Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 26-27 (6.4.1899)
- Date
- 1899-04-06
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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518 sinnlichkeit Gottes und den Mesfiasglauben rein theoretisch begründeten Prinzip der Nächstenliebe seine praktische Ausgestaltung. Der Sabbat gestattet dem Hohen und dem Niedern in gleichem Maße sich in geistiger Weise zu bethätigen, an der Eultur theilzunehmen. Ihm vor Allem haben wir es zu verdanken, daß es unter Juden keine Analphabethen gibt, daß von einem jüdischen Proletariat, d. h. von der Antheilnahme an der Cultur Ausgeschlossenen, säst nicht die Rede sein kann. So bildet denn der Sabbat das verknüpfende Band zwischen der jüdischen Weltanschauung und den in der culturellen Entwicklung begründeten sozialen Gegensätzen. Mit dem Einzug des Sabbat ist die Gleichheit aller Menschen proklamirt. — Zum Schluß suchte der Redner noch die Grundzüge unseres kritischen Verhaltens gegenüber anderen Weltanschauungen, insbesondere der christlichen Dogmatik zu bestimmen. Strenge Prüfung derselben, ohne aber den rein sachlichen Boden zu verlieren, erhöhtes Selbftbewußtsein, ohne den Gegner zu kränken oder zu verletzen, werden dazu beitragen, der jüdischen Weltanschauung ihren gebührenden Rang unter deN philosophischen und religiösen Systemen wieder zu erobern. Da es nicht üblich ist, der Berichterstattung über einen Vortrag eine Kritik anzuschließen, so sei hier nur dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß der Redner die Offenbarungsidee nicht in den Rahmen seiner Ausführungen gezogen hat. H. Gr. Oesterr.- Ungar. Monarchie. Budapest. (Ein jüdisches Testament.) Der vor wenigen Tagen in Budapest verstorbene Menschenfreund Alexander Wahrmann hat in seiner letztwilligen Verfügung den Betrag von 800,000 Kronen für gemeinnützige Zwecke testirt. Davon entfallen 600,000 Kronen für die Pesther Religionsgemeinde als Alexander Wahrmann-Mittelschul-Stiftung zur Förderung und materiellen Unterstützung der von der Religionsgemeinde zu errichtenden Mittelschule, in welcher die Schüler israelitischer Confesston gründlicheren Religionsunterricht genießen sollen, als dies in den anderen Mittelschulen üblich ist; 40,000 Kronen als Alexander Wahrmann-Heiraths- Stiftung und 40,000 Kronen als Armenstiftung. Beträge von 20,000 bis 1000 Kronen wurden an 17 verschiedene israelitische Humanitäts- und Unterrichtsanstalten testirt. Das Testament schließt mit folgenden ergreifenden Worten: „Als theilweise Erklärung meiner letziwilligen Verfügungen füge ich hinzu, daß, nachdem mich in jeder Phase meines Lebens die treueste Hingebung zu dem Gotte meiner Väter leitete, der mir im Glauben meiner Ahnen Trost und Stärkung spendete in allen Widerwärtigkeiten, welche meine Angehörigen oder meine Konfession trafen, und da ich ferner die traurige Erfahrung gemacht habe, daß gerade bei der lernenden Jugend im Glauben, in der Religionslehre ein Rückgang zu bemerken ist, ich mich veranlaßt fühlte einen ansehnlichen Theil meines erworbenen Gutes dem Zwecke zu weihen, daß die heiligen Prinzipien des Glaubens, der Pietät und der Stammesangehörigkeit in den empfänglichen jugendlichen Seelen gestärkt werden und daß jene konfessionellen Institutionen eine Kräftigung erfahren sollen, welche der Humanität und der öffentlichen Wohlthätigkeit dienen. Vor der brennenden Nothwendigkeit dieser Disposition mußten viele andere im Uebrigen ebenfalls heilsame Absichten in den Hintergrund treten, denen ich unter anderen Umständen geopfert hätte. Im Uebrigen geht meine heilige Ueberzeugung dahin, daß, wenn wir die Jugend in Gottestreue erziehen, wir in ihr auch für das Vaterland und öffentliche Wohl hingebungsvolle und nützliche Bürger gewinnen werden. Für diese Auffaffung, diese Ansicht lebe und sterbe ich, als Mensch, als Jude und als Staatsbürger. In diesem Glaubensbekenntniß bitte ich Euch, geliebte Freunde, Verwandte und Geschwister bewahrt das Andenken Desjenigen, der Euch bis zum Grabe liebend ins Herz geschloffen hält. Amen! H n } e i g e gär den folgenden Theil ist die Redartiiu nicht verantwortlich. Tefllloth, Machsorim in besten nnd eleganten Einbänden. Talli», Wolle u. Seide, Q sowie sämmtl. Ritualien. Gebetbücher f. Brautgeschenke, {Stickereien f. Synagogen. Grosses Lager wissenschaftlicher Merke. u hebräische Buchhandlung, £ Frankfurt a. M. Börnestrasse 41. M> rJ UrrterhattrtngSlettüre, Schulbücher. Ausführliche Cataloge gratis und franco,