Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1899)
- Date
- 1899-03-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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418 Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 14. März. Der frühere freisinnige Abgeordnete Ludwig Bamberger ist heute Mittag an den Folgen einer Erkältung, die er sich in den letzten Tagen zugezogen hatte, gestorben. Ludwig Bamberger war am 22. Juni 1823 in Mainz geboren. Er betheiligte sich sehr lebhaft an der Bewegung von 1846, sowie an dem Aufstand in der Pfalz und in Baden im Jahre 1849. Er wurde infolge dessen zum Tode verurtheilt, flüchtete jedoch in das Ausland, von wo er nach der Amnestie von 1866 nach Mainz zurückkehrte. 1868 wurde er in das Zollparlament, 1871 in den Reichstag gewählt. Ursprünglich zur nat.-liberalen Partei gehörig, trat er später mit der Sezession aus der nat.-liberalen Partei aus und machte alsdann die Fusion mit der deutsch-freisinnigen Partei mit. Bei der Gründung der freisinnigen Vereinigung trat er in diese ein. Bamberger war ein hervorragender Publizist, ein ausgezeichneter Kenner der zollpolitischen und Währungsfragen. In das Zollparlament entsandte ihn seine Vaterstadt Mainz, im Reichstag vertrat er zuerst den Wahlkreis Mainz-Oppenheim, später Alzey-Bingen. In seiner Eigenschaft als Jude ist Bamberger niemals hervorgetreten, dagegen mußte er diese seine Stammeszugehörigkeit schwer empfinden, als Bismark sich von den National-Liberalen abwandte. Bamberger war stets sehr wohlthätig, und stets ohne Rücksicht auf das religiöse Bekenntniß; erst dieser Tage hat er der Stadt Wörrstadt eine größere Spende für die Erbauung eines Zeichensaates zukommen lassen. Mansbach, Regbez. Cassel. (Verspätet.) Am pw, den 8. Adar, verschied nach längerem Leiden, im Alter von 74 Jahren, unser allverehrter und unvergeßlicher Lehrer und Cantor Herr Jakob Boley Seit seiner vor vier Jahren aus Gesundheitsrücksichten erfolgten Pensionirung, war es leider dem Verstorbenen nicht vergönnt, sich seiner wohlverdienten Ruhe zu erfreuen. Trotz seiner körperlichen Beschwerden zeigte er stets eine Ruhe und Heiterkeit des Gemüths und nahm an allen Vorgängen in seiner Familie und in hiesiger Gemeinde reges Interesse. In gerechter Würdigung seiner großen Verdienste wurden ihm anläßlich seines, vor zwei Jahren stattgefundenen 50-jährigen Amtsjubiläums vielfache Ehrungen und Anerkennungen zu theil. Unter Leitung des in unserer Heimath rühmlichst bekannten frommen Rabbiners Wetzlar r: in Gudensberg, wurde der Verblichene früh in die Hallen der rabbinischen Wissenschaft eingeführt. Was er auf talmudischem Gebiet geleistet, wie er stets ~abbi -zbb auffaßte und wirklich bethätigte, davon zeugten am besten seine religiösen Vorträge, die er regelmäßig an den Sabbaten in unseren, theils von ihm begründeten gehalten hat. Mit hingebender Liebe hat er sich besonders während seiner 40-jährigen hiesigen AmtSthätigkeit unserer Schule gewidmet und durch ein musterhaftes Lehrgeschick auch große Erfolge erreicht. Von einer seltenen Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue war der Dahingeschiedene erfüllt, da er die Ferien, welche jedem Beamten zur Erholung und Sammlung frischer Kraft dienen sollen, niemals ausnutzte, sondern stets im Interesse seiner Schule und Schüler abkürzte. Seine aufrichtige Frömmigkeit, die Anspruchslosigkeit seines Wesens und seine unbegrenzte Herzensgüte erwarben dem Verstorbenen die Liebe und Hochachtung derer, die das Glück hatten, zu ihm in nähere Beziehung zu treten. Nicht blos dem geistlichen Wohle unserer Gemeinde galt sein Streben, auch Andersgläubigen hat er freudig mit Rath und That zur Seite gestanden. Seine gestaltete sich daher auch zu einer hier nie gesehenen Trauerkundgebung, an welcher sich nicht nur sämmtliche Mitglieder unserer Gemeinde und eine große Zahl auswärtiger Glaubensgenossen, sondern auch seine Nachbarkollegen und viele Nichtjuden unseres Ortes betheiligten. Herr Prov.-Rabbiner Dr. Cahn—Fulda hielt am Grabe eine ergreifende und eindrucksvolle Rede. Er schilderte das Wirken und Schaffen des Entschlafenen als Erzieher, der auf der dornenvollen Bahn des Lehramts stets zufrieden gewesen und es verstanden habe, sich die Anhänglichkeit und Liebe seiner Schüler zu erwerben, sowie seinen reichen Schatz an talmud. Wissen, das er besessen, und seinen guten Namen, den er hinterlassen hat. Redner erwähnte noch, daß der Verstorbene als frommer Mann gelebt und gestorben ist, daß er seinen Schülern nicht nur stets ein Lehrer, sondern auch ein Freund und Vater gewesen und in seinem Leben nur bedacht war, -!vn riib'v: zu üben. Möge der Allgütige seinen trauernden Hinterbliebenen reichen Trost spenden und sie in ihrem Schmerze wieder aufrichten. In unserer Gemeinde und bei Allen, die den Verstorbenen näher gekannt, wird sein Andenken stets in Ehren gehalten werden. Konstanz, 10. März. Von Herrn Dr. L. Hannes, Stadtrabbiner in Konstanz, erhalten wir eine längere Zuschrift, aus der wir folgendes entnehmen: In einem drei Spalten umfassenden Artikel haben Sie in Nr. 19 des „Israelit" Jemanden zu Worte kommen lassen, der sich berufen fühlte, über unsere Gemeinde, über meine Amtswirksamkeit sowie über die Anstalt, aus^der ich hervorgegangen bin, ein öffentliches Urtheil abzugeben. „Durch und durch faul und unhaltbar," mit diesen Worten bezeichnet der Verfasser am Schlüsse seiner Auseinandersetzungen die in unserer Gemeinde herrschenden Zustände. Wir wären versucht, auf das „Geistesproduckt" des Herrn