Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1899)
- Date
- 1899-03-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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WWW8PMWN 433 Völkern das männliche Kind dem weiblichen vorgezogen. „Kommt ein Knabe zur Welt, bringt er gleich seinen Laib Brod mit, ein Mädchen bringt nichts mit." „Eine Tochter bringt dem Vater heimliches Wachen, die Sorge um sie verscheucht den Schlaf." „Ohne Bildung der Jugend geht auch das spätere Geschlecht zu Grund." „Gold muß geschlagen werden und Knaben bedürsen der Zucht und nur so kommt bei Beiden kostbares zu Stande." „Nur Güte mit Strenge vereint, führt zum Ziele." „Von der Feige stammt eine Feige." „Ein Schaf folgt dem anderen, wie die Mutter, handelt auch die Tochter." Zuweilen stammen von schlechten Eltern auch gute Kinder. Dies wird ausgedrückt: „Von den Dornen stammt eine Rose", oder umgekehrt: „Erzeuger die ihresGleichen nicht haben, habenNachkommen, die nur zu sehr ihres Gleichen finden." Der Werth des Umgangs mit Menschen wird charaeterisirt: „Entweder Gesellschaft oder Tod." „Denn Leben heißt zusammen leben." Doch wird ermahnt, im Umgänge richtige Wahl zu treffen. „An den Wänden des Hauses erkennt man, daß ein Köhler darin wohnt." Dagegen: „Es duftet, wer sich einem Salbenhändler nähert." Der Einzelne unterliegt oft sehr dem Einflüsse der Mehrheit: „Mit dem Stengel geht der Kohl zu Grunde. Man soll sich durch Freundlichkeit nicht täuschen lassen, da meist nur Habgier und Selbstsucht die Triebfeder sind. „Hat ein Narsite Dich geküßt, so zähle Deine Zähne." „Hat ein Pumbeditäer Dich begleitet, so änoere Deine Wohnung." „An der Pforte des Ladens giebt es der Freunde und Genossen sehr viele; an der Pforte des Elends giebt es weder Freunde noch Genossen." Man soll vom Freunde auch nicht zu viel verlangen. „Nicht an ihm hangen, wie wenn man mit Wachs angeklebt wäre." „Nur was Du selber trägst, trägt auch er." Schlimm ist es, wenn Freundschaft in ihr Gegentheil umschlägt. „Zweien, die sich hassen, ist die Welt zu eng." Man mische sich nicht in fremde Angelegenheiten. „Es komme der Herr des Weinberges und möge selbst die Dornen ausroden." — Seine Angelegenheiten erzähle man nicht Jedem, „Dein Freund hat einen Freund und jener einen weiteren, bald ist dein Wort dahin gedrungen, wo du es nicht haben willst." Man soll nie eine Gefahr gering schätzen: „Hat auch der Ochs den Kopf in der Krippe, so steige doch aufs Dach und nimm hinter Dir die Leiter weg." Jeden behandle man nach seiner Art: Vor den Weintrinker stelle man Wein, vor den Vegetarier Kräuter." Je geringer die Person, desto mehr Rücksicht nehme man auf sie. „Vor dem Fuchse, wenn er seine Zeit hat, muß man sich auch bücken." Auch gegenüber Verwandten, sei man vorsichtig. „Ist Dein Verwandter Polizei, geh nicht zu oft an ihm vorbei." „Um unparteiisch dazustehen, rügt er bei Dir schon kleine Vergehen." Wenn auch oft das Erzielte zur angewandten Mühe im grellen Mißverhältniß steht, so bleibt der Umschwung doch nicht au». „Nach der Arbeit richtet sich der Erfolg." „Iß tüchtig, so wirst Du es an den Füßen spüren." Mancher wird freilich trotz redlichster Mühe vom Schicksal verfolgt. „Er läuft mit Leiter und Seil und kann nichts verrichten." Hingegen wird, daß Jeder nach Verdienst behandelt wird.ausgedrückt mit: „Nach dem Ochsen ist der Metzger, nach dem Kameel die Last." „Nach dem Garten der Gärtner." Freilich verrichtet oft der Eine die Arbeit, während ein Anderer den Lohn einheimst. „Die Knappen streiten und die Ritter werden als siegreiche Helden gefeiert." „Die Einen haben gegessen und die Anderen müssen das Tischgebet sprechen." Gegen die Gewalt lehnt man sich vergebens auf: „Fällt der Stein auf den Krug, wehe dem Krug, fällt der Krug auf den Stein, wehe dem Krug, so oder so wehe dem Krug." Allein auch die Vergeltung bleibt nicht aus: „Der Pfeilschmied wird oft von seinem eigenen Pfeil getödtet, von seiner Hände Werk wird er bezahlt." „Gar mancher hat sich den Gaumen verbrüht am Brei, den er sich selber eingerührt." Die Frau spielt im Sprichwort auch eine wichtige Rolle. „Jedem die Frau, die er verdient." „Wie der Mann, so die Frau." Der Beruf der Frau ist im Hause, nicht in der OÖffentlichkeit. „Wehe dem Zeitalter, dessen Leiter Frauen sind." Im Hause höre der Mann auf die Stimme der Frau: „Ist Deine Frau klein, so bücke Dich zu ihr herab." „Ehret Eure Frauen, damit Ihr reich werdet." Die Fehler der Frauen werden gegeißelt wie folgt: „Sie liebt den Tand und Flitter", „die 60jährige läuft wie die sechsjährige hinter jeder Musik her." „Selbst bei der ernstesten Angelegenheit vergißt die Frau nicht, auch ihre Person zur Geltung zu bringen." Die vielgeschmähte Schwiegermutter kommt im nachstehenden Spruche gut weg: „Ein alter Mann im Hause, Streit im Hause, eine alte Frau im Hause, Segen im Hause." Weniger galant lautet folgendes:" „Hat ein Hund dich angebellt so gehe hinein, that es eine Hündin, so gehe fort." Ein altes Erbübel scheint das gespannte Verhältniß zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter. Auch die Aerzte gerathen nicht unbedenklich unter die Räder. „Ehre den Arzt, bevor Du seiner bedarfst." „Der beste unter den Aerzten ist für das Gehinom." Die von großem, gründlichen Forschungseifer und lebhafter Liebe zur Sache Zeugniß ablegenden Ausführungen des Redners fanden den ungeteilten Beifall der Hörer.