Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-04-06 · Heft 26-27 (6.4.1899) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 26-27 (6.4.1899)
Date
1899-04-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448978--48011-2498387
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

salen hat einen schweren Verlust erlitten. Am 21. d. M. wurde die langjährige Vorsteherin Frau Johanna Marcks, geb. Dinkel spiel im 61. Lebensjahre durch den Tod abberufen, allzufrüh für die Anstalt, allzufrüh für die große Anzahl von Verehrern und Freunden, die diese seltene Frau durch eine Thätigkeit von beinahe einem viertel Jahrhundert sich erworben hatte. Ihre Vorgängerin und Tante, Fräulein Fanny Nathan, eine durch außergewöhnliche Thatkraft ausgezeichnete Frau, war die Begründerin der Anstalt. Die Aufgabe, die die Verblichene von dieser übernommen hatte, hat sie zum Segen des Werkes bis zu ihrem Lebensende fortgeführt. Mit ihrem an warmer Liebe und gewinnender Güte überreichem Herzen hat sie einen Geist in die Anstalt gebracht, der allen Waisen, die ihrer Obhut anvertraut waren, diese Stätte wirklich zu einem Heime, zu einem Ersatz für das verlorene Elternhaus machte. Wie eine Mutter war sie unermüdlich für das Wohl ihrer Waisen thätig, und ihr treues Auge folgte ihnen liebevoll sorgend und schirmend, auch wenn sie in die Welt hinausgetreten waren. Eine edle, geistig hochstehende Frau verband sie die größte Selbstlosigkeit, Einfachheit und Bescheidenheit mit einem rastlosen Drange für ihre Nebenmenschen Gutes zu wirken. Bei der Trauerfeier, die im Hause, wo sie gewirkt hatte, stattfand, kamen alle Gefühle der Trauer, der Hochachtung, Liebe und Dankbarkeit, die die an ihrer Bahre Versammelten beseelten, in ergreifender Weise zum Ausdruck. Von der Behörde war Herr Geheimer Regierungsrath Landrath Jentzsch erschienen, und selbst aus weiter Ferne war eine Anzahl ehemaliger Zöglinge herbeigeeilt, um ihrer mütterlichen Freundin die letzte Ehre zu erweisen. Unter dem Schluchzen und Weinen der Kinder, die eigene Rührung kaum bemeisternd, wies der Lehrer der Anstalt Herr B. Huhn in ergreifenden Worten auf die Wirksamkeit der Verklärten hin, die ganz von Liebe getragen gewesen sei, und sagte ihr ein letztes Lebewohl im Namen der Kinder. An Stelle des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Herrn Oberrabbiner Dr. H o r o w i tz—Crefeld hielt Herr Lehrer W e y l e r die Trauerrede und pries in beredten Worten die Tugenden der Verstorbenen, mit der nicht nur die Anstalt, sondern auch die Gemeinde ihre schönste Zierde verloren habe. Im Namen der ehemaligen Zöglinge sprach Herr Lehrer Hermann Emanuel —Burgsteinfurt. In meisterhafter, von edler Wärme getragener Rede gab er den Gefühlen Ausdruck, die gerade die ehemaligen Zöglinge beseelten, und bei seinem Scheidegruße an die Todte erglänzten selbst in dem Auge manches Erwachsenen die Thränen. In tiefer Ergriffenheit folgte die ganze Trauerver-! sammlung der Tobten zur letzten Ruhestätte. Dort! ruht nun ihre irdische Hülle. Ihr Geist aber wird ewig weilerleben in dem Herzen ihrer Freunde und Zöglinge, und Liebe und Dankbarkeit werden ihre« Namen unvergeffen erhalten. Gott gebe ihr den ewigen Frieden! Schweiz. Aus der Schweiz. Die Anregung des sich konstituirenden „Vereins zur Errichtung zuverlässig rituellerSpeisehäuser," worüber Sie in Nr. 18 des „Israelit" eingehend berichten, hat sicher bei allen Bekennern des gesetzestreuen Juventhums ungetheilte Anerkennung gefunden. Wer die Calamität, welchem dieser Verein entgegentreten möchte, am eigenen Leib erfahren hat, wird jeden Versuch einer Wendung zum Besieren mit Freuden begrüßen. Die Herren, welche sich die Beseitigung der bestehenden Mißstände zur Aufgabe machten, haben sicherlich die Schwierigkeiten nicht verkannt, die sich ihren Bestrebungen entgegen stellen. Daß sie sich dadurch nicht zurückhalten ließen, ernstlich die Sache in die Hand zu nehmen, ist das erste Verdienst, das ihnen rückhaltlos zuerkannt werden muß. — Wenn sich — was wir mit Gottes Hilfe nicht fürchten — selbst die Hindernisse stärker erweisen sollten, als der feste Wille sie zu überwinden, so würde das sie Anerkennung nicht beeinträchtigen, welche den wackeren Männern für ihr Streben gebührt. Auf Gottes Wage wiegt die treue Absicht, auch wenn die Ungunst der Verhältniffe ihre Verwirklichung unmöglich machen sollte, so schwer als die vollendete Thal, vbv nbvü vbi djxx maro rntnh 3ttm .nwwr airon Kurzsichtige Menschen mögen die guten Absichten nach dem Erfolg bemessen; Gott rechnet den guten Willen, besten Realisirung sich übermächtige Hemmniste entgegen stellen, selber für eine That und vielleicht für eine höhere, als die von glänzendem Erfolg gekrönte. Wo sich alles leicht von selber macht, da ist es nicht schwer die Initiative für eine gute That zu ergreifen. Wo aber die Schwierigkeit der Verhältnisse den Zweifel an der Möglichkeit der Ausführung weckt und nährt, wo der Gedanke an die Möglichkeit eines Mißerfolges schon von vornhinein die Thatkraft nur allzusehr zu lähmen geeignet ist, und wo sich wackere Männer trotzdem allen diesen Bedenken verschließen und im Vertrauen auf die gute Sache dieselbe in die Hand nehmen, da liegt in diesem ernsten, wahrhaft jüdischen Streben schon die Bürgschaft für seine Verwirklichung. Wir haben diese Bemerkung vorausgeschickt, weil es ja bei uns leider nicht an kritisch und skeptisch angelegten Naturen fehlt, die an jedem noch so edlen Streben die schwachen Seiten zu suchen und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.