Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 24-25 (23.3.1899)
- Date
- 1899-03-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448977--47953-2498328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
466 solchen abgelegenen, unterirdischen Orten, wohin kein Blick Deiner Häscher dringt?" „Diese Sicherheit habe ich allerdings nicht, aber Du verlangst auch Unmögliche»; wie könnte ein noch so vielvermögender Herr in einem großen Reiche für eine so strikte Erfüllung seiner Anordnungen haften?" „Unser Lehrer Moscheh hat das zu Wege gebracht, was Du hier als unmöglich bezeichnest. Er hat uns verboten mehr als 24 Stunden mit Licht und Feuer umzugehen, nicht Einmal im Jahre, sondern allwöchentlich an jedem Sabbat, und sein Verbot wird respeklirt nicht nur im großen römischen Reiche, sondern wo nur auf dem weiten Erdenrunde Juden leben, und nicht nur bei Lebzeiten des Gesetzgebers, sondern noch heute, viele Jahrhunderte nach seinem Tode." Kaiser Nero mußte den verlangten Beweis als erbracht anseben und seitdem hat er nicht mehr geringschätzig über unseren Lehrer Moscheh geurtheilt. Diese wunderbare Größe eines jeden Sabbat scheint uns als etwas so selbstverständliches, daß wir sie leicht übersehen und verkennen würden, wenn uns nicht die Weisheit unserer großen Weisen darauf hinwiese. Aber von diesem Winke geleitet, gewahren wir die Größe des Sabbat in ähnlicher Art im eigenen, jüdischen Kreise, wo sie wohl ein römischer Kaiser nicht zu würdigen weiß, wo sie aber dafür von jedem jüdischen Manne und jedem jüdischen Weib um so tiefer begriffen und um so inniger beherzigt wird. Es giebt wohl kein Fest, das so viele Vorbereitungen erfordert, als unser Peßachfeft. Monate vorher wird das Brot vorbereitet, das dem Mazzos- Feft seinen Namen gegeben hat. Wochen zuvor wird unsere ganze Häuslichkeit, von der höchsten Gibelfirst bis in die letzte Kellertiefe, gemustert und durchsucht, ob sich nicht irgendwo in einem versteckten Winkel Ehomez finde, dessen Genuß und Besitz für die Dauer des Peßachfesteuntersagt ist. Von dieser Musterung bleibt keine Fuge, keine Ritze verschont, und früh und spät stehen in den Wochen vor Peßach die wackeren jüdischen Hausfrauen bereit, um selber alles ihrer Durchsicht zu unterziehen, damit wenn, wie in der Erlösungsstun)e unseres Volkes, der Heilige, gesegnet sei Er, in den Sedernächten wieder seinen Vaterblick auf die jüdischen Häuser richtet, er sie noch heute, wie einst, als die seinen erkennt. Jeder Tag, der uns dem Peßachfeste näher bringt, steigert die Umsicht und gewissenhafte Fürsorge, daß alles Ungehörige ausgeschieden und alles Erforderliche zur Stelle sei. Ihren Höhepunkt erreicht jedoch die rastlose Thätigkeit der Peßachvorbereitung am Rüsttage des Peßachfestes, wenn das letzte Ehomez aus unserm Besitzkreis entfernt werden soll, um nun den Einzug des schwer verdienten, heiß ersehnten Peßachfestes zu ermöglichen. Das Stellen, Glühen, Käschern, die vollständige Räumung der Ehomez- und die complette Einrichtung der Peßachküche nimmt noch den halben Vormittag in Beschlag. Ist aber selbst das letzte Ehomez verkauft, verschenkt und verbrannt, so macht der Peßach erst vollends sein Recht geltend. Es gilt das Erforderliche für die Sederabende vorzubereiten, die bitteren Kräuter zu beschaffen und herzurichten, Charoses anzufertigen, die Seroa zu braten, den Sedertisch in Stand zu setzen, ganz von den Vorbereitungen abgesehen die der Peßach noch wie jedes andere Fest verlangt. Wenn Jemand an einem solchen Tage, der wie vielleicht kein anderer sonst diese rastlose Thätigkeit der jüdischen Hausfrau verlangt, vor die Schalterinnen und Malierinnen unserer Häuslichkeit mit der Zumuthung herantreten würde, ihre aufreibende Emsigkeit zu mäßigen und nach den vielen Wochen harter Arbeit sich vor Eintritt des Festes einige Stunden der Ruhe und Erholung zu gönnen, der würde so Unmögliches, Lächerliches verlangen, daß er nicht einmal Verständniß für einen solchen Wunsch fände! Wenn gar, wie es in frommen Familien vielfach geschieht, der Ereb Peßach-Nachmittag dazu benützt wird um diejenigen Mazzos zu backen, welche für den Abend beim Seder gebraucht werden, damit sie möglichst frisch und warm den Sedertisch zieren, dann erschiene es vollständig als unbegreifliche Zumuthung, an einem solchen Tage auch nur wenige Minuten rasten und feiern zu wollen. Nein, mit jeder Minute wird gegeizt, die uns noch vom Feste trennt, jetzt zu ruhen und feiern hieße die Krone oeS mühsam Erstrebten kurz vor der Erreichung gefährden, das wäre unmöglich. Und was keiner zu verlangen, was aber jedenfalls Niemand zu erlangen wagte, der Sabbat erreicht es spielend. Wenn er mit Ereb-Peßach zusammenfällt, hat der ganze Rüfttag zum Peßachfeste sein sonniges, rühriges, ruheloses und arbeitsames Gepräge vertauscht und die Ruhe und der Friede des Sabbat verleihen diesem sonst so geschäftigen Tag den stillen, heiterbeseligenden Sabbaicharakter. Das ist das Wunder, welches der große Sabbat vollbringt und auf welches uneine eigene Anordnung unserer Altvorderen besonders hinweist. Mit dem Peßachfeste und seinen Sederabenden ist in inniger Weise das Gedächtniß des Propheten Elijahu verwoben. Ihm wird in jedem Hause ein besonderer Pokal kredenzt, und in diesen heiligen Weiheftunden warten alle sehnsuchtsvoller als je des theuren, längst angekündigten Gastes. Allenthalben greift die finnige jüdische Sitte, wenn Ereb-Peßach mit dem Sabbat zusammenfällt, aus dem reichen Schatze unserer prophetischen Bücher das letzte Wort des letzten Propheten zur Betrachtung heraus, welches uns die Ankunft * de- Propheten Elijahu verheißt, i?rurt n dt* »d