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Der Israelit · 1899-04-06 · Heft 26-27 (6.4.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 26-27 (6.4.1899)
Date
1899-04-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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492 veröffentlichen wir den Prospect, mit welchem unsere Glaubens genoffen in aller Well zur Subscription auf die „Jüdische Colonialbank" eingeladen werden. Eine jüdische Colonialbank — warum nicht? Der Judenstaat Dr. Herzl's ist eine schöne Utopie, das Nationaljudenthum ist dieVerleugnung der messianischen Idee; aber für Colonisatiou haben wir schon gearbeitet, dreißig Jahre, ehe man an Dr. Herzl gedacht hat und wir haben auch heute noch Geld dafür übrig. Sie ist eine Notwendigkeit, weil Galizien und das russische Ansiedlungsgebiet die Ueberzahl unserer Glaubensgenossen nicht mehr ernähren können. Ob der geeignete Boden für die Neubesiedlung Palästina, Tripolis oder Australien wäre, das ist eine Frage, die nicht aus religiösen Gefühlen heraus, sondern nur nach rein practischen Gesichtspunkten gelöst werden kann. Gewiß, Religion und Geschichte sprechen für Palästina. Aber sehr vernünftige, sehr reelle Gründe sprechen gegen die Möglichkeit, eine Colonisation in großem Maßstabe auf dem heiligen Boden unserer Väter durchzuführen. Die „Jüdische Colonialbank" aber wäre zwecklos, wenn sie sich darauf beschränkte, nur die jetzigen dürftigen Anfänge einer jüdischen Besiedelung des heiligen Landes zu unterstützen." So schreibt ein hiesiges jüdisches Blatt, das Vernünftigste ungefähr von dem Vielen, was bisher über diese Gründung geschrieben worden ist. Wir möchten noch hinzufügen, daß die zionistischen Organe nicht klug daran thun, ihre ganze Bewegung mit dem Gedeihen der Bank derart zu identifiziren, daß man geneigt ist anzunehmen, daß mit dem Stehen und Fallen der Bank auch das Schicksal des Zionismus besiegelt sei. Wir wollen die Herren in ihrer hochgradigen Erregung ein wenig beruhigen, die Bank kann zu Grunde gehen, ohne daß deshalb schon das Ende der zionistischen Bewegung gekommen zu sein braucht. Es sind schon größere Unternehmungen durch größere Bewegungen hervorgerufen, verkracht, ohne daß deshalb die Bewegung selbst merklich darunter gelitten hätte. Alle Hoffnung auf die Bank zu setzen scheint daher nicht angebracht. Mark 2000 — sind als Gründerspesen d. h. ä fond perdu gezeichnet worden, mit diesem Gelde ist zunächst eine große Reclame in sämmtlichen jüdischen Blättern der Welt gemacht worden. — Wenn, wie Herr Dr. Herzt in der „Welt" mittheilt, thatsächlich schon Leute mit Hunterttausenden von Gulden bei ihm gewesen sind, die bereit sind ihr ganzes Geld zur Verfügung zu stellen, dann dürfte es ja nicht schwer halten, die zunächst erstrebten Lstr. 50,000 zusammen zu bekommen. Ob aber der Prospect des „Jewish Colonial Trust", thatsächlich, wie die englische Zeitschrift „Jewish World" schreibt, „das bedeutungsvollste Document ist, das je seit Eintritt der Diaspora für das Haus Israel geschrieben worden ist, das bleibt allerdings abzuwarten. An drei Dingen, sagen unsere Weisen, ist der Mensch in seiner wahren Gestalt zu erkennen. Zwei davon sind der Zorn und der Geldbeutel. Nun denn, im Zorne haben wir die Zionisten bereits geschaut, sehen wir, ob ihr Geldbeutel ebenso bei der Sache ist. England.? Plymouth. Der Dampfer „Prätoria" von der Hamburg-Amenka-Linie, der am 29. Januar Hamburg verließ, ist am 15. Februar als halbes Wrack in Plymouth eingelaufen. Das Schiff hatte sehr stürmische Fahrt gehabt und schließlich war es durch unreparierbaren Bruch des Steuerruders ein Spiel der Winde und Wellen geworden. Auf dem Schiff befanden sich mehr als 200 Juden, die als Auswanderer nach Amerika gingen und diese armen Leute befanden sich bei der Lanoung in Plymouth in einem jämmerlichen Zustande, halb verhungert und von dem Sturmwetter arg mitgenommen. Es bildete sich nun sofort ein Hilfskomitee aus oen Spitzen der jüdischen Gemeinde in der Hafenstadt und versorgte die Schiffbrüchigen mit allem Röthigen. Sie wurden gespeist, zum größten Theil neu bekleidet und die Bedürftigen für den Rest der Reise mit allem Proviant versehen. Einige Tage später wurden die Auswanderer dann von dem Dampfer Pennsylvania abgeholt. Afrika. Algier, 20. März. Die Wittwe des am 25. Januar von den: Antisemiten ermordeten algerischen Israeliten Schebat hat die Stadt Algier auf Schadenersatz von 50,000 Frcs. verklagt. Infolge zahlreicher Enqueten war die Sache bereits seit länger als drei Wochen vor der ersten Kammer des CivilgerichtS anhängig. Die Stadt Algier plaidirte auf vis major und erbot sich den Beweis zu erbringen, daß sie für diese Thal keinerlei Verantwortung zu tragen habe. Der Staatsanwalt dagegen schloß auf volle Verantwortung der Stadt, wies ihr Anerbieten, Beweise zu erbringen, zurück und verlangte, daß die Forderungen der Wittwe Schebat erfüllt werden. Das Gericht ordnete nach einer langen Berathung eine ErgänzungSuntersuchung an. Man ist auf das Urtheil sehr gespannt, da mehrere analoge Fälle, gleichfalls Folgen der antisemitischen Unruhen, vor den algerischen Gerichten schweben. Bis jetzt ist eine einzige Gemeinde, Bonfarila, verurtheilt worden, an Juden mehrere hundert Francs Schadenersatz zu zahlen.

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