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Der Israelit · 1899-03-16 · Heft 22 (16.3.1899) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 22 (16.3.1899)
Date
1899-03-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
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432 stellen, eine Vorstellung bilden," kaufweist. Es würde somit bv& so viel bedeuten, als Gleichniß für Anderes dienen, als Typus für die Gesammtheit figuriren. Wie alle Völker, insbesondere die Morgenländischen scheinen auch die Israeliten schon in ältester Zeit eine große Liebe für diese Art des Volks-Sprichworts gehabt zu haben. Zeugniß hierfür ist der oftmalige Gebrauch des Wortes bva, obgleich in der Bibel selbst nur eine geringe Anzahl von Volkssprichwörtern enthalten ist, worüber wir uns bei dem Charakter der heiligen Schriften durchaus nicht wundern dürfen. Diese werden eingeführt durch Bezeichnungen wie tec oder ’Janpn nex’ p bx „so pflegt man zu sagen", oder ruiwns n-“1 *c"i (Sam. II, K. 30, V. 18). Mit den einleitenden Worten isk' pf?» wird das älteste Volks-Sprichwort, das uns von dem Jäger Nimrod erzählt, eingesührt, indem derselbe als Prototyp für wilde Leidenschaften angeführt wird, „Daher sagt man wie Nimrod ein wilder Jäger vor dem Herrn." (I. B. M., K. 10, V. 9.) Weiter finden sich noch Sprüchwörter in: Richter K. 8, V. 21, „Wie der Mann, so seine Stärke", Sam. II, K. 18, V. 20, „Du bist kein Mann guter Botschaft an diesem Tage", Sam. II, K. 5, V. 8, „Ein Blinder und ein Lahmer kommen nicht in's Haus", Sam. I, K. 24, V. 14, „Vom Bösen konrmt Böses", Hiob K. 24, Kön. I, K. 20, V. 12: „Es rühme sich nicht der, so das Schwert anlegt, sondern der es siegreich löst", Jer. K. 21, V. 29, „Die Väter haben Herlinge gegessen und die Zähne der Kinder sind stumpf geworden", welcher Gedanke auch im Ezechiel K. 12, V. 22, K. 16, V. 44, K. 18, V. 2, Wiederholung findet. Zeugniß von der großen Liebe des Israel. Volkes zum Volks-Sprichwort ist die Thatsache, daß nach dem Muster des letzteren in ältester Zeit Kunstsprichwörter gedichtet wurden, das Buch des Königs Salomo 'toa, welches den heiligen Büchern eingereiht wurde. Die Tendenz des Spruchbuchs Salomo ist in der Einleitung angegeben; Kap. 1, V. 3—5: „Zu erlangen einsichtsvolle Zucht, Gerechtigkeit und Recht und gerades Wesen. Darzureichen Unerfahrenen Klugheit, der Jugend Erkenntniß und Ueberlegung. Es höre der Weise und gewinne an Lehre und der Verständige eigene Verhaltungsmaßregeln sich an." Der weise königliche Dichter verstand an vielen Stellen durchaus den Ton des Volks-Sprichworts zu treffen, was seinem späteren Nachahmer, nämlich dem Sirach, keineswegs gelungen ist. Dieser war der älteste jüdische Schriftsteller, der nach Salomo Sprüche zu dichten versuchte. Seine um das Jahr 199 vor der gew. Zeitrechnung verfaßte Schrift wurde in die heil. Bücher nicht ausgenommen, war aber nach ihrer vielfachen Anführung im Talmud und Midrasch sehr beliebt, bis dies in der Zeit R. Akiba's ins Gegentheil umschlug. Infolgedessen ging diese Schrift ganz verloren; bis auf die wenigen Citate im Talmud und Midrasch war man auf die griechische Uebersetzung angewiesen. Wie durch ein Wunder erwachte das Buch aus tausendjährigem Schlaf, denn seitdem es von Hieronymus im vierten Jahrhundert gesehen und von Saadia im zehnten Jahrhundert erwähnt worden, hörte man von demselben gar nichts mehr. Prof. Schechter in Cambridge, jetzt in London, hatte unter aus Kairo mitgebrachten wissenschaftlichen Schätzen in losen, zerrissenen und vergilbten Handschriften einen Theil des Buches entdeckt, nämlich Kap. 39, V. 15 bis Kap. 49, V. 11 und noch einen Theil des Schlusses; diese Theile sind nun mehrfach gedruckt. Einige Sprüche aus diesem Buche sind für die Tendenz und die Grundanschauung, welche den Verfasser leiteten, charakteristisch. „Die Furcht Gottes ist wie das gesegnete Paradies und über alle Herrlichkeit geht ihr Baldachin" (40, 27). „In der Furcht des Herrn giebt es keinen Mangel und man braucht neben ihr keinen Helfer zu suchen" (40, 20). „Er preist den Gerechten und tadelt den Frevler" (40, 15). „Am Sprößling des Frevlers ist kein Schoß, denn die Wurzel des Ruchlosen stößt auf den spitzen Felsen, doch der Gute wankt ewig nicht und Gerechtigkeit steht ewig fest". „Wein und Lied machen das Herz froh und mehr als beide die Liebe der Freunde. (40, 20) „Mein Sohn lebe nicht von milden Gaben, besser geht es dem, der weggerafft wird, als dem der bettelt. (40, 28) „Dem Munde des Frechen schmeckt das Betteln, allein in seinem Innern wird es wie Feuer brennen." (40, 30) „Das Glück des Lebendigen dauert wenige Tage, die Güte des Namens, Tage ohne Zahl. (41, 13) „Aengstige dich nicht vor dem Tode, deinem Geschicke. Denke an die Früheren, und an die Späteren." (40, 2) An diesen Proben ist zu erkennen, daß es dem Sirach wohl gelungen ist, werthvolle moralische Sentenzen aufzustellen, nicht aber den Ton des Volks- Sprichwortes zu treffen. Das eigentliche Volkssprichwort treffen wir erst im Talmud und im Midrasch. Wie die Männer, deren Wirken und Streben ihrem Volke galt, in diesem lebten, so haben sie auch die Volks-Sprüche in diesen sich hierfür besonders eignenden Riesenwerken aufbewahrt. Die Großen im Talmud verschmähen es nicht, zum Volke als seine Söhne in dessen Sprache zu reden. Die Volkssprüche im Talmud umfassen den gesammten menschlichen Lebenskreis und geben einen Spiegel von Leben und Character jener Zeiten. Die meisten Sprichwörter werden auch als solche bezeichnet oder es heißt: „Wie die Leute sich ausdrücken, wie das Volk zu sagen pflegt." — Im Talmud wird, wie in den Sprüchen Salamos viel Werth auf Kinder-Erziehung gelegt. Im allgemeinen wird wie bei allen orientalischen

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