Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 28 (10.4.1899)
- Date
- 1899-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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.HR’JMÜi'y* ^'* '■-ww r*W>!> -T. 521 Berlin. ^Berliner Briefe V. SchlußZ (Zur Berliner Nabbinerwahl.) Zu erwägen wäre nur noch wie dieses prächtige Bück'sche Prineip der Principienlosigkeit, wonach ein Mensch mehr als eine Richtung haben soll, auch außerhalb der Semiuarien, Hochschulen und Rabbinerversammlungen zur Anwendung und ersprießlichen Ausgestaltung zu bringen ist. Und da liegt die Anwendung, dächte ich, so nahe, daß man sie mit Fingern greifen und die leidige hiesige Rabbinerfrage mit einem Ruck erledigen kann. Wie wäre es, wenn die Rabbiner und Prediger, nach dem Recept, das hier für die Rabbinatscandidaten empfohlen wird, in Berlin, Preußen, Deutschland, kurz soweit der Allgemeine Verband reicht, während eines Turnus von etwa zwei Jahren mit einander tauschten? Das kann durchs Loos, durchs A. B. C., oder nach welchem Modus sonst entschieden werden und Berlin könnte leicht einen solchen Modus durchsetzen, der ihm rasch und sicher, den so lange vergeblich gesuchten orthodoxen Rabbiner bringt. Ein salbungsvolles Bibelsprüchlein zur Begründung und Verherrlichung dieser Verbrüderung wird sich schon finden. Von den Hirten Abrahams und Lots wissen wir, daß sie sich nicht vertragen konnten. Aber die Schafe waren einig. Wie muß diese Einig' keit zur innigen Verbrüderung auswachsen, wenn ihnen die Hirten mit dem Beispiel der Verträglichkeit so mustergiltig voraugehen! Einige untergeordnete Differenzen werden sich bei dem allseitig guten Willen leicht beseitigen lassen. Wenn z. B. Herr Dr. Maybaum wieder ein 22' mtriP mekaddesch sein wollte, so braucht es ja nicht gerade in den zwei Jahren zu geschehen, in welchen ihn sein Turnus in einer orthodoxen Gemeinde amtiren läßt. Auch seine Leugnung von der Göttlichkeit der Thora, von itod ,D’ron rpnn, kurz seine Eigenschaft als ^'yD reis, wird er gewiß zwei Jahre lang unter seinem Talar zurückhalten können. Aber auch wenn er das nicht vermöchte, so werden unsere erleuchteten maßgebenden Kreise darin keine Klippe finden, an welcher das große Versöhnungswerk scheitern muß. Wenn die neue Heileswahrheit, daß der Mensch mehr als eine Richtung haben muß, eonsequent durchgefühlt nicht auf die Rabbinen beschränkt, sondern auch auf die Gemeinden angewendet wird, dann kann es nur wünschenswerth sein, wenn auch die orthodoxen Gemeinden das Evangelium der Abtrünnigkeit und des Treubruchs einmal von seinen eigenen Aposteln plausibel gemacht erhalten. Etwas complicirter liegt die Sache schon bei der Amtirung der orthodoxen Rabbinen in den Reformtempeln. Betreffs einiger Aeußerlichkeiten wird sich für die Predigt orthodoxer Rabbiner vor den aufgeklärten, leeren Bänken der Resormtempel eine gewisse Reserve empfehlen. Die religiöse Wetterfahne des Gemeindevorstandes, die „Allg. Zeitung des Judenthums" hat z. B. kürzlich die Beobachtung des nxxn -ne*» eine Beschränktheit genannt. Es empfiehlt sich unter diesen Umständen ein Gebet um gutes Wetter einzuschalten, damit kein orthodoxer Rabbiner durch Nichtbenützung eines Regenschirms das Odium der Beschränktheit auf sich lade. Man sieht, wo ein Wille ist, findet sich ein Weg. 'Natürlich darf man sich von querköpfischen Principienreitern nicht beirren lassen, wenn sie den von Herrn Bäck gestellten und von mir erweiterten Antrag eine Prinzipienlosigkeit sondergleichen schelten. Das vollendete Gegentheil ist der Fall. Wir haben Alte und Neue, Wilde, Zahme, Eckige, Glatte, Ganze, Halbe, Ultra-Reformer und Ultra-Orthodoxe, also ein ganzes Minjan von Schattirungen und Parteiungen, mit ihren Principien. Wenn einer keines von diesen Principien hat, so ist er principlos. Wenn sie einer aber alle Zehn hat, wenn er jedem gerecht zu werden sucht, wenn er mit den Frummen frumm, und mit den Krummen krumm ist, dann wendet vielleicht Herr Maybaum den Vers vpv Dir -rcrain -ron cy ^rjcnrj auf ihn an. Ich gehe nicht soweit und beschränke mich nur zu constatiren: Principien! 0 s kann einen so principienreichen Mann nur böswillige Gedankenlosigkeit nennen. Also, frisch ans Werk! m D2^> xn! Berlin, 81. März. Der ZütungShänoler Albert Neu mann, der seit geraumer Zeit die Broschüre „Juden, Sozialdemokraten und Anarchisten" vertreibt, beschäftigt jetzt recht oft das Schöffengericht, da fortgesetzt Personen, die sich durch daüberlaute Ausrufen belästigt fühlen, polizeiliche Hilfe in Anspruch nehmen. Am 7. Februar hatte Neumann vor dem Portal des Reichstagsgebäudes, welches die Abgeordneten zum Eintritt benutzen, Aufstellung genommen und prie« seine Broschüre in schreiender Weise an. Als der Abg. Knörcke ihm hierüber Vorhaltungen machte, erwiderte Neumann in noch lauterer Weise, so daß schließlich ein Schutzmann eingreifen mußte. Am 10. Februar untersagte ihm in der Friederichstraße ein vom Publikum her beigeholter Schutzmann sein lautes Rufen, er kam jedoch der Aufforderung, ruhiger zu sein, nicht sofort nach. Das Schöffengericht verurtheilte den Angeklagten Neumann wegen dieser beiden Uebertretungen abermals zu neun Mark Geldstrafe eventuell drei Tagen Haft. Breslau. (Verwendung des Blutes geschächteler Thier e.) Der Regierungspräsident Dr. von Hepdebrand und der Lasa hat durch Polizeiverordnung mit Zustimmung des Bezirksausschusses für den Umfang des Regierungsbezirks Breslau die Verwendung des Blutes von solchen Thieren, denen beim Schlachten der Schlund durchgeschnitten