Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 24-25 (23.3.1899)
- Date
- 1899-03-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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458 der in dieser Nacht verherrlicht wird, heilig sind die nws, durch welche er verherrlicht wird und heilig ist das den Heiligen durch heilige rra», an diesem heiligen Abend verherrliche! So bereite sich denn das heilige, nip cy genannte W vor. Asttrmgsrrachrichten «rrd Correspondenzen. Deutschland. Berlin. sBerliner Briefe VZ (Zur Berliner Rabbinerwahl.) Ein intelligentes Rudel Wölfe, dem Jäger und Jagdhunde etwastärker als sonst zugesetzt hatten, kam einmal auf den orginellen Gedanken, seine Harmlostgkeit durch Anstellung eines Schafes al» Hausmeier vor aller Welt zu beweisen. Bedächtig schüttelten die Lämmer ihre Schafrköpfe, ob diese» unerhörten Eeeigniffrs. Es war eine gute Stelle, Heu und Gras in Hülle und Fülle, die ganze Arbeit bestand darin in der Wolfshöhle ein wenig Ordnung zu halten, es war nichts zu riskiren, als ein wenig aufgefressen zu werden, wenn man dem einen oder andern der Herren Wölfe, die unter sich selber nicht einig waren, etwa nicht ganz zu Willen sein sollte. Aber wenn die Wölfe ihren major domus auffrefsen wollten, meinte ein besonders lammfrommes Schaf, wozu hätten sie ihn dann angestellt? Ein noch lammfrommeres meinte, man könne sich ja kontraktlich gegen das Auffressen schützen, man dürfe so etwa» nicht ohne weiteres von der Hand weisen. Aber alle Schafsköpfe erblickten in dem bloßen AuSfchreiben einer solchen Stelle das Morgenroth der messianischen Zeit, in welcher Wolf und Schaf friedlich neben einander lagern. Die Schafe, die in guten Ställen und auf fetten Weiden bereits wohlversorgt waren, ließen sich trotz aller messianischen Vertrauensseligkeit nicht herbei auf diesen Posten zu reflektiren. Aber viele andere riskirten doch den Versuch und klopften schüchtern an. Sie fanden es selbstverständlich, daß ihre Herren nach wie vor Wölfe bleiben und verlangten nur devotest, daß sie auch ihre Schafsnatur beibehalten und frei entfallen dürften, ohne deßhalb vergewaltigt zu werden. Das hätten sie gern schwarz auf weiß gehabt; aber da kamen sie schön an! Die Herren Wölfe fanden darin ein Stück Anmaßung. So viel Vertrauen müßten die Bewerber schon ihren neuen Herren entgegen bringen; gewiß bleibe ein Schaf ein Schaf und noch sicherer der Wolf Wolf, das brauche nicht erst kontraktlich festgestellt zu werden. — So fand sich kein Bewerber für die gut dotirte Stelle, obwohl manchem vor Sehnsucht darnach schier da» Waffer im Munde zusammenlief. Aber die Furcht von den Wölfen einer schönen Tages überrumpelt zu werden, erwies sich doch stärker und so blieb alles beim alten und die Stelle blieb unbesetzt. — Die pfiffigen Wölfe hatten ihren guten Willen gezeigt, und freuten sich darüber, wie es ihnen so leicht gelungen war, die ganze Welt über die Ungefährlichkeit ihrer Wolfsnatur zu täuschen. Die Schafe freuten sich, daß ihre Furcht vor einer Vergewaltigung ihnen als besondere Charakterstärke nachgerühmt werde. Die Wölfe kamen hinterher noch auf den glücklichen Einfall, einen GypSabguß von einer Schafsstatue anzuschaffen, an dem der große Troß in der Meinung vorüderzog, es sei ein leibhaftiger, und alles zog den Hut vor der Bravheit der Wölfe, welche das Schaf ruhig an seiner Stelle ließen, ohne auch nur eine gypserne Wollflocke zu zerzausen. Wer die Geschichte von der projektirten Anstellung eines konservativen oder gar eines orthodoxen Rabbiners in hiesiger Gemeinde kennt, der wird begreifen, wieso einem just diese Fabel von den Wölfen einfällt. Als vor einigen Jahren durch den Ausfall der Repräsentantenwahleü hier ein konservativer Luftzug durch die Gemeinde ging, da warf man den etwas störrisch gewordenen Konservativen einen Knochen hin, indem man sich den Anschein gab, als wollte man ihnen einen konservativen, ja einen orthodoxen Rabbiner bewilligen. Man traute seinen Ohren kaum. Die Berliner Gemeinde, die Hochburg des fanatischen Reformjudenthums, einen orthodoxen R ibbiner. Aber es war doch so. Flugs wurde eme Kommission gewählt, die ihrerseits wieder orthodoxe Rabbiner auswählen sollte. Sie wählte schon drei Jahre lang, fast zwei Dutzend Körbe hat sie bei dieser Gelegenheit eingehennft, aber einen Rabbiner nach ihrem Herzen hat sie bislang nicht gefunden. Nach ihrem Herzen! Sie hat gewiß mindestens doppelt so viele Herzen als sie Mitglieder hat, denn jede» ist wenigstens zwiespältig getheilt, und diese Leute, die alles mögliche sein mögen, konservativ oder gar orthodox sind sie nicht, das müffen ihnen ihre Feinde lasten nnd diese Leute sollen einen konservativen, einen orthodoxen Rabbiner wählen! Eher hätte sich ein Schaf unter die Wölfe wagen können, als ein orthodoxer Rabbiner unter diese Gesellschaft, also kurz der orthodoxe Rabbiner war bis dato nicht aufzutreiben. Warum? Wem's die Geschichte mit den Wölfen noch nicht klar gemacht hat, den lehrt's vielleicht folgende Maxime eines ehrbaren Schneiders, der seinen Kunden gegenüberbetheuerte, er mahne einen Gentelman nie an seine Schuld. „Aber wenn er nicht bezahlt?" „Dann verklage ich ihn, denn dann ist er kein Gentelman." Wenn die Berliner einen Rabbiner wirklich wählen sollten, so darf man dreist behaupten, er ist nicht orthodox. Ist er aber wirklich waschecht or-