Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-04-06 · Heft 26-27 (6.4.1899) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 26-27 (6.4.1899)
Date
1899-04-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448978--48000-2498376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

494 fortwährenden Aufschwung des Feist'schen Geschäftes und den wachsenden Wohlstand seiner Besitzer verfolgten, sahen in Rifka Feist mit Freuden ihre zukünftige Schwiegertochter. Versprach sie doch ihrem Sohne eine Mitgift in's Haus zu bringen, die, wenn auch nicht übermäßig groß, dennoch die Hoffnungen und Ansprüche der einfachen Leute um ein Beträchtlicheüberstieg. Namentlich Frau Kaufmann, Benedikt's Mutter, dachte in diesem Punkte sehr wenig ideal. In kleinlichen Verhältnissen ausgewachsen, war sie die Gattin Hirsch Kaufmann's geworden. Allerlei Handelsgeschäfte, Maklerdienste bei den Bauern auf dem Lande, auch etwas Landwirthschaft — das waren die ziemlich armseligen Nahrungsquellen Kaufmann's, die aber doch soviel abwerfen mußten, um ihrem Benedikt, ihrem Einzigen, der ihnen nach fünfjähriger, kinderloser Ehe geboren worden war, das Studium zu ermöglichen. Das war ihnen denn auch gelungen — zu ihrem nicht geringen Stolze! War's nicht natürlich, daß sich in diesen edlen Stolz allmählich auch die Sehnsucht nach jenem unedleren, aber doch mehr oder minder verzeihlichen Geldstolz mischte, der besonders in leidenschaftlichen Naturen gern zu erwachen pflegt. Ein solche leidenschaftliche Natur war Frau Jeanette Kaufmann. In mancher stillen Stunde dachte sie voll heißer Sehnsucht an die schönen, stolzen Tage, die ihr Benedikt noch über sie bringen werde. Eine reiche, vornehme Frau werde er dereinst heirathen und von dem Glanze, dem ihr Sohn entgegenzog, werde gewiß auch ein schwacher, aber verklärender Schimmer in ihre arme Hütte fallen. „Mit der Vornehmheit ift's nun nichts", sagte Frau Kaufmann sich öfter, als sie von dem inniger werdenden Verhältniß ihres Benedikt mit Rifka Feist erfuhr, aber recht war's ihr doch, denn der Reichthum war ja da. Und Feist war doch auch geachtet und geehrt von Allen, so ein halber Rabbiner. Nein, eine Ehre war's doch, sich mit ihm zu verschwägern! Seligmann Feist hatte in seiner nächsten Nachbarschaft eine Art christlichen Schicksalsgenossen; das war der Holzhandler Robert Wegner. Er stammte aus demselben Orte wie Feist, einem kleinen Dorfe wenig Meilen von Göllheim, und hatte wie er das Lehrerseminar besucht. Während aber Feist seiner Gesundheit wegen dem Lehrerberufe entsagen mußte, war es bei Wegner ein reiches väterliches Erbe gewesen, ein ziemlich ausgedehntes Holzgeschäft, das ihm gerade zu der Zeit zusiel, als er sich zum Abgangsexamen vorbereitete. Wegner, kurz entschlossen, sagte dem Lehrberuf ein für allemal Valet — er hatte ihm ohnedies nie besondere Freude gemacht und bei den Probelektionen war er immer einer der schlechtesten gewesen — und widmete sich ganz dem Geschäft, das ihm zugefallen war und das er bald aus seinem Heimathsdorfe nach dem größeren Göllheim verlegte. Der Zufall fügte es, daß Robert Wegner ein für sein Geschäft paffendes Anwesen in unmittelbarster Nähe des Feist'schen Hauses fand. Wegner's Wohnhaus war das zweite Haus einer von der breiten Hauptstraße abzweigenden Seitengasse, deren Ecke dasjenige Seligmann Feist's bildete. Die ziemlich ausgedehnten Schuppen, deren Wegner zur Unterbringung seiner beträchtlichen Holzvorräthe bedurfte, reichten nach der einen Seite bis dicht an den Hof des Feist'schen Hauses, von dem es nur durch einen niedrigen Bretterzaun getrennt war. (Fortsetzung folgt.) fer «schdmt wlekratlifih iweiatl, Montags und Donnerstags, jiMmil ia adakape* pmi Vna. Preis pro bei her Post 3 Warf ohne Bestellgeld. Wan abonnirt ganzjahrlich, halb. Meüch afctr «tuKWiWj Alle vachhmidlaa-aa und Postämter aakmen Bestellungen an. — Wer Bachtzaasel aerktfert tank o. F >t*taaik«r, Mate, BtDstlatz Mk — Jaserate 25 Pfenmg di« 4spaltige Petitzelle oder derem Raum. Preis dar Zell« t» Wmfawrtlii 71 Wmai«. — Stade »rauttßasenduns unter Streifband pro Jahrgang fftr Deutschland «ck Oaßsrrotch 14 Rachs-Mart ad» > st. ssterr., far's Aaslaad 16 Reichs-Mark, an »ie Expedition fraaeo etnjusende». w Mi Mt Mtfraflft** *iat*faaM*a stadtt Vicht statt, ataa ditttt vottzaW» stch vsa astoa Giafendaasoa tita Tasti« zaaüFradohattaa« Iahatt (Laaptblatt). Leitender Artikel: Peßach-Nachklänge. — Zeitungsnachrichten und korresvondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Köln. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. England: Plymouth. Afrika: Algier. — Feuilleton: „Liebet eure Feinde." (Fortsetzung.) Anstatt der ersten Beilage: Baronin Clara Hirsch. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Wetzlar. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Anstatt der zweiten Beilage: Eine neue Bertheidignng des Schächtens von christlich-evangelischer Seite. — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Paderborn. Schweiz: Aus der Schweiz. England: London. — Vermischtes. Inhalt der dritten Beilage: Leitender Artikel: Die Nahrung des gesunden u. kranken Magens. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Karlsruhe. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraeltt", Schottstraße 9k. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'scheu Hofbuchdruckerei-Actterr-Gesellschaft in Mainz. drai Vstta-eR

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.