Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 26-27 (6.4.1899)
- Date
- 1899-04-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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491 genoffen in Köln, daß sie an die Begründung einer eigenen Gemeinde denken konnten. Wer heute vor der neuen Synagoge, dem zweiten Gotteshause der jüdischen Gemeinde in Köln, steht und sich den historischen Laus der Geschicke vergegenwärtigt, von denen die kölnischen Niederlassungen der Juden heimgesucht worden waren, der muß sich sagen, daß der Wechsel der Zeiten nicht jäher sein konnte, als ihn die Kölner Juden durchgemacht und — bestanden haben. Heute bilden hier die Juden eine blühende Gemeinde von fast 10,000 Seelen, und ihre weitere Entwickelung ist unter dem Schutze der Verfaffung und unter dem Bande bürgerlichen Gemeinsinns, das ffe als gleichberechtigten und geachteten Bestandtheil der Gesammtbürgerschaft Köln mit dieser eng umschließt, für die Folge gewährleistet. Die gleichen staatsbürgerlichen Rechte, die die Juden mit den Bürgern anderer Confessionen theilen, wären gewiß kein neidenswerthes Fundament, auf dem der Bau ihrer Gemeinde sich stolz und freudig erheben und weiter ausdehnen könnte, wenn nicht das zweite hinzukäme, was kein geschriebenes Recht verleihen kann: die gegenseitige Achtung und Werthschätzung. Ein wohlihätiger Sinn im Gemeinintereffe, ein loyales Verhalten im Erwerbsleben, eine patriotische Gesinnung in allen vaterländischen und vaterstädtischen Fragen, gewinnende, offene Formen im geselligen Verkehre — das sind die Merkmale, die in der jüdischen Gemeinschaft Kölns stets hervorgetreten sind und jene Achtung und Werthschätzung der übrigen bürgerlichen Kreise herausgefordert und fest begründet haben. Aus diesem Grunde nimmt denn auch die nichtjüdische Bürgerschaft Kölns an dem heutigen Festtage wohlwollenden Antheil und gönnt der jüdischen Gemeinde gern das schöne neue Gotteshaus und den freudigen Stolz, mit dem sie es betrachten darf. Auch die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden haben an der heutigen Weihe persönlich Antheil genommen; so bemerkten wir unter den Ehrengästen, die sich gegen 10 Uhr Vormittags im Trausaal der Synagoge versammelt hatten, die Herren: Oberpräsident der Rheinprovinz Raffe, Gouverneur General Frhrn. v. Wilczeck, Regierungspräsident Frhrn. v. Richthofen, Polizeipräsident Weegmann; Beigeordneten Pelman als Vertreter des im Herrnhause thätigen Oberbürgermeisters, die Rabbiner der Rheinprovinz, die Direktoren der hiesigen höheren Schulen, die Mitglieder des Preisgerichts und die Mitglieder der jüdischen Gemeindevertretungen. Die Feier nahm folgenden Verlauf: Die 12 Thorarollen, enthaltend die fünf Bücher Moses auf Pergament, eingehüllt in goldgestickten Sammt und geschmückt mit goldenem, kronenförmigen Zierat, wurden durch den Trausaal getragen, gefolgt von den ' hiesigen und den Rabinern Rheinlands. Dem Zuge schloffen sich die Ehrengäste an bis zur Pforte des Gotteshauses. Ein kleines, lockiges Mädchen trug auf sammtenem Kiffen den goldenen Schlüffe! und überreichte ihn dem Erbauer des Tempels, dem Architekten Schreiterer, sinnige Verse sprechend. Aus dessen Händen nahm ihn der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr de Jong, um das Thor zu öffnen. Er that es mit den ernsten Worten den Wunsch ausdrückend, daß in dem geweihten Raum stets Liebe, Friede und Eintracht herrschen möge. Das von uns in seiner großartigen Wirkung schon früher eingehend gewürdigte Gotteshaus selbst war gedrängt voll. Unter den Klängen eines Präludiums der städtischen Kapelle nahmen die Träger der Thorarollen und die Rabbiner vor der heiligen Lade Platz, und feierlich erklang der Chor Ma Tauwu durch den hohen, glänzenden und feierlichen Raum, vorgetragen vom Synagogenchor unter Leitung des Musikdirektors Filler. Rabbiner Dr. Rosenthal zündete die vor der heiligen Lade schwebende Ewige Lampe an mit folgenden Worten: „Wie „Licht" das erste Wort gewesen, das aus des Schöpfers Mund das Weltall segnend grüßte, „Licht" die erste That, mit der sein Werk dereinst beglückt ward: so sei auch „Licht" das erste Wort und Werk an dieser heiligen Stätte, des zum Zeugniß, daß du selber, herrliches Gotteshaus, als ein ewiges, segenspendendes Licht fortleuchten magst für unsere Gemeinde und ganz Israel! Amen." Der Vorhang hinter dem Predigtstuhl rollte in die Höhe und die heilige Lade öffnete sich, dazu ertönten die erhebenden Klänge des Chors Wajehi binffaua. Unter Vorantritt des Cantors Blumenthal, der mit seiner wohllautenden vollen Stimme iin Wechselgesang mit dem Chore die bedeutungsvolle Handlung begleitete, vollzog sich der Umzug der Tboraroüen, endend wieder vor der heiligen Lade, die die Rollen mit ihrem glänzenden Schmuck aufnahm und dann geschloffen wurde. Rach dem Chore Uwenucho jaumar ergriff Rabbiner Dr. Frank das Wort zur Festpredigt. An diese schloß sich die Weiherede des Rabbiner Dr. Rosenthal. Vor wieder geöffneter heiliger Lade sprach Rabbiner Dr. Frank das Gebet für Kaiser und Vaterland, und mit einem letzten Chorgesang schloß die bedeutungsvolle und in allen ihren Theilen von dem Festkomitee unter der Leitung des Dr. med. Apfel wohl vorbereitete Feier, die auf keinen der Anwesenden ohne tiefen Eindruck geblieben sein wird. Oester r.-Ungar. Monarchie. Wien. (Die jüdische Colonialbank). „In diesen Tagen holt der politische Zionismus zu 5 seiner ersten positiven That au-. An anderer Stelle