Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1899)
- Date
- 1899-03-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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445 befferter Arbeitsverhältniffe sank allerding» die Summe der gezahlten Unterstützungen ein wenig. Immerhin hatte die Board of Guardians eine Gesammtausgabe von ca. 880,000 Mark und leider auch ein Dlsizit von 36,000 Mark. Sehr günstig waren die Resultate der Stellenvermittlung, der Darlehensabtheilung und der Lehrlingsschulen. Es werden aber doch durchgreifende Schritte nöthig werden, um dem ständigen Defizit ein Ende zu bereiten? Belfast. Jetzt hat auch unsere Stadt einen jüdischen Bürgermeister. Otto Jaffe, der durch die kürzlich erfolgte Wahl zum Lord Mayor der großen irischen Industriestadt berufen worden ist, stammt aus einer alten, hochangesehenen jüdischen Familie, die seit dem 16. Jahrhundert mehr als einen großen Rabbiner und Gelehrten hervorgebracht hat. Seitdem ein Zweig dieser Familie sich in Irland niedergelassen hat, besteht der Ruhm derselben in ihrer erfolgreichen Thätigkeit für die Entwickelung der irischen Leinenindustrie. Otto Jaffe war Jahre hindurch Präsident der jüdischen Gemeinde in Belfast und zahlt noch den Grundzins für die Synagoge, die sein Vater der Gemeinde auf seine Kosten erbauen ließ. Afrika. Algier. Bei Gelegenheit der Empfangsfestlichkeiten für den neuen Militärkommandanten von Algier General Pedoya hielt Herr Honel, Namens des jüdischen Konsistoriums folgende Ansprache: „Herr General! Das israelitische Konsistorium des Departement Algier bittet Sie auch seine besten Glückwünsche anzunehmen. Es ist glücklich wiederum eine Gelegenheit ergreifen zu können, um wieder einmal der Ergebenheit Ausdruck geben zu können, welche es für das Vaterland, die Republik und die großen nationalen Institutionen hegt. Dieselben sind unsere geliebte tapfere Armee an der Spitze, die Kraft, der Stolz, die Hoffnung und die Ehre Frankreichs." General Pedoya hat auf diese Worte in der höflichsten und beruhigsten Weise geantwortet. Der Schlußsatz seiner Rede lautete: „Nicht umsonst haben wir Franzosen die große Revulotion von 1789 gemacht, welche auch den Bürgern ohne Unterschied der Religion und der Raffe vollkommene Gleichheit gebracht hat." > Personalien. Schonungen bei Schweiitt'urt. Vor kurzer 8ett am 17. Adar, hauchte dahier ein edler Mann nach längerem schweren Leiden seine reine Seele aus. Herr Samuel j Rosenberger, eine Zierde unter den Männern, eine j röiiD im wahren Sinne de- Worten, ist aus unserer , Mitte geschieden und in ein höheres Leben der Freude eini gegangen; uns aber hat er in Trauer zurüägelassen. j Eine schwere Trauer ist es zunächst für die hinterblie- , bene Gatlin; denn er war die Zierde, der Stolz des Hauses,! der kostbarste Edelstein in der Familienkrone. Ein schwerer I Schlag ist es ferner für die beiden Söhne und für die Tochter, an welchen der Entschlafene mit besonderer Zärtlichkeit hing. Mit den Seinigen, denen das teuere und ehrwürdige Haupt genommen ist, trauert die hiesige Gemeinde, die sich nun eines hochgeachteten und vielgeehrten Mitgliedes beraubt sieht, welches einst als Vorstand ein segenreiches Wirken entfaltete. ES trauern ferner die zahlreichen Freunde und Freundinnen, die sich der Verblichene durch sein freundliche-, gefälliges Wesen erworben. Es mischen sich unter die Thronen der Verwandten die vieler Armen, welche von der Mildthätigkeit des Geschiedenen, Unterhalt und Trost empfingen__ Feuilleton. Verkauft. — Eine Erzählung aus Ungarn. 49) Bon Samuel B. Slosuer. (Schluß). Nachdruck verboten. Moscheh nahm ihre Hand in die seine und streichelte sie sanft. Ueber sein Gesicht breitete sich eine eigene Helle, die in einem funkelnden Strahl aus seinem Auge hervorsprang. „Weißt Du, was Du mir zu verzeihen hast?" sprach er mit einem Gemisch von Glück und leise zitterndenr Weh, „daß Du meine Braut bist! Oh," bat er mit flehender Stimme, „raube mir nicht das kurze Glück. — Es wird ja dabei sein Bewenden haben," murmelte er dunkel. Schulamits Hand zitterte in der seinen. Sie wagte sich kaum zu rühren, denn sie glaubte neben einem Irren zu sitzen, dessen Geist von Wahnvorstellungen getrübt wird. Scheu und furchtsam richtete sie den Blick auf sein Angesicht. Er betrachtete sie mit verzückter Schwärmerei und in seinen Augen schimmerte ein feuchter Glanz. Plötzlich ging in seinem Angesichte eine schreckliche Veränderung vor. Seine Züge erstarrten plötzlich. Die Unterlippe hing schlaff herunter, die Augenlider erweiterten sich, das Weiße des Auge bloßlegend. Schulamit fuhr entsetzt in die Höhe, doch ihre Hand vermochte sich von seiner krampfhaften Umklammerung nicht zu befreien. Er machte vergebliche Anstrengungen zu sprechen. Nur sein großes, starres Auge, welches sie unsäglich elend in seiner Hilflosigkeit ansah, führte eine stumme schaurige Sprache. Endlich kamen leise gehauchte Worte über seine fahlen, keuchenden Lippen: „Schulamit — hilf mir — um Gotte-Willen!" Er versuchte sich emporzurichten, doch da stürzte