name dieser Dame bürgt für streng rituelle und kurgemäße Küche und werden die Kranken bei ihr bestens aufgehoben sein. Für ärztliche Behandlung ist auch bestens gesorgt, indem der dem Vorstande des Vereins angehörende Arzt, Dr. Weidenbaum, bereitwilligst dieselbe zu übernehmen versprochen hat. Leider wird der Verein für's Erste nicht allen Ansprüchen gerecht werden können, da es vor der Hand nur möglich ist, Kranke in beschränkter Anzahl aufzunehmen. Doch wird sich dieses hoffentlich bald günstiger gestalten und der Verein in der Lage sein, ein eigenes Heim zu schaffen, wozu bereits durch Anlage eines Reservefonds der Grundstock gelegt ist. So wird dann wieder ein neues Denkmal wahrer jüdischer Nächstenliebe entstehen zum Frommen unserer unglücklichen Brüder und Schwestern und zur Ehre aller Derer, welche mit an demselben gewirkt haben! Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Prag, 7. April. (Die Plünderungen in N a ch o d.) Im Februar brach in Nachod ein Streik der Weber aus, der Ende März durch Gewährung einer Lohnerhöhung beigelegt wurde, außer in der Fabrik von Jakob Pick, wo eine Einigung nicht zu erzielen war. Gestern erschien nun eine Deputation der noch im Streik befindlichen Arbeiter — etwa 150 — in der Fabrik, um wegen Wiederaufnahme der Arbeiter zu unterhandeln. Direktor Goldmann erklärte der Deputation, daß von einer Bewilligung der Forderung um eine Lohnerhöhung von 30 Prozent keine Rede sein könne. Wenn auch die Verhältniffe eine so ausgiebige Lohnerhöhung nicht gestatten, so werde die Fabriksunternehmung zu den bereits früher gemachten Zugeständniffen neuerliche hinzutreten lassen. Der Direktor wies darauf hin, daß die Weber in der Fabrik infolge der Erzeugung besserer Leinenwaaren höhere Löhne beziehen als dies in irgend einer Fabrik Nachods auch nach dem letzten Streik der Fall sei, und fügte hinzu, daß die Firma, um der Situation ein Ende zu machen, eine abermalige Erhöhung concedire. Die Deputation entfernte sich. Das weitere wird in einem Berichte der „Bohemia" aus Nachod 6. April folgendermaßen geschildert: Die streikenden Pick'schen Weber holten die um sechs Uhr Abends aus den Fabriken ziehenden Arbeiter ab und zogen mit diesen zum Hause und sodann zur Fabrik von Pick. Sie johlten zuerst, stießen dann Drohungen aus, bombardirten endlich Fabrik und Wohnhaus mit Steinen und zertrümmerten alle Scheiben. Vergebens bemühten sich vier Gendarmen, die Menge zurückzuhalten, es gelang ihnen nur, sie von dem Betreten der Fabrik abzuhalten. Nun wälzte sich der Haufe, der zu Tausenden anschwoll, auf den Ringplatz, wo fast alle von Juden bewohnten Häuser mit Steinen beworfen und alle Fenster dieser Häuser zertrümmert wurden. Ebenso erging es allen Gebäuden in der Judengaffe und in der Schlesischen Gaffe, wobei auch Fensterrahmen herausgerissen wurden. Da sich dem wüthenden Volke weder Sicherheitswache noch Bürger entgegenstellten. fühlte es sich zu weiteren Schandthaten aufgemuntert. Die Wütheriche erbrachen die Mehlniederlage und Bäckerei des Wilhelm Heller, trugen alle Speifevorräthe weg oder verschütteten dieselben. Mit Hacken und Brechwerkzeugen bearbeiteten sie die im nebenliegenden Wohnzimmer stehende feuerfeste Caffa; nach etwa zwei Stunden erbrachen sie dieselbe und raubten 4000 fl. baar nebst vielen Werthsachen; alle Einrichtungsstücke wurden vernichtet. Dann ging es über den Branntweinladen des Jakob Munk her, woselbst der Inhalt der Fässer ausgetrunken oder verschüttet wurde; auch hier fielen viele Federbetten und Einrichtungsstücke in die Hände der Plündernden. Nachdem auch die Wohnung des Fleischers Josef Lederer demolirt war, stürzten sich die Raubenden volltrunken auf das Kleider- und Tuchgeschäft des Josef Sandes. Dieses Lokal wurde wahrhaft vandalrfch zugerichtet; nicht ein Tuchrest, nicht ein Kleidungsstück ist da zurückgeblieben. Die nebenanliegende Werkstätte und Wohnung ist vollständig ausgeraubt, die Einrichtung zerschlagen, der Ofen demolirt — der Mann ist in einer Stunde an den Bettelstab gebracht worden. Die Lagerräume der Fabriksfirma Lederer und Stansky wurden ebenfalls erbrochen und tausende Stück Weiß- und Buntwaare wurden gestohlen, zerrissen und über die ganze Gaffe verstreut. Dann fiel die Kolonialwaarenhandlung des Karl Kirschner den Wüthenden zum Opfer; die Waaren wurden theilr fortgeschleppt, theils vernichtet; auch dieser Mann ist um Alles gekommen. Während diese GeschäftSlokalitäten in der Schlesischen Gasse geplündert

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