Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 28 (10.4.1899)
- Date
- 1899-04-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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524 bischer Kunftdenkmäler angelegen sein zu lassen. Zufällig kam eines Tages ein Kunsigewerbetreibender ins Düsseldorfer Kunstgewerbemuseum, um nach einem Motiv zu suchen, er sollte für einen reichen Herrn ein UmfassungS- Gitter für das Grab dessen Elrern ansarbeiten und zwar sollte dieses in einer — vom spezifisch-jüdischen Standpunkt auS betrachtet -- stylgerechten Weise geschehen. Er (Direktor Frauberger) sagte dem Manne bierauf' Das ist sehr einfach, gehen Sie nur in den Vorlagen-Saal, da finden Sie jedenfalls in genügendem Umfange, was sie suchen. Der Mann suchte und -suchte, konnte aber nichts finden. Nun wurde ))(ebner stutzig, rechcrchirte und kam zu dem Ergebniß, welches er bis dahin nicht fiiv möglich gehalten hatte, der Vorlagen-Saal enthält wohl 00,000 verschiedene Exemplare für alle erdenkliche Zweige des Knnstgewerbes. Daß Katholiken und Protestanten in überreicher Auswahl hier Vorzeichnungen für Kirchen finden können, versteht sich von selbst. Aber käme auch ein Muselmann, könnte er tausend Proben von Moscheen in herrlichster Ausführung sehen, ein Bndhist würde ebenso auch Vorbilder für seinen Teuivcl in reichhaltiger Auswahl finden, mir für jüdische Zwecke und nach jüdischem Style war gar nichts vorhanden- Dies ist dem Redner, der zwar selbst nicht Jude ist und damals auch zu jüdischen Kreisen keine Begehungen halte, als eine Anamalie erschienen, für welche Abhilfe zu schassen, er sich vornahm- Zu diesem Behnfe bestintinte er aus eigenen Mitteln M. 400 — dafür, um ein Archiv jüdischer Vorbilder anznlegen. Er schrieb dann nach den verschiedensten Richtungen an Kunstanstalten und Photographieen, besonders nach London, empfing aber von überall her den Bescheid, es sei nichts vorhanden- Hiermit gab er sich jedoch nicht zufrieden. Wie sollte — so dachte er — ein Volk, das die wunderbarste, nach Jahrtausenden zählende Geschichte sein eigen nennt, das durch die Flnthen der Zeiten und Geschlechter seine Eigenart und sein charakteristisches Wesen bis auf den heutigen Tag sich bewahrt hat, nicht auch Zeugen seines Kunstsinnes und seiner Kunstfertigkeit anfznweisen haben. Redner sah sich dann, wo es ihm möglich war, Synagogen an, kaufte sich behufs Aneignung der jüdischen Sprache eine Fibel und ein Werk aus dem vorigen Jahrhundert, welches jüdische Gebräuche behandelt. Indem er sich auf diese Weise in jüdisches Leben und jüdische Art vertiefte, fand er, daß die vielfach verbreitete Anschauung, als hätten die Juden für bildende Kunst nichts geleistet, grundfalsch sei. In Prag, Brindisi, Parma sah Redner alte Synagogen, deren Styl hochentwickelten künstlerischen Sinn und schöpferischen Geist verrieth. Redner findet, daß sich jüdisch-architektonisches Talent schon bei dem Stifcszelt mit der Bundeslade in glänzender Weise gezeigt hätte, tvie schon deren ausführliche und anschauliche Schilderung in den heiligen Büchern verständnißvolles, plastisches Empfinden erkennen läßt. Auf seinen Reisen hat Herr Direktor Frauberger ein reichhaltiges Material jüdischer Knnstdenkmäler vorgesunden und photographiren lassen. Das Gebiet jüdischer bildender Kunst, welches selbst so ziemlich noch eine incosrmta ist, scheidet Redner in zwei Gruppen. Die dem Heiligen gewidmete Kunst (in der Svnagoge) lind die Kunst im täglichen, profanen Leben der Juden. Beide Gruppen scheiden sich wieder in zwei Unlerabtheilungen: die Kunst nach Außen (Gebäude) und die innere Ausschmückung von Synagoge und Haus. Für alles fand Redner zahlreiche Beispiele: Alte Synagogen alis Deutschland, Frankreich, Italien, Holland, der Türkei und dem heiligen Lande, ferner herrliche Exemplare des Aron hakodesch, Umhüllungen