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Der Israelit · 1899-03-20 · Heft 23 (20.3.1899) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 23 (20.3.1899)
Date
1899-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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441 Aeitimssrrachrrchten und Eorrefpondenzen. Deutschland. BeEn, 13. März. In einer der letzten Sitzungen der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses fand eine wenig beachtete Debatte statt, die aber für uns von besonderem Jnteresie ist. Nämlich die Deutschkonservativen im Verein mit den CentrumSmitgliedern lehnten die von der Regierung eingestellte Summe von 6000 Mark ab, die für die Erweiterung des altkatholischen Konvikts in Bonn gefordert war. Gegen diese Majorität standen Freikonservative, Nationalliberale und Freisinnige. Bei der Debatte hatte das Centrumsmitglied Im Walle- Hamm darauf hingewiesen, daß auch Juden, Mennoniten, Wiedertäufer und andere Sekten aus Staatsmitteln für ihren Kultus Zuschüsse fordern könnten, wenn man sie den Altkatholiken gewähren wolle. Diese Bemerkung veranlaßte ein anderes Mitglied des Centrums, Roeren, darauf hinzuweifen, daß ein Anspruch auch ganz gerechtfertigt sei, weil die anderen ReligionSgesellschaften doch für die staatliche Unterstützung der christlichen Kirche durch ihre Steuern beitragen. Der deutsch-konservative Abg. v. Heydebrand erklärte diese Forderung anderer Relrgionsgesellschaften für nicht gerechtfertigt, und zwar deßhalb nicht, weil Preußen ein christlicher Staat sei. Merkwürdig! Und schon in einer der nächsten Sitzungen des Abgeordnetenhauses wurde, freilich bei anderem Anlaß, von denselben Parteien in rührender Uebereinstimmung erklärt, Preußen sei ein durchaus paritätischer Staat, in dem nicht eine Konfession den Vorrang haben dürfe. Köln, 14. März. Von dem hier gegründeten Verein für jüdische Krankenpflegerinnen ist kürzlich nachstehendes Cirkular in Rheinland und Westphalen versendet worden: „Die große Nachfrage nach tüchtigen Krankenpflegerinnen und die allerorts durchgedrungene Erkenntniß, daß ein Pflegerinnenpersonal, deffen technische und ethische Ausbildung seinem schweren Berufe entsprechend ist, nur im Rahmen einer Schwestern-Organisation geschaffen werden kann, hat auch hier zur Gründung eines Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen geführt. Dank dem Entgegenkommen der Verwaltung des israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache kann sich die Pflegerinnenschule diesem anlehnen, das schon seit mehreren Jahren unter der Leitung einer tüchtigen Oberin Schwestern mit vorzüglichem Erfolge ausgebildet hat. Wie wir Schülerinnen aus allen Gemeinden nehmen, so werden wir auch unsere Schwestern, wenn eine genügende Zahl ausgebildet ist, überall in die westlichen Provinzen Deutschlands zur Dienstleistung gern entsenden. Wir glauben daher, auch Ihre thatkräftrge Mitwirkung erbitten zu dürfen für unser Hilfswerk, das zugleich hochgesinnten und gebildeten jüdischen Mädchen und Frauen den Zugang zu einem, wenn auch schweren, aber höchst ehrenvollen Beruf ermöglicht, der ihnen zugleich eine gesicherte Lebensstellung verbürgt. Wir haben nicht nur die Verpflichtung, die Mittel für die Verpflegung und Besoldung unserer Schülerinnen und Schwestern während ihrer Lehrzeit und Amtsthätigkeit bereit zu stellen, sondern auch für einen standesgemäßen Unterhalt bei Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit oder Alter zu sorgen. Indem wir uns erlauben, unsere Statuten, Pensions-Reglement und Bestimmungen Ihnen zu übersenden, bitten wir Sie, unsere Bestrebungen durch Beitritt zu unserem Verein und durch Zuweisung geeigneter Kandidatinnen zu fördern und einliegende Karte gütigst ausgefüllt uns zurückzusenden. Mit Hochachtung der Vorstand: Dr. B. Auerbach, dir. Arzt des Asyls, Vorsitzender. Rechtsanwalt Carl Elzbacher, stellv. Vorsitzender. Dr. F. Cahen, chir. Oberarzt des Asyls, Schriftführer. M. Bendix, Schatzmeister. I. Dülken, Fabrikbesitzer. Amtsgerichtsrath Löwenherz. PH. Neckarsulmer. L. Oppenheimer, Dr. med. F. Rothschild, Fabrikbesitzer." Aus der Provinz Starkenburg. Die irr. Gemeinde Heusenstamm besitzt noch einen uralten ehrwürdigen Friedhof, der einst als Schenkung Seitens de» Grafen von Schönborn derselben verehrt wurde. Leider ist nun die Schenkungs-Urkunde der Gemeinde verloren gegangen, indeß der Friedhof blickt schon auf Jahrhunderte seines Bestehen» zurück. Grabsteine wurden früher nicht gestellt und in regelmäßiger Reihenfolge die Todten bestattet, auch war es nur ein brach liegendes Complex. Erst im Jahre 1857 wurde eine große Umfassungsmauer theils aus wohlthätigen Beiträgen von Gönnern, theils aus den eigenen finanziellen Mitteln der Gemeinde aufgebracht. In sehr hervorragender Weise hat sich hier auch das edle Herz des bereit» vor zwei Jahren verstorbenen M. Schwarzschild b'Ti gezeigt, indem er mit unermüdlichem Schaffensdrang den Ansporn zu Beiträgen gab. Nachdem später die Mauer wieder morsch und baufällig wurde, daher ihrer Bestimmung nicht mehr entsprach, war es auch Herr S. Levy, der mit vollen Kräften der Sache sich annahm und es bald im Vereine von Freunden und Gönnern so weit brachte, daß eine vollständige Renovation geschaffen wurde. Noch eines verdienstvollen Mannes sei hier gedacht, der sel. Jos. Fürth, der über 40 Jahre da» Vorfteheramt verwaltete, der auch in diesen Blättern im Jahre 1884 au» Anlaß seiner goldenen Hochzeit ehrenvoll erwähnt wurde, im Jahre 1804 da» Zeitliche segnete und bi» zu seinem Tode ein thatenreiche» Leben entfaltete.

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