Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1899)
- Date
- 1899-03-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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4*3 wie sie sich jetzt nach dem Muster Deutschlands über die ganze Welt ausdehnt, und ein Theil jener geistigen Epidemie, die von Deutschland aus über die ganze Welt ihren Weg nimmt. Unsere Nation genießt in dieser Frage eine Ausnahmestellung. Wo anders bilden die Juden lediglich einen geringen Bruchtheil der Bevölkerung, bei uns sind sie eine mächtige soziale Schicht mit einem eigenen nationalen Gepräge. Auf dem Territorium der ehemaligen polnischen Republik zählen wir jetzt 13 Millionen Polen und 4 Millionen Juden, also noch mehr, als sie jemals im selbstständigen Palästina gezählt haben. Und diese Ziffern schließen von vornherein jeden anderen Plan als den auf Verwerthung dieses zahlreichen und kräftigen Elements und Umwandlung deffelben zu einem Theil der nationalen Macht aus. Und trotzdem besteht in dieser wie in vielen anderen Fragen bei uns eine Unklarheit, Rathlosigkeit und Verwirrung der Begriffe." (S. 113 f.) „Wenn wir die Dinge genauer untersuchen, so fällt es schwer, jenes Uebergewicht des jüdischen Reichthums zu finden, von dem so oft gesprochen wird. Ein Einkommen von 9 Millionen auf 686,000 Menschen ist ein Bettelgeld. Diese Zahl beweist durchaus nicht, als ob uns die Juden durch ihre größere Produktivität und durch ein spezifisches Talcnt, neue Vermögensquellen zu entdecken, überlegen wären." (S. 117.) „Nach einer Richtung ist aber die ärmere jüdische Bevölkerung der wohlhabenden christlichen doch überlegen. Die Gesammtheit dieser Klaffe lebt vom Tagesverdienst und von der Taaesarbeit, ihre Majorität existirt ohne ein sicheres Morgen, am Rande des Ruins und des ärgsten Elends, in die sie ein mehrwöchentlicher Verdienstentgang stürzen kann. Unter dem Druck dieser ökonomischen Lage entsteht bei den Juden ein schrecklicher Kampf ums Dasein, und er bewirkt, daß der größte Theil der Juden nicht blos zu den Arbeitenden, sondern auch zu den Sparenden gehört." (Seite 117.) „. . . . Wäre nicht unsere eigene superlative Faulheit, so würde ich in den galizischen Juden nicht Urbilder der Schlauheit und des Raffinements, sondern sehr mäßige Muster der GJchäststhätigkeit sehen. Eine kleine Sparsamkeit und nicht eine Kenntniß der produktiven Arbeit ist ihr Hauptmerkmal. Wie, ein Handel und Industrie treibende Bevölkerung von 700,000 Seelen sollte nicht im Stande sein, jährlich sieben Millionen zu ersparen? (Sz. behauptet nämlich, daß die galizischen Juden eine solche Summe sparen.) Das soll ein Beweis von Raffiniment sein? Nur im Vergleich zu unserer Unbeholfenheit kann man das so nennen. Das Schicksal von sechs Millionen Menschen, die ihr eigenes Land, ihre Landesverwaltung, alle Aemter und Würden besitzen, soll dadurch bedroht sein, daß die Juden sieben Millionen jährlich sparen!? Wenn wir e» nicht mit unseren Juden, sondern mit einem wirklich schlauen, energisch und eroberungslüsternen Volk zu thun hätten, wenn wir neben oder unter uns 700,000 Schotten oder Pankees hätten, unternehmungslustige und energische Völker, sie hätten uns schon längst mit Haut und Haare ausgegessen." (S. 119.) Und da sollten wir, statt die Schuld in unserer Unbeholfeuheit und Leichtfertigkeit zu suchen, alle menschlichen und göttlichen Gesetze mißachten? Da sollten wir statt des Evangeliums der Gerechtigkeit und Billigkeit das des RaffenhaffeS, der religiösen Intoleranz und der Ausbeutung annehmen, das uns die irregeführten Apostel der korrumpirten öffentlichen Meinung dieses Nachbarstaates, der einst als der gebildetste in Europa galt, predigen? (S. ILO.) „In einem Nebel von Visionen und Gespenstern lebend, jedes ökonomischen Wissens bar, haben wir die Juden, die mir vor uns haben, zum Sündenbock für alle unsere Mißerfolge gemacht, denn wir ahnen kaum die wirklichen, aber auch schwerer zu beseitigenden Ursachen unseres Verfalles." (S. 120.) Das schrieb Monsieur Szczepanowski vor — zehn Jahren. Seitdem haben sich die Juden in Galizien kaum geändert. Dafür änderten sich eben Andere, und gerade dieser edle Pole aus der Polakei ist gegenwärtig einer der Führer im Kampfe gegen die unglücklichen galizischen Juden! Nikolsbnrg, 8. März. Auf Anregung des hiesigen Rabbiners Dr. David Feuchtwang *"i hat der Vorstand des hiesigen er-ion n's den Beschluß gefaßt, allsabbatlich Vorträge im erwähnten Lehrhanse abhallen zu lasten. Zur Erreichung dieses Zweckes werden die Herren Dr. Feuchtwang, Rabbinats-Administrator Joseph Knöpfmacher, die Religionslehrer Bernhard Deutsch, Bernhard Krakauer und Jakob Zwicker ersucht werden, ihre Kräfte diesem wohllöblichen Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Der Vortrag soll sich hauptsächlich in dem Nahmen de? Inhaltes des kommenden Wochenabschnitles bewegen, um so Lust, Liebe und Jntereffe für die heilige unter den breiten Schichten der Bevölkerung zu erzielen. Wir wünschen diesem neuen Unternehmen viel Glück. — Der hiesige Rabbinats-Administrator Herr Joseph Knöpfmacher wurde von Sr. Maj. dem Kaiser für seine mehr al? 40jährige Dienstleistung unserer Gemeinde durch Verleihung der Ehrenmedaille ausgezeichnet. Aus diesem Anlasse kamen Herrn Knöpfmacher recht viele Glückwünsche zu u. a. von dem Amtsleiter der hiesigen k. k. Bezirkshauptmannschaft selbst, welcher ihm schriftlich, anschließend an die amtliche Nachricht von der erhaltenen Auszeichnung, seine Gratulation darbrachte. Herr Knöpfmacher ist