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Der Israelit · 1899-03-13 · Heft 21 (13.3.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 21 (13.3.1899)
Date
1899-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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MMWWWWWDWWWWWWWWW 404 gewiesen, daß der^Staat von allen diesen Gründungen immer nur die größten Vortheile gehabt hat, daß nur ein kleiner Theil der Dividenden nach dem Auslande abfließt, aber derartige Vernunftgründe verfangen gegen tief eingewurzelte Vorurtheile und Volksleidenschaften nichts. Die Interessen der Gesammtbevölkerung müssen geopfert werden, damit die Schreier der sogenannten Intelligenz nicht den Staat in Gefahr sehen. Das Verhalten unserer Gesellschaft wäre noch einigermaßen begreiflich, wenn sie selbst irgendwelche Initiative offenbarte, das wirtschaftliche Leben in ihre Hand zu nehmen und zu erweitern. Aber dies ist auf keinem Gebiete der Fall. Man sagