Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 26-27 (6.4.1899)
- Date
- 1899-04-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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490 sammenarbeiten mit Israel, „dem Chirurgen als Arzt, nicht als Techniker" ihm stets zur Freude und zur Ehre gereicht habe. Als letzter Redner sprach alsdann Herr Geheime Sanitätsrath Boas namens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, der am höchsten des Jubilars stets treu bewährte humane Gesinnung schätze, die sich nicht nur in den Dienst der leidenden Jnsaffen de- Krankenhauses gestellt, sondern auch mit Rath und That in den der bereits Genesenen und die wesentlich dazu beigetragen, ihm die ehrenvolle Stellung zu erwirken. In seiner Gegenrede hob der Jubilar die kulturelle Aufgabe des Krankenhauses hervor, das gegenüber den anderen rein confessionellen Anstalten eine eigene Stellung einnehme und auch einnehmen müsse. Wenn es leider noch Roth thue, der Welt beweisen zu müssen, daß das Wort „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" im Alten Testament stehe, so sei gerade das jüdische Krankenhaus der Ort, der von der Richtigkeit dieses Wortes überzeugen könnte. Dem Gemeindevorstand werde es hoffentlich gelingen, auch die Mittel und Wege zu finden, daß da- Krankenhaus diese Aufgabe voll und ganz erfüllen könne. Mit dem Chorgesange ..Die Himmel rühmen des Ewigen Ebre" fand die würdige und erhebende Ftier ihren Abschluß. Möge der Jubilar noch lange schaffensfreudig seines edlen Berufes walten! Köln, 22. März. (Die Einweihun g der neuen Synagoge in Köln.) Ich habe Ihnen bereits in Eile für Ihre Peßachnummer einen kurzen Bericht über die Einweihung der neuen Synagoge geschickt und füge heute noch auszugsweise hinzu, wa» die „Köln. Ztg." hierüber berichtet: Wer aus westlicher oder südlicher Richtung den mit Platanen bestandenen und mit frischen Gartenanlagen versehenen Königsplatz, dieses reizende Schmuckstück de» neuen Tbeiles des alten heiligen Köln, betritt, dem wird sofort ein Bauwerk auffallen, das vermöge seiner phantasievollen Eigenart unwiderstehlich den Blick fistelt und sich dadurch von seiner modernen Umgebung scharf abhebt. Gleichwohl kann man nicht sagen, daß es in diese Umgebung nicht Hineinpasse. Im Gegentbeil, der schöne romanische Bau nimmt sich mit seiner hohen Kuppel, seiner monumental wirkenden Vorhalle, dem imposanten Frontgiebel mit dem reich ausgeftatteten kreisrunden Maßwerkfenster, mit seiner malerisch behandelten Schauseite in farbigem Material und der Erndeckung des Daches in rothen und grünen Glanzziegeln in der heitern Umrahmung des Königsplatzes sogar überaus harmonisch aus. Wer nicht genau in die örtlichen Verhältnissen eingeweiht ist, könnte vielleicht gar auf den Gedanken kommen, der Platz sei mit besonderer Rücksicht auf das Gebäude angelegt worden, so hübsch und malerisch fügt es sich in die Umgebung ein. Dennoch ist es ganz anders geartet, als die modernen Miethhäuser, die, leider, zu beiden Seiten ganz dicht an die neue Synagoge Heranrücken und sie an diesen beiden Punkten, wo sie förmlich angekleppt erscheinen, allerdings beeinträchtigen. Die freundlichen Anlagen des Königsplotzes und ein gewisser Geschmack, womit hier das Aeußere der Wohnhäuser, entsprechend dem vornehmen Charakter dieses Stadtheiles, behandelt worden ist, lassen jedoch das Ganze zu einem sehr anziehenden, freundlichen Gesammtbilde zusammenfließen, in das der neue Bau einen jener kräftigen, aber edlen Contraste hineinbringt, die sich nicht in schreiendem Gegensätze zu ihrer Umgebung befinden, sondern ihr gleichsam von ihrer charakteristischen Färbung miltheilen, und daher mit ihr ästhetisch verschmelzen. So gereicht er dem Platze und der Stadt zu einer hervorragenden Zierde. Ueber drei Jahre ist an dem Bauwerke geschafft worden, ehe es vollendet dastand, und die Kosten, die es, ohne das Grundstück, beanspruchte, belaufen sich auf annähernd eine halbe Million Mark. Auch abgesehen von den 40,000 M., die die Stadt als Beitrag zu den Baukosten geleistet hat, sind diese hoch genug, um als eine redende Zrffer für die Blüthe und Leistungsfähigkeit der hiesigen jüdischen Gemeinde gelten zu können. Mrt berechtigtem Stolze darf die Gemeinde denn auch auf das glücklich beendigte Werk Hinblicken. Nicht immer waren es Gefühle der Befriedigung und des Behagens im Bewußtsein eines reichen, geordneten und unbedrohten Gemeindelebens, die die Judenichaft Kölns erfüllten. Schon in grauer Vorzeit, im 6. Jahrhundert schon waren Juden in Köln ansässig, wie denn Köln urkundlich die überhaupt älteste Niederlassung der Juden in Deutschland ist. Schon damals pflegten sie denn auch hier ein reich ausgestaltetes Gemeindeleben, und Jahrhunderte lang lebten sie im Vollgenuffe aller bürgerlichen Rechte, ja gegen das Ende des iO. Jahrhunderts und im 11. Jahrhundert hatte Köln sogar eine in weilen Kreisen vielberühmte jüdische Hochschule. Denn aber kamen die schweren Zeiten der fanatischen Glaubensverfolgungen, unter denen die Kölner Juden tief gebeugt wurden; am Ende des 11. Jahrhunderts führten die Züge der Kreuzfahrer fast ihre gänzliche Vernichtung herbei. In späterer Zeit erlaubte der Rath der Stadt zwar noch einmal die Rückkehr der Juden, doch währte ihr Aufenthalt in Köln nur von 1372—1424. Dies war das Jahr ihrer Ausweisung, die der Rath von Köln zur Beendigung von Streitigkeiten zwischen der Stadt und dem Erzbischof wegen der Besteuerung der Juden verfügte. Erst im Jahre 1798 durften wieder Juden das Stadtgebiet zu ihrer Niederlassung betreten, und schon wenige Jahre später waren wieder so viele Glaubens-