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Der Israelit · 1899-03-23 · Heft 24-25 (23.3.1899) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 24-25 (23.3.1899)
Date
1899-03-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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472 und Aug und Herz sich erstellen an ihrer sanften, lieblichen Form, an ihrer milden und doch so warmen, lebendigen Farbe, an ihrem so süßen, sanften Duft, dem kein anderer zu vergleicheu ist: Dann muß Jeder gestehen, daß dieser Dornstrauch doch der edelste ist, daß dieser Blume keine andere gleicht, daß sie unstreitig die Königin aller Blumen ist. Denn sie vereinigt alle Vorzüge einer Blume in sich. Sie ist ein harmonische- Gebilde, Gestalt, Farbe und Duft so überaus leeblich und sanft, daß Alles an ihr vollendet ist. Und mag sie durch Verpflanzung nach irgend einer anderen Zone, auf irgend einen andern Boden Gestalt, Farbe und Duft auch etwas verändert haben, sie stehen doch immer in vollster Harmonie, und die Rose bleibt sie doch. Wer kennt nicht das Volk Israel? Wer will es einem anderen Volke gleich stellen, sei es einem der alten heidnischen, oder einem der jetzt lebenden Völker? Wohl war e» Sklave in Egypten, herabgedrückt auf die niedrigste Stufe des Menschen, aber B&tp nx w xb, die Kinder Israels, Söhne des Gottes streit er», änderten doch nicht ihren Namen, standen als Sklaven doch auf höherer, geistiger Stufe, als ihre Peiniger, als die kastenstolzen Egypter mit ihrem erniedrigendem Götzendienste. anwo fix xbi und änderten in nichts ihre Handlungsweise. Sie lebten nach wie vor, wie ihre Väter gelebt, deren Beispiel nachahmend; änderten in nichts ihr Verhalten gegen ihre Bedrücker, waren friedlich und ruhig und trugen ergeben ihr unverdiente» Geschick, ohne Haß und ohne Groll und ohne Rachegedanken. NLN2 cmr vn nb', und fielen nicht der Sittenlosigkeit anheim, wie sie bei ihren Herren in so furchtbarer Weise eingerisien war, sondern blieben unberührt davon, wenngleich ihr trauriges Loos ihnen am allerwenigsten sittlichen Halt bot. nz&b fix uv nb: und änderten in nichts ihre Sprache. Die Eigenthümlichkeit und Vornehmheit unserer Sprache ist die, daß sie rein und heilig, jeden unedlen, gemeinen Ausdruck vermeidet, daß sie, wie keine andere der Welt als Vermittlerin zwischen Gott und Menschen sich eignet; sie ist eine (Gottessprache) Geb et »spräche. Roch einen andern Sinn hat jene Bemerkung. Auch wenn die Israeliten die egyptische Sprache gelernt, wie das ja gar nicht anders denkbar, aber als Umgangssprache unter sich bedienten sie sich nur ihrer Muttersprache. Sie war eines der wichtigsten Mittel, das unser Volk in Egypten zusammenhielt, es als zusammengehörig sich betrachten ließ, wie auch heute noch unsere heilige Sprache e» ist, die alle bin»' *32 auf dem Gesammterdenrund als ein Volk von Brüdern zusammenhält. jnn pp*? ona nn xbi „Und es herrschte unter ihnen nicht Verleumdung." Wie hoch Israel moralisch selbst als Sklave stand, wie fest und innig es zusammenhielt, bethätigte sich gerade dadurch. Nichts liegt näher, als daß in solch harten Zeiten Jeder nur an sich allein denkt, sein Loos zu erleichtern sucht auf Kosten Anderer; Jeder möchte sich bei dem gefürchteten Herrn ^beliebt machen. Die Geschichte berichtet uns gar vielfach, daß zur Zeit solcher Tyrannen gerade die Verleumdung, wie eine Gütpflanze emporschoß und die Bande der Freundschaft, ja sogar der engsten Verwandtschaft lockerte, Gunst zu finden in den Augen des Tyrannen war das einzige Bestreben. Aus Furcht vor der eigenen Gefahr beschwor man die größten Gefahren über die Nächststehenden herauf. Nichts von all dem ließ sich unser Volk zu Schulden kommen. Es war die Rose unter den Dornen. Wer kennt nicht Israel? Wohl ist es möglich, daß zur Winterszeit, wo alles äußere Leben erstorben, auch unser Volk kein anderes Bild zeigt, als andere Völker, einem kahlen, mit Stacheln besetzten Dornstrauch gleichend. Es hat so gut, wie andere Nationen seine Stacheln, seme schlimme Außenseite, und wenn es nicht Triebkraft entwickelt, wenn e» nicht aufs Neue sproßt und Blüthen treibt, ist es nichts anders, als solch ein kahler, stachligter Strauch, der nur verletzt. Doch, wenn es sich entwickelt, wenn es innerlich sich bildet, wenn es saftige Blätter, herrliche Blumen treibt, dann werden die Stacheln verdeckt und verhüllt, dann weiß Jeder, daß dieselben bloß der Hand wehren wollen, welche sich ausstreckt, um die Rose zu brechen. n,p'H2tn ix“!2J xb bx-ifc” "ja N'iv xbx Ifix n nv bxitr btr* jfibix^ xbx „Wie die Rose nur ihres Duftes wegen da ist, so ist Israel, sind die Frommen nur zu seiner Erlösung da." Was die Rose so köstlich macht, ist vorzüglich der aus ihrer Blüthe strömende liebliche, erquickende Geruch, ist ihr innerer Werth. Israel soll auch durch seinen inneren Gehalt, durch seine gerechten, milden und streng pflichteifrigen Männer Werth und Vorzug haben. Der milde Sinn als Ausfluß der göttlichen Lehre, als Bild der göttlichen Liebe soll in unserem Volke vorherrschen. Mag man uns Vorwürfe machen, als wären wir gewinnsüchtig, geldgierig, ungerecht rc., aber niemals wird man uns Unbarmherzigkeit vorwerfen können, und daß wir dem Elend unser Mitleid und helfende Hand entzögen. Dornen und Stacheln haben wir auch, stehen ja unter Dornen, müssen uns vor rauher Berührung wehren; aber wo so viele schöne, herrliche, echt menschliche Eigenschaften vorhanden, wo so viele Blüthen sich entfalten, da kann das Ganze nicht so schlimm, muß der innere Gehalt doch ein edler sein, obw opnat „Und dein Volk, möchte es au» lauter edlen,

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