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Der Israelit · 1899-03-23 · Heft 24-25 (23.3.1899) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 24-25 (23.3.1899)
Date
1899-03-23
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XI. Jahrgang. Erste Keil. M M 24 & 25 -es „Israelit". Leitender Artikel. fon ppna Eine Plauderei Von Saly Geis, Frankfurt a. M. Also, meine Verehrte, das jüdische Gesetz behandelt das weibliche Geschlecht ungerecht. Da plagt sich die Frau ab, von Purim bis Peßach, um selbst das winzigste Brodkrümchen aus der verborgensten Ecke herauszuholen, und ist die Arbeit gethan, dann kommt der Mann und erfüllt die Mizwoh pvn npns. „Warum", so fragen Sie mich, „soll der Mann immer den Rahm von der Milch abschöpfen?" Sie haben aus den ersten Augenblick wirklich garnicht so unrecht. Hier — so möchte man versucht sein zu glauben — ist einmal der offenbare Beweis dafür, daß das jüdische Gesetz doch nicht ohne angreifbare Schwächen ist. Endlich einmal eine Errungenschaft der fortschreitenden Kultur, durch die Thora und Talmud in den Schatten gestellt werden! Wer die neuere jüdische Litteratur kennt, der weiß, daß diese Erkenntniß den Vorzug der Neuheit bereits verloren hat; schon viele gelehrte Männer in Israel haben sich zu ihr emporgeschwungen, haben in heißem Wahrheitsdrange sich hingesetzt und dicke Bücher über die „Minderwerthigkeit der Frau im Iudenthume" geschrieben. Doch sachte! — Daß die moderne Frauen-Emancipation in vieler Hinsicht unjüdisch ist, nun, das müssen auch wir eingestehen. Aber energisch werden wir uns dagegen verwahren, wenn man sich bemüßigt sieht, die Stellung der Frau im Judenthume einer abfälligen Kritik zu unterwerfen. Greifen Sie hinein in das volle Menschenleben unserer Tage — jedoch nicht als rechnender Kaufmann oder Nützlichkeit abwägender Realist, sondern als warmherziger Menschenfreund —; Sie werden dann mit mir übereinstimmen, daß die moderne Frauenbewegung sehr unerfreulichen Ursachen ihre Entstehung und ihre so kräftige Fortentwicklung verdankt. Der Kampf um die Gleichberechtigung der Frau ist entsprungen dem harten Kampfe um das tägliche Brod; sein Milieu ist die ungesunde Luft rauchender Schloten. Verwelkt hat die Strenge des Berufes die herzerfreuende Anmuth der sorglosen Jungfrau, welche nun bei eintöniger, mechanischer Arbeit zum Schaden der Dichter ihren Liebreiz verloren hat. Und was ist aus der Familie geworden? Vater, Mutter, Söhne, Töchter — ne alle gehen dem Verdienste nach, und das traute Familienleben muß unter solchen Umständen verkümmern Schauen Sie nur hinüber nach Amerika, das den bedächtigen Europäern mit Siebenmeilenstiefeln vorauseilt: dort haben Sie schon heute unser Zukunftsbild! Während man hier in vielen Häusern — freilich nicht dort, wo es nöthig wäre — den Miethern die Sorge für Beleuchtung und Heizung abgenommen hat, braucht sich die Amerikanerin auch keine Kopfschmerzen mehr um die Küche zu machen; das ist die Aufgabe einer Centralküche für das ganze HauS. Sie, die ebenbürtige Rivalin des Mannes, raucht, trinkt, kannegießert und vereinsmeiert, gerade so wie ihr Nebenbuhler; sie geht ihrem Berufe nach gleich ihrem Concurrenten, dem Manne und vernachlässigt dabei natürlich die Pflege und Erziehung der Kinder. Das ist das Bild von der Gleichberechtigung der Frauen und das sind die herrlichen Früchte eines nüchternen Realismus. Gleichheit — das Schlagwort für phrasenschwülstige Demagogen — ist nur sehr relativ zu nehmen. Wie sich die Natur in unendlicher Mannigfaltigkeit dem Auge darbietet, so sollen auch die menschlichen Verhältniffe nicht in das Schablonenhafte hineingezwängt werden. Mann und Frau sind zwei von der Natur verschieden gebildete Wesen und daher verschieden zu behandeln. Der Wirkungskreis der schwächeren Frau muß ein mehr umschränkter sein, als der des stärkeren Mannes. Und dieses berücksichtigt das jüdische Gesetz in durchaus richtigem Maße. Die Frau sei dem Manne Gehülftn; jeder allein unvollständig, beide zusammen ein Ganzes. Von irgend welcher Minderwerthigkeit der Frau findet sich auch nicht die Spur in der Ethik de- JudenthumS; es ist nur jedem von beiden, entsprechend ihrer Beschaffenheit, eine verschiedene Aufgabe zugewiesen worden. Doch, was brauchen wir uns zu vertheidigen, wo die Thatsachen eine so überzeugende Sprache reden. Gilt nicht die jüdische Familie, selbst bei unseren Feinden, für unantastbar? Ist nicht die Mustergiltigkeit eines „jüdischen" Familienlebens längst eine Wahrheit geworden, die alle Welt als selbstverständlich anerkennt? Ein Baum, der eine solche Frucht zeitigt, bedarf wahrlich nicht mehr der Veredlung durch die Hand der Gärtner, und noch dazu von Gärtnern, die wohl zu vernichten, aber nicht aufzubauen wiffen. Kommen wir nun auf die Mizwoh pon rip'ir zurück, so sehen wir, daß unsere Chachomim genau den Intentionen der Thora gemäß gehandelt haben,

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