Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 24-25 (23.3.1899)
- Date
- 1899-03-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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459 thodox, ei, dann wählt ihn die Berliner Gemeinde nicht. So geht das Vexirspiel nun schon drei Jahre; jetzt scheinen sie es endlich aufgegeben zu haben. Nach der neuesten Version, die aber in der Regel einige Wochen später ein Dementi erfährt, hat man von der Wahl eines orthodoxen Rabbiners nun mehr ganz Abstand genommen, und stellt dafür einen Dajan an; natürlich einen orthodoxen! Der wird dann auf einen Jsolirschemel gestellt, vielleicht im Museum oder sonst wo in Spiritus gelegt, wo er sich so unparteiisch bewegen kann, wie unser abgegossenes Exemplar unter den Wölfen. In einer süddeutschen Reformgemeinde, in welcher seiner Zeit die Fluthen der Reform besonders hochgingen, suchten sie den Rabbiner alten Schlags dadurch zu degradiren, daß sie ihn geschmackvoll den „Lungenbesichtiger" nannten; dieses Genre etwa wird auch der neue Berliner Dajan zu repräsentiren haben. Ein guter Vorschlag kommt nie zu spät; ich erlaube mir hiermit einen solchen zu machen. Vielleicht findet er in den maßgebenden hiesigen Kreisen Beifall. Ich bin erst durch die Lektüre der „Verhandlungen und Beschlüsse der Generalversammlung de» Rabbinerverbandes in Deutschland" darauf verfallen, und gestehe gern, daß ich ohne diese Anregung wohl nie darauf gekommen wäre. Als in dieser Versammlung der Vorschlag discutirt wurde, aus ihrer Mitte Kollegien zur Ertheilung der mr,n zu ernennen, bemerkte Herr Dr. Bäck—Oppeln: .ES hat sich seit einiger ^cit eine Hübsche Litte herauSgebildet, daß die jungen Leute von einem Seminar zum anderen gehen. Es wäre gut, wenn die jungen Leute aus der Lehranstalt einmal zum Hildeöheimer'schen Seminar gingen. WeShalb soll der Mensch nur eine Richtung habend (Große Heiterkeit). Sie müssen mich, bitte, auSre^en lassen, meine Herren! — Ich meine, ein Mensch soll nicht bloß eine Richtung haben in der Methode, in der er sich unterrichten läßt. DaS wäre ein Wunsch, den der Rabbiner-Verband aussprechen sollte, daß hier die Anstalten sich entgegen kommen sollten. ES wird sich dann eine gegenseitige Duldung unter den verschiedenen Richtungen herausbilden. Ich sehe es wirklich nrcht ein, weshalb nicht jemand zw ei Jahre in derLehranstalt oder im H ilde s heim er sch en Seminar und zwei Jahre in Breslau sein sollte. Tas würde nachher alle die Bedenken, die vom Referenten vor gebracht worden sind, unnöthig machen. Er wird es dann gar nicht nötbig haben, sich an eine andere Kommission zu wenden. Diese goldenen Worte zählen unter die schönsten Blüthen, welche diese Versammlung getrieben hat. Es ist sehr zu bedauern, daß die große Welt so wenig Notiz von diesen Weisheitsergüssen nimmt, und daß sie fast ausschließliches Geheimniß der Rabbiner bleiben, vor welchen sie gesprochen wurden. Ist doch über die Veröffentlichung dieser Verhandlungen bereits eine bewegte Faschingszeit hingegangen und keine Faschingtzeitung hat sich dieses dankbaren Stoffes bemächtigt, weil die große Masse eben gar keine Kenntniß davon hat. Und doch ist die Ausbeute so reich an verschiedenen, fruchtbaren Anregungen, von welchen ich nur die eine betonen möchte, die mit unserem Gegenstand in direktem Zusammenhang steht. An der „großen Heiterkeit", welche die Worte des Redners veranlaßt en, wird sich kein selbstständig denkender Mann stoßen, bv sb* ayia -paart by »b :b:bzr\ Dem Redner ist wahrlich nicht zu grollen, sondern denen, die ihn auslachten. Wenn die alten Rabbiner aller Schulen und Richtungen schon soweit sind, einen Verband zu bilden, der sie alle amtSbrüderlich umschließt, warum sollte denn bei den Jungen nicht recht sein, was bei den Alten billig ist? naan nana nan^ rta-ie. Frankfurt a M., 22. März. Von Herrn I. Kauffmann, Buchhandlung, erhalten wir fol« gende Zuschrift: Die in Nr. 22 dieses Blatte« in einer Correspondenz au» Zürich erwähnte Trfillin-Angelegenheit, muß ich auf Grund gepflogener Recherchen solange für objektiv unwahr erklären, bis der Einsender derselben jenen Händler, der die Tefillin angeblich von mir bezog, namhaft gemacht hat, und ich auf Grund dieser Angabe die Sache eingehend geprüft habe. Er ist in den letzten Jahren zu wiederholten Malen vorgekommen, daß umherziehende Hausirer, die von ihnen angebotenen Tefillin, als von mir bezogen, verkauften, ohne daß dies den Thatsachen irgendwie entsprochen hätte. Buchau, 19. März. Unter Berufung auf das Preßgesetz ersucht uns Herr Rabbiner Laupheimer um Aufnahme nachstehender Berichtigung: In der jüngsten Nummer des „Israelit" ist in einer Einsendung aus Buttenhausen die Behauptung aufgestellt, daß ich der letztbenannten Gemeinde in ihrer Bemühung, einen stellvertretenden Religionslehrer zu erhalten, nicht beigesprungen sei. Diese Behauptung ist unwahr. Ich habe in dem betr. Fall meine Pflicht voll und ganz erfüllt. (Vergleiche die nachstehende Correspondenz.) Buttenhaufen, 19. März. In Nr. 22 des „Israelit" erschien ein Artikel von hier, der der Berichtigung bedarf. Dem Bezirks-Rabbiner, Herrn Laupheimer in Buchau ist der Vorwurf gemacht, daß er es Unterlasten habe, in der Frage der Berufung eines stellvertretenden Religionslehrers der Gemeinde Buttenhausen beizuspringen. Dieser Bericht ist wahrheitswidrig, insofern Herr Rabbiner Laupheimer sein Möglichstes in der Sache gethan und dringende Berichte an die isr. Oberkirchenbehörde eingereicht hat. Wenn ein isr. Lehramtskandidat, der zum Stellvertreter bestellt war, seine Stelle nicht antrat, so