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Der Israelit · 1899-04-10 · Heft 28 (10.4.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 28 (10.4.1899)
Date
1899-04-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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■-«*«5«. rK&VSFf 525 langte, war der Sohn eines jüdischen Rechtsanwaltes. Um sich der jüdischen Machenschaften zu erwehren, kämpfen die Norweger: von diesem Gesichtspunkte aus sind ihre Los: reißungs-Bestrebuugen von Schweden zu betrachten." Bekanntlich giebt es in ganz Schweden und 'Norwegen kaum 200 Juden. Feuilleton. „Wiebet eure Meinde." »sf,•■ •*!?• Eine apologetische Erzählung *» Von Avnoiv Wtarrrr N) Nachdruck verboten. Wegner war Junggeselle geblieben. Er dachte auch nicht daran, jemals zu heirathen. Er war ein Weiberfeind geworden, seitdem ihm ein Mädchen, das er in den ersten Tagen seines Gollheimer Aufenthaltes geliebt hatte, von einem Anderen weggekapert worden war. Zwischen Feist und Wegner aber entwickelte sich inl Laufe der Jahre ein überaus inniges Freundschaftsverhältnis das gewissermaßen typisch genannt werden konnte für den friedlichen Geist, der in Göllheim die einzelnen Konfessionen beseelte und von dem wir bereits einige der schönsten Aeußerungen berichtet haben. Feist's Haus und Familie ersetzte dem Junggesellen geradezu das eigene Heim. Wegner ging bei dem Juden ein und aus. Ost genug schwelgten die ehemaligen Seminargenossen in ihren Jugenderinnerungen. Dann leuchteten Seligmann Feist's Augen vor verhaltener Sehnsucht. Er blickte auf jene Zeit zurück, wie auf ein verlorenes Paradies. Allmählig gewann Wegner auch einen gewissen Einblick in das religiöse Leben der jüdischen Familie. Manchen Brauch, manche Ceremonie, mußte ihm Feist erklären und deuten. Nicht selten lauschte er am Freitag Abend dem Kiddusch, den der Hausherr sprach, und der schmackhafte Berches schmeckte ihm ganz vorzüglich. Zum Laubhüttenfeste brachte er Feist aus seinem großen Garten die schönsten Früchte, namentlich riesenhafte Kürbisse und er war der erste, der am Vorabend des Festes die im Lichterglanz erstrahlende Hütte bewundern durfte. „Er ist ein halber Jude!" pflegte Seligmann oft zu seiner Frau zu sagen, wenn sie von ihm sprachen. Ein halber Jude war Robert Wegner nun zwar nicht, aber er war ein ganzer, ein echter Christ, der *) Neu eingetretene Abonnenten erhalten auf Verlangen den Anfang dieser Erzählung kostenfrei nachgeliesert. Erp. d. Z. den Hauptgrundsatz der christlichen Lehre, die Liebe tief in sein Herz geschrieben hatte. II. Der kleine David Feist war Barmizwah geworden. An der Feier hatte sich die ganze Gemeinde bethciligt. Jeder ehrte in dem Sohne den Vater. Auch Robert Wegner war mit in der Synagoge gewesen und hatte den ihm unverständlichen Worten gelauscht, die der kleine „Konfirmand" aus der Pergamentrolle vorlas. Rach dem Gottesdienst war er mit einer ffctneit Bibliothek angerückt. Eine ganze Anzahl der lehrreichsten und nützlichsten Bücher — das war sein Geschenk für den Sohn des ehemaligen Studiengenossen. Er wußte, daß er mit einem solchen Geschenk Seligmann Feist mehr Freude machte, als mit Gold und Silber, und er spielte darauf auch in der kleinen Rede an, welche er am Nachmittag bei der Festtafel hielt — denn daß er dabei nicht fehlen durfte, das war bei allen schon längst eine ausgemachte Sache. Es hatte sich glücklich getroffen, daß Davids Barmizwah gerade in die Ferien fiel, welche sich für ihn an die Äbsolvirung der Quarta schlossen. Nach Ablauf der Ferien — es war nur etwa 14 Tage nach der Barmizwah-Feier — sollte David in der benachbarten Kreishauptstadt die Untertertia des Gymnasiums beziehen, da die Bürgerschule zu Göllheim statt des Griechischen das Englische in ihrem Lehrplan hatte. David schien den Eltern noch zu jung und unerfahren, als daß sie sich völlig von ihm getrennt hätten. Die Eisenbahn fuhr nur eine halbe Stunde bis nach H.; da sollte David jeden Morgen und Abend die Bahn benützen, in H. zu Mittag speisen, im Uebrigen aber im Ellernhause schlafen, dorten seine Arbeiten anfertigen, unter der Aufsicht und Mithülfe des Vaters. Es war an einem schönen, sonnenwarmen Apriltage, als Seligmann Feist mit seinem Sohne den Zug bestieg, der sie nach H. bringen sollte. David mußte beim Direktor des Gymnasiums angemeldet werden. Von Göllheim nach der Hauptstadt fand immer ein ziemlich reger Verkehr statt. Auch heute war der kleine Bahnhof ziemlich dicht gefüllt mit Reisenden, die auf den Zug warteten. Auch Robert Wegner war unter ihnen. Eine geschäftliche Angelegenheit rief ihn nach H. und er hatte sich mit Freuden zu Feist gesellt. „Also, David soll heute die Schwelle der hohen Schule übertreten," so hatte er den glücklichen Vater angeredet und David dabei zärtlich die Wange gestreichelt, „wirst gewiß recht fleißig sein," fuhr er, zu dem Kleinen gewendet, fort, „und den Eltern Freude machen!"

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