Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1899)
- Date
- 1899-03-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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trotz seines Alters von 64 Jahren noch sehr rüstig und ist im Stande noch mit klarer, deutlicher Stimme auch längere Predigten zu halten; am dt betete er mit klangvoller, lieblicher Stimme das und dan^"p:-Gebet vor und hält noch Vorträge in der hiesigen ött man. Seine körperliche und geistige Elastizität wird allgemein bewundert. Aus Mähren, 9. März. Wie wir hören, hat sich um den in der Cultusgemeinde Gödin erledigten Rabbinatsposten ein Candidat des Wiener Rabbiner-Semiars beworben und daselbst auch einen Probevortrag abgehalten. Nun ist Göding eine ausgesprochene Reformgemeinde, da in dem Tempel daselbst die Orgeltöne erklingen. Da dies aus der erwähnten Anstalt schon der zweite Rabbiner ist, der auf eine Stelle in einer neologen Gemeinde reflecktirt, so kann über dieses Seminar mit ziemlicher Gewißheit das Urtheil gefällt werden, daß dasselbe die Reformrichtung unterstützt und so die religiösen Jnteresien der gesetzestreuen Judenthums in Mähren auf empfindliche Weise schädigt. Mag auch der Lehrkörper dieser Anstalt diese Erscheinung in Abrede stellen, mag sie dagegen noch so feierlich proteftiren, die Thatsache, daß die ersten zwei Candidaten des Rabbinerseminars in neologen Gemeinden ihre Anstellung suchten, ist stärker als alle Worte. Bedauerlich ist es nur, daß dieses Seminar sich in den Deckmantel des Conservatismus hüllt und auf diese Weise die Söhne orthodoxer Eltern zum Eintritte in dieselbe verleitet. — Eine interessante Debatte hat gestern im mährischen Landtage stattgefunden: es handelte sich nämlich um die Bewilligung eines Darlehens von 60,000 fl. an die CultuSgemeinde Olmütz, welche eben den Tempelbau vollendet hatte. Der Finanzausschuß deS Landtages beantragte, das Ansuchen der CultuSgemeinde zu bewilligen. Dagegen sprach der jungtchechische Abgeordnete Dr. Stransky, indem er ansührte, daß der Landtag nicht da sei, um religiöse Institutionen zu unterstützen, und er würde ebenso wie gegen dieses, auch gegen das von irgend einer anderen GlaubenSgenossenschaft gestellte Ansuchen stimmen; überdies könne auch der Fall eintreten, daß sämmtliche Juden von Olmütz sich taufen laffen oder auswandern, dann ist eS undenkbar, daß diese Summe bezahlt werde. Abg. Ausspitz wies die Solvenz der iSrael. Kultusgemeinde Olmütz nach und führte aus, daß wenn die unwahrscheinlichen von Dr. Stransky angeführten Fälle eintreten sollten, das Land immer sein Guthaben erhalten werde. Für den Antrag des FinanzauSschusieS, dahingehend, das Ansuchen der CultuSgemeinde zu bewilligen, stimmten: Die Deutschnationalen, die Abgeordneten deS Großgrundbesitzes, die Altcheschen, der Brünner Bischof Dr. Bauer und Prälat Karcian. Dagegen stimmten bloS einige Jungtchechen und der christlich-soziale Abgeordnete Neunteufel, während einige Clericale vor der Abstimmung den Saal verließen. Dr. Stransky, der selbst einst Jude war, kann es nur beklagen, daß im mährischen Landtage die conservativen Juden nicht in der Majorität sind, denn diese hätten gewiß, aber aus ganz anderen Gründen, gegen die Bewilligung eines Darlehens zum Theater, pardon zum Tempelbau, gestimmt. Es wäre jedoch Undank, die gute Absicht der christlichen Abgeordneten, die für diesen Antrag gestimmt haben, zu verkennen. England.? London. Das Eceigniß der letzten Woche ist das große Festbankett, das im Frocadero-Restaurant am Mittwoch, 3. März zum Besten des Fonds für Religionsunterricht stattfand. Der Oberrabbiner selbst präsidirte und die Spitzen der jüdischen Gemeinde waren anwesend. Der Präsident hielt den großen Toast auf die Königin und die Mitglieder der königlichen Familie, nach ihm toastete Baron Leopold Rothschild auf das Parlament, worauf Mc. B. L. Cohen als Mitglied de» Unterhauses dankte. Dann erhob sich abermals der Oberrabbiner, diesmal zu der eigentlichen Festrede deS Abends, um die Verdienste des Komitees für religiöse Erziehung zu schildern, seine Nothwendigkeit betonen und Unterstützung für ihn zu erbitten. Nicht weniger als d200 Schüler und Schülerinnnen aus den Londoner Gemeindeschulen empfangen in den vom Komitee geschaffenen und erhaltenen Klassen den Religionsunterricht, den sie entbehren müßten, wenn dem Komitee die Mittel ausgehen würden. Für weitere 400 Kinder muß aber ein solcher Unterricht noch eingerichtet werden, so groß ist dar Bedürfniß. An diese Rede, die glänzend vorgetragen, stürmischen Beifall entfesselte, schloß sich die Sammlung an, die das schöne Resultat von 160,000 M. ergab, genug um das Defizit zu decken und zusammen mit den regelmäßigen Einnahmen das Komitee auf drei Jahre mit den nöthigen Fonds zu versehen. Begreiflich genug, daß die Verkündigung dieses Resultates mit großem Enthusiasmus ausgenommen wurde. Die lange Reihe der nachfolgenden Toaste ist zu umfangreich, als daß jeder derselben erwähnt werden könnte, im ganzen nahm das Festbankett einen so glänzenden Verlauf, daß selbst die hochgespannten Forderungen der Arrangeure übertroffen wurden. Neben diesem Fest gehört das allgemeine Jntereffe dem soeben erschienenen 10. Jahresberichte des Board of Guardians, der leider weniger günstig lautet, als im Vorjahre. Die Zahl der Fälle, in denen Hilfeleistungen sich als nothwendig erwiesen, stieg von 4286 im Vorjahre auf 4462, wobei 4.6,241 Personen beiheiligt wurden. In Folge der milderen Temperatur und etwa» ge-