für Thorarollen, Sefer Thoras, Jad u. f. w. Aus alt jüdischen Häusern wurden uns Gegenstände gezeigt, die sich nur auf das rein jüdische Leben beziehen, wie kunstvoll ausgeführte Sabbatuns Chanukka-Leuchter. Besomiin-Büchfen, Seder- Schüsseln, Kele kodesch, Mohelbücher, Mohelmesser, ferner hochinteressante Exemplare von Mischnas, Tefilas und illustrirten Hagadas u. A. Wenn jüdische Kunstwerke manchmal auch .von nichtjüdischen Händen ausgeführt worden seien, so sei dies trotzdem jüdische Arbeit, da die Anfertigung dann nur aus Grund genauer Angaben und präeis vorgezeichneter Entwürfe geschah. Redner macht uns auch bekannt mit Verlobungsringen aus dem 14. Jahrhundert, ebenso mit solchen aus Filigran aus dein 15. Jahrhundert stammend. Jüdische Gol-schmiede, die gewöhnlich gleichzeitig Münzineister waren, spiclccu eine bemerkcnSwerthe Rolle, als die Mauren in Spanien herrschten. Der Werth überaus kunstreicher Goldstickereien und ^ilberrvebereien, welche in den Synagogen von Rom und Padua sich be fanden, soll eine Million übersteizeu. Redner fand glänzende Proben jüdischer bildender Kunst auf den verschiedensten Gebieten, welche er bezeichnet: Keramische Arbeiten, Webereien, Stickereien, Spitzenarbeiten, Holzarbeiten auö gothischer Zeit, Beschueidungsstnhle, Holzvcrzierungen als Wandverkleidung dienend, sowie ungemein zahlreiche Arbeiten arrf dein Gebiete der Metallinduitrie von Eisen bis zrr den Edelmetallen Gold und Silber, wozu zu bemerken sei, daß bei der Anfertigung die verschiedensten technischen Verfahren beobachtet wurden. Herr Direktor Frauberger versteht es eine Fülle von Anregungen 31t geben, wie daS Anständen und Sammeln jüdischer Kunftdenkmäler gefördert werden kann. Seine Initiative hat wesentlich dazu beigetragen, daß sich im Jahre 1807 in Frankfurt a. M. eine „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Ziunstdenkmäler" bildete. In dem danials zur Versendung gelangten Eircular hieß es: „Es ist beabsichtigt, hervorragende, fachkundige Gelehrte in allen Ländern der Welt zur Mitarbeit heranzuziehen, welche diese Forschungen betreiben und dieselben wissenschaftlich durch Berathuug und Begutachtung fördern sollen, und ferner ein Drgan zu schaffen, in welchem alle Ergebnisse der Nachforschungen mitgetheilt, neue Anregungen ge geben werden und ein Austausch der Ansichten der Forscher und Sachkundigen erfolgt. Der Resactenr dieses Blattes würde zugleich die wissenschaftliche Eentralstelle bilden, während die technische Leitung des Unternehmens in den Händen des Herrn Direktor Frauberger ruht." Redner gab in seinem hiesigen Bortrage dem Wunsche Ausdruck, es möchten jüdische Frauen in recht ausgedehntem Maße sich bereit finden lassen, sich wie in den älteren Zeiten der Herstellung von Vorhängen für Aron Hakodesch, von Thora - Mäntelchen, Schulchandecken und anderen Eultusgegeaständen mit Liebe und Eifer zn widmen, dann wird ihr Beispiel, wie imnter auch auf die Männer segensreich etnwirken, dann wird Begeisterung und lehendiges Interesse erweckt werden für die aus den ältesten Zeiten hereinragenden Zeugen jüdischen Geistes, jüdischen Talentes und jüdischen Fleißes und die bildende Kunst wird sich als ein Ehrenblatt darstellen, in der an Glanzpunkten so überaus reichen Geschichte des jüdischen Volkes. > Vermischtes. «4- Plauen, 7. Avril. Ahlwardt hat hier wieder einen seiner bekannten Dveaclis, leider mit großem Bei all gehalten. Von der falschen Voraussetzung ausgehend, daß der Mittelstand dem Untergang geweiht sei, zog er dann aus die Juden los, den Kamps gegen diese als einzige Rettung empfehlend. Ein klei es Pröbchen aus dem stundenlangen Vortrag, sei hier mitgetheilt: „Die Juden streben vor allem nach Macht. Sitzt doch hecike schon auf einem europäischen Thron, dem schwedischen, eine Jndenfamilie. Bernadotke, der Schwedens Thron er-