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Der Israelit · 1899-03-23 · Heft 24-25 (23.3.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 24-25 (23.3.1899)
Date
1899-03-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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464 wenn sie mit der Broche dem Hausherrn die Verantwortung für die Entfernung der Chomez aufdürdeten. Freilich hat er eS nicht nöthig, sich mit Besen und Wischtuch wochenlang abzumühen — wozu sich wohl auch die begeistertsten Kämpfer für die Frauen-Emanzipation nicht verstehen würden — aber als der Stärkere und darum für alle Pflichten Befähigtere, ist er der verantwortliche Leiter seiner Familie. Und wohl ihm, wenn er hintreten kann vor seinen Gott, um mit einem Aufathmen der Erleichterung und mit dankbarem Herzen für den Beistand des Wellenlenkers zu bekennen, in dem Weichbilde seiner Häuslichkeit sei aller Sauerteig entfernt, denn pn r,pH2 umfaßt mehr, wie den greifbaren Sauerteig; sie will auch den Sauerteig im Menschen selbst, in jedem einzelnen Mitgliede des Hauses, vernichtet wiffen. — Wahrlich eine schwere, eine hohe Aufgabe. An jenem Peßachfeste einst, an dem aller Sauerteig in Israel vernichtet fein wird, wird auch unser Wunsch in Erfüllung gehen: nxan Zeitungsnachrichten und Correspondenzerr Deutschland. LR. Berlin, 19. März. Die heutige Sitzung oer Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wurde mit Bekanntgebung einer Zuwendung eröffnet. Herr Arnold Weiß hat dem von Herrn Moritz Mannheimer gegründeten Hospital 10,000 M. und dem Krankenhause 10,000 M. geschenkt. Es folgt der Bericht über Vermiethung der Stände in der Synagoge Lindenstraße. Der von Herrn Professor Blafchke gestellte Antrag: Berichterstattung über die Schulen führt zu einer lebhaften Auseinandersetzung, an welche sich die Herren Justizrath Meyer, Geheimerath Blumenthal und Leonhard Sachs betheiligen. Es wird beschlossen zu Ostern 1900 ein Programm für die Knaben- und Mädchenschule, sowie für das Seminar zu veröffentlichen, aus welchem eine klare Uebersicht über die vertheilten Pensa hervorgeht. Die Satzungen für den Schul- und Talmud-Thora- Vorstand werden neu redigirt. Die Beiträge zur Beköstigung jüdischer Strafgefangenen in den auswärtigen Gefängnissen zu Cottbus, Brandenburg und Insterburg werden bewilligt, dergl. die Beiträge an den israel. Volkskindergarten und an die israel. Gemeinde zu Kalkar zur Errichtung eines Schulhauses, ebenso erfolgt eine Nachbewilligung von 2/637 M. für Pflasterungen auf dem Friedhofe in Weißensee, dergl. ein Zuschuß von 15,000 M. zu den Pflasterungskostev der Lothringerstraße in Neu-Weißensee. Der Rechnungabschluß des bisherigen Ausschuffes zur Unterstützung hilfsbedürftiger durchreisender GlaubenSgenoffen wird dechargirt. Die durch mehrere Zeitungen gehende Nachricht, daß der Gemeindevorstand Herrn Dr. Jacob aus Güttingen zum Rabbiner gewählt habe, ist unrichtig, dagegen wird Herr Landrabbiner Dr. Mannheimer aus Oldenburg am 8. April eine Gastpredigt in der Synagoge Heidereutergaffe halten. M.R. Gelsenkirchen, 16. März. In den jüdischen Gemeinden Westfalens macht sich in jüngster Zeit eine Bewegung kund, die darauf ausgeht, den armen Glaubensgenossen der Provinz, die hülflos im Alter vasteben und auf die öffentliche oder private Armenpflege angewiesen sind, ein eigenes Heim zu errichten, in dem sie sorgenlos ihre Tage verbringen können. Die Anregung zu diesem schönen Werk der Barmherzigkeit, welches osficiell als ein Asyl für altersschwache und sieche Juden der Provinz Westfalen bezeichnet wird, ging von dem westfälischen Gemeindeverbande aus, der in anerkennenrwerther Weise das Unternehmen nicht auf die ihm unterstellten Gemeinden beschränkt wiffen wollte, sondern sich an alle Gemeinden mit einem Ausruf wandte, freiwillige Beiträge zu zeichnen und nach Kräften für die gute Sache einzutreten. Da auf mehrfache Anfragen hin öffentlich in den betreffenden Versammlungen erklärt wurde, daß die Anstalt nach streng religiösen Grundsätzen geleitet würde, damit ein Jeder die Wohlthat des Asyls genießen könnte, wobei natürlich hervorgehoben wurde, daß auf die Jnsaffen ln keiner Weise ein Gewissenszwang ausgeübt werden dürfe, so war es auch den religiös gesinnten Juden der Provinz möglich, sich freudigen Herzens an dem Werk, w.'lches den edelsten in der Menschenbrust ruhenden Trieben seine Entstehung verdankt, zu betheiligen. Der von dem Verband ausgehende Appel an die Milvthätigkeit fand allseitig frohen Wiederhall und als Beweis für die Opferwilligkeit der westfälischen Juden mag hervorgehoben werden, daß bei der ersten Sammlung über 80 000 Mark gezeichnet wurden. Diese Summe reicht jedoch bei weitem nicht aus, um mit dem Bau beginnen zu können und die leitenden Persönlichkeiten geben sich der angenehmen Erwartung hin, daß auch die außerhalb wohnenden Glaubensgenoffen, namentlich die mit Glücksgütern reich gesegneten, der an sie herantretenden Bitte, gleichfalls ein Scherflein beizutragen, gerne Nachkommen werden, so daß die Möglichkeit nicht ausgeschloffen ist, daß das vom Verbände eingesetzte engere Komitee bereits auf dem diesjährigen Gemeindetag, der in Gelsenkirchen stattsinden wird, in der Lage sein wird, die Pläne für den in Angriff zu nehmenden Bau vorzulegen. Auch der hiesige Synagogenchor hatte es sich nicht nehmen lasten, seine Kraft in den Dienst der guten Sache

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