Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 26-27 (6.4.1899)
- Date
- 1899-04-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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488 Segen so wenig mit hinein nähmen in's wochentägige Leben, daß wir es ohne Vertrauen bangend beträten. Früh und spät hat sich in diesen heiligen Tagen die Bitte aus dem bewegten Herzen über die bebenden Lippen gerungen: nbvb) v"iib -pjne roir rx x "n ';x^m „Laß uns davon tragen, Gott unser Gott, den Segen deiner Feste, zum Leben und zum Frieden!" Dürfen wir vie Erhörung dieses Gebets durch den nagenden Kleinmuth in Frage stellen lassen, in dem Augenblick, wo wir für unsere wieder neu aufzunehmende Thätigkeit des heiteren Lebensmuthes gerade am meisten bedürfen? So erklärlich und verzeihlich die Wehmuth beim Scheiden unserer Feste ist, so unrecht und unjüdisch wäre es diesem Schmerzgefühl nachzuhängen und ihm einen Einfluß auf unser Thun und Lassen zu gestatten. Unter Gottes Schutz und Schirm steht der Feiertag wie der Werktag und die siegreiche Ueberwindung alles Schmerzlichen gehört gewiß nicht in letzter Reihe zu dem Sieg und Sang, zu welchen den pflichttreuen Juden der Gedanke an Gottes Allmacht begeistert. Wie die Bedeutung unserer räumlichen Heiligthümer, wie der Gradmesser für den Einfluß unserer Gotteshäuser nicht die Andacht und Erbauung ist, welche un» i n ihnen beseelt, sondern wie es die aufs neue gefaßten Leöensvorsätze sind, mit welchen wir aus unseren Gebeten wieder in das Leben treten, so verhält es sich auch mit unseren zeitlichen Heiligtümern, mit unseren Festen, welche uns Gottes Gnade in der Flucht der Tage gestiftet hat. Nicht wie wir sie betreten, nicht wie wir sie begehen, wie wir sie und wie sie uns wieder verlassen, das ist entscheidend für den Segen, mit dem ihr Stifter unsere Feste ausgeftattet hat. 7!N!2L>2 'X 'Zvb 'i6r Tötr Dp’-x „Pflichttreue freuen sich immer, jubeln laut vor Gott und freuen sich weiter mit der Freude.,, (Psalm 68, V. 4.) Diese Freude mit der Freude, erklärt der Verfasser des nrs, als die freudig gehobene Stimmung, welche die freudige Veranlassung, die sie geweckt, überdauert: also die Nachfreude. Jeder irdische Genuß geht nicht über die kurze Zeitspanne hinaus, in der er sich vollzieht. Das Gefolge jedes genossenen Sinnenrausches ist Entnüchterung, Ekel und Widerwille. Aber die Freude der Pflichttreuen, die sich vor Gottes Angesicht vollzieht, reicht weit über die flüchtige Freudestunde hinaus, sie klingt fort, auch wenn der Freudentag zur Neige geht; die Pflichttreuen freuen sich mit der von Gott empfundenen Freude. Unter diesem Gesichtspunkte fällt selbst auf die leider so berechtigte Trauer um den unersetzlichen Verlust des unvergeßlichen Vaters und Führers ein verklärender Strahl. Es ist wunderbar, wie jedes Jahr, das uns von der Scheideftunde des großen Heimgegangenen weiter entfernt, sein Bild, seine leuchtende Gestalt, seine hohe Persönlichkeit, weit entfernt zu verblaßen, umgekehrt in immer klareren und schärferen Umrissen vor unser geistiges Auge tritt. Das was Menschliches, Irdisches, Hinfälliges an der lichtumflosienen Erscheinung haftete, zollt der Erde und der Vergänglichkeit den unabweisbaren Tribut und verfällt immer mehr der Vergessenheit. Um so klarer und ausgeprägter tritt aber alles was wir Göttliches, Ewiges, Wesentliches und Unvergängliches an dem hehren Abgeschiedenen verehren in den Vordergrund. Sein geistiges Wesen tritt uns in demselben Maaße näher, je weiter die Zeit sein irdisches Scheiden in die Ferne rückt. 71212°? pnx -dt, das ist der Segen, der sich an das Gedächtniß des pflichttreuen Gerechten knüpft, das ist der Segen unserer Feste, irano nrc, der erst nach ihrem Scheiden sich fühlbar macht. Das, was unseren Festen an irdischen Genüssen anhaftet, hört mit der Festzeit allerdings auf. Aber der Gottesschutz, den sie uns aufs neue verbrieft, die unverlierbare Freiheit, der ihre vier Kelche galten, die ungetrübte Heiterkeit, selbst bei Sklavenbrod und Bitterkraut, sie begleiten uns ins werkthätige, wochentägige Leben. Sie weisen die Wehmuth und den Seelenschmerz auch in der Scheidestunde unserer Festeszeiten zurück und statten uns mit der siegessicheren, heiteren Zuversicht aus, welche der Scheidegruß eines jeden Sabbat und des Peßachfestes athmet: TV 77 " rrSTl *7J> 7 “7HEX X^l HttBX TW X 71)71 .nyiv”b '7 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Mainz, 4. April. An den Sammelstellen für die Armen des heiligen Landes macht es sich seit einigen Jahren bemerkbar, daß die 7r^v-Spenden nach Peßach, dem Wochen- und Hüttenfeste, von einer ganzen Reihe von Gemeinden nicht mehr eingesandt werden. In vielen Fällen wird diese Unterlassung durch die Nachlässigkeit der Gemeindevorsteher verschuldet, welche versäumen, durch Aufstellung von sog. -7 7i)ri!2-Büchsen die Gemeindemitglieder an diese Spende, welche man fast eine Pflichtspende nennen darf, zu erinnern. Wir glauben, daß es nur dieser Erinnerung bedarf, um allüberall den altheiligen Gebrauch der. deutschen Gemeinden Wiederaufleben zu lassen, nach den drei Festen, zur Erinnerung an die Opferspcnde im heiligen Tempel zu Jerusalem, eine besondere Spende den Armen zu widmen. Der