Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 26-27 (6.4.1899)
- Date
- 1899-04-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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■ fl|JWF. JTW^M!» T»f'' 497 des Herrn Dr. Munk die üblichen Gebete gesprochen wurden. Nachmittags fand der eigentliche Festgottesdienst statt. Um das Minchagebet gruppirten sich die von Herrn Lehrer Regensburger eingeübten Chorgesänge des Synagogenchors und der Schüler und die Festpredigt des Herrn Rabbiner Dr. Munk, in welcher er anlehnend an Midraschstellen zu der vergangenen und künftigen Sidrah besonders die Pflichten der Liebe und Wohlthätigkeit besprach, die auf den Anforderungen der rrrai basieren müssen und deren Kenntnis und Pflege durch regelmäßiges Studium der rmn zu fördern sei und in welcher er als Zweck der Feier die Aneiferung der Jugend zur Erfüllung der Aufgaben der bezeichnete. Ein Festmahl vereinte die Mitglieder des Vereins und ihre Angehörigen im großen Saale des Römischen Kaisers. Die Reihe der Reden eröffnete der zweite Vorsitzende des Vereins, der mit dem eisernen Kreuz geschmückte Herr Heimann Rosenthal mit einer Begrüßung der Gäste und einem Hoch auf den Kaiser, dem Vertreter des Vaterlandes, für desicn Ehre der treue Jude stets mir seinem Gut und Blut einstehl. Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk feierte die Chewra als die Institution, die ihre Mitglieder stählt, stets gerüstet gegen alle Gefahren dazuftehen, die den äußeren und inneren Frieden bedrohen. Herr Kreisvorsteher Jakob Rosenthal knüpfte an den Perekausspruch über die drei Grundlagen der Welt an, die auch die Basis der Chewra bildeten und weihte sein Glas dem Vorstand derselben. Herr Engel überreichte mit einer Ansprache dem Vereinsbeamten Herrn August Höchster zu seinem 25jährigen Dienstjubiläum einen Ehrenpokal, worauf dieser, sowie sein Sohn Herr Lehrer Max Höchster aus Bockenheim ihren Dank dem Vereine aussprachen. Herr Lehrer D. Regensburger toastete aus die Chewra, Herr Meyer Rosenthal jr. auf den Gründer des Vereins, den gegenwärtigen Bezirksrabbiner Dr. S. Meyer in Regensburg, in dessen Namen Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk erwiederte, worauf Herr Jakob Rosenthal dem Oberhirten der Gemeinde, ihrem Meister und Meisterin sein Glas weihte, und schließlich Herr Meyer Rosenthal sen. mit einem Toaste auf Herrn Lehrer Regensburger und seine Gemahlin die Reihe der Tischreden schloß. Nach Vollziehung des Tisch- und des Maariwgebetes folgten Prolog, die Aufführung eines Festspiels, Couplets, sowie musikalische Piecen des phänomenalen Violinvirtuosen Herrn Sander Schreyer, der in liebenswürdigster Weise dem Ersuchen des Herrn Provinzialrabbiners Dr. Munk entsprochen hatte und das Fest durch sein wunderbares Spiel verherrlichte. Das Fest war ein sehr gelungenes und hinterließ bei allen Theilnehmern die Befriedigung, wie sie nur eine in Ernst und Heiterkeit verlebte wrw de» nratr gewährt. O e ste rr.- U n gar. Monarchie. Wien, 3. April. (Leopold Horovitz.) Der Kaiser hat dem Maler Leopolo Horovitz das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft verlieben. In diesen wenigen Worten ist mehr enthalten, als Folianten mittbeilen können! Leopold H o r o v itz, ein Mann von unserem Blute und unserem Fleische ist nunmehr in die Reihe derjenigen wenigen Personen getreten, auf welche wohl der bekannte Dichtersprnch anzuwenden ist, den Mosenthal in seiner Debora sprechen läßt: Geht's noch höher hinauf, Nein, hier hört eö auf! Die höchste Auszeichnung, die unser Monarch zu vergeben hat und deren sich nur einzelne hervorragende Künstler erfreuen, ist das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft; es ist schon im Namen selbst gelegen, daß Derjenige, deffen Wirken solcherart belohnt wird, ein Künstler ersten Ranges ist; deßhalb kann nicht nur H o r o r i tz :ul personam stolz auf dit.se sein, es gereicht der Wiener und der Judenschast Oesterreichs, ja auf dem ganzen Erdenrunde zur besonderen Ehre, denn bisher war es noch keinem Glaubensgenossen bestimmt, dieser Auszeichnung theilhast zu werden, die demnach mit dem heutigen Tage als interkonfessionell bezeichnet werden kann. Meister Horovitz erhielt bekanntlich vor wenigen Monden den Allerhöchsten Auftrag, ein Portrait der verewigten Kaiserin zu malen, zu welchem Zwecke dem anerkannten Künstler über Auftrag des Monarchen zwei Räume in der Hofburg zur Verfügung gestellt wurden; dieses Bildniß, welches nun fertig wurde, gelangte im Künstlerhaus zur Ausstellung und war der Kaiser bei der Besichtigung so ergriffen, daß er feinen Blick immer wieder dem G.mälde zuwendete und thränenden Auges die vortreffliche Wiedergabe lobte. Daß unter solchen Umständen eine besondere Auszeichnung für den genialen Schöpfer des Werkes in Aussicht war, konnte nicht bezweifelt werden, allein an die erfolgte Belobung knüpfen sich wohl in erster Linie die außerordentliche Zufriedenheit des Kaisers mit brr Leistung Horovitz's, aber auch der Umstand, daß dieser Künstler mit der Anfertigung ein geradezu einzig dastehendes, so sehr gelungenes Werk zu Wege brachte. Wenn etwas fähig wäre, den Eindruck dieser Auszeichnung abzaschwächen, so wäre es das Moment, daß der Weg von Wien nach Wien über Budapest erfolgte, mit anderen Worten, daß es erst eines ungarischen Vorschlags bedurfte, um einer Kundgebung des kaiserlichen Herzens zu genügen. Es sei dein aber, wie es wolle — Horovitz ist heute in Aller Munde! Horovitz ist auch Besitzer des Ordens der