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Der Israelit · 1899-04-06 · Heft 26-27 (6.4.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 26-27 (6.4.1899)
Date
1899-04-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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496 schieden. Ihre stete Hilfsbereitschaft trug einen wahrhaft universellen Character, in Ländern und Städten, die ihr Fuß nie betreten, unterhielt sie organisirte Kanzleien mit einer Schaar von Beamten, die nichts Anderes zu thun hatten, als einlangcnde Unterstützungsgesuche auf ihre Wahrheit hin zu prüfen, und mit den Mitteln, welche die Baronin mit fürstlicher Munificenz zur Verfügung stellte, dem Ruine nahe Existenzen wieder aufzurichten. Die Ausübung wahrster und reinster Nächstenliebe fand so in ihr eine geradezu ideale Verkörperung. Nach denl vor drei Jahren erfolgten Tode ihres Gatten nahm ihr philantropisches Wirken einen Zug ins Große au. Die Baronin las eines Tages in einem Pariser Blatte von dem Massenelend in New-Uork, von der großen Zahl junger Mädchen, die daselbst hilflos verkommen. Auf telegraphischem Wege setzte sie sich sofort mit maßgebenden Persönlichkeiten New-Porks in Verbindung und gründete ein Heim für verwahrloste Jugend mit einem Kostenaufwande von über fünf Millionen Dollars- Ihrem Wohlthätigkeitsbureau in Wien wendete sie außer den bedeutenden monatlichen Subventionen noch 1,500,000 Gulden zur Vergrößerung des Grundkapitals zu; den von ihr in Budapest, Lemberg, Paris, Berlin, Brüssel und New-Aork gegründeten gleichen Bureaux w dmete sie zu demselben Zweck je eine Million Gulden. Der galizischen Stiftung für Schulen und Handwerker, die ihr Gatte mit 12 Millionen Francs gegründet, spendete sie V/t Millionen Gulden mit der Bestimmung, daß von den Zinsen 50 Procent zur Beköstigung und Bekleidung armer Schulkinder, 40 Procent zur Gründung einer Dienstbotenschule und zehn Procent für junge Handwerker verwendet werden sollen, die in die Welt gehen. Gelegentlich ihrer vorjährigen Anwesenheit in Wien äußerte Baronin Hirsch, daß sie nur einen Wunsch habe, ihr Vermögen gänzlich zum Wohle der leidenden Menschheit verwenden zu können. Wenn das Schicksal ihr ein längeres Leben beschieden hätte, wer weiß, ob nicht dieser Wunsch wirklich in Erfüllung gegangen wäre. Mit voller Seele gab sie sich dem von ihr als Lebenszweck erkorenen Berufe hin, indem sie, so lange ihre Gesundheit dies gestattete, und selbst noch in der letzten Zeit, von früh Morgens bis spät Abends, an ihrem Schreibtische arbeitete, Gesuche las und erledigte, Referate entgegennahm w. k. Sie kannte keine Kleinigkeit, keine Vorurtheile. Wie in eingeweihten Kreisen behauptet wird, dürste Baronin Hirsch seit dem Tode ihres Gatten, also innerhalb dreier Jahre, etwa 200 Millionen Francs für wohlthätige Zwecke verausgabt haben. Der Nachlaß wird immerhin auf 200 bis 300 Millionen Francs geschätzt. Auf das Testament kann man mit Recht gespannt sein, es dürfte manche Ueberraschungen bringen. Baronin Clara Hirsch-Gereuth, geborene Bischoffsheim, war zu Mainz 1833 geboren. Nach dem im Jahre 1887 erfolgten Tode ihres einzigen Sohnes adoptirte sie die beiden Brüder Arnold und Raimund de Forest, Söhne ihres Mannes, die heute 19 und 17 Jahre alt sind. Der jüngere der beiden Adoptivsöhne ist seit Monaten an einem Nervenleiden schwer erkrankt. Er war der Liebling der Baronin, und seine Erkrankung hat auf die schwer leidende Frau den traurigsten Einfluß geübt. Vor wenigen Wochen mußte der junge Baron de Forest, welcher Tobsuchts?.nfälle erlitten, der häuslichen Pstege entzogen werden. Baronin Hirsch hinterläßt einen Bruder, Ferdinand Bischoffsheim und zwei Schwestern, von denen eine mit Herrn Leopold Goldschmidt in Paris, die andere mit dem belgischen Senator Georges Montefiore-Levh verheirathet ist. Das Leichenbegängniß der Frau Baronin Hirsch fand Montag Nachmittag statt. Eine zahlreiche Trauerversammlung fand sich im Sterbehause rue de l'Elysee ein. Herr Zadoc Kahn, Oberrabbiner von Frankreich, sprach die Gebete vor der Bahre. Unter den anwesenden Personen erblickten wir Herrn Duclaux, Mitglied des Instituts, und die Delegierten des Institut Pasteur, für das Frau von Hirsch so großartige Stiftungen gemacht hat. DieLeidtragenden begaben sich hierauf auf denFriedhof Montmartre, wo die Beerdigung in dem Familiengrab ftattfand. Der Trauerzug wurde geführt von Herrn von Forest, Adoptivsohn der Baronin, sowie von den Herrn Bischoffsheim, Leopold Goldschmidt und Georg MontefioreLevy. Dem letzten Willen der Entschlafenen gemäß war die Leichenfeier eine höchst einfache und wurden dieserhalb auch keine Reden am Grabe gehalten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Wetzlar (verspätet). Am 26. Februar feierte die hiesige Chewra Kadischa ihr 25jähriges Jubiläum. Dasselbe wurde eingeleitet durch einen feierlichen Morgengottesdienst, an dessen Schluß Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk aus Marburg in einer Ansprache auf die ernsten Verpflichtungen hinwies, an die der Jubeltag einer Chewra Kadischa die Mitglieder derselben mahnt und das e’cm ubv für die verstorbenen Mitglieder derselben von Herrn Lehrer D. Regensburger gesungen wurde. Unmittelbar folgte der Besuch der Gräber auf dem alten und nmen Friedhofe, auf welchen nach einer Bedeutung und Zweck des Friedhofsbesuches erläuternde Ansprache

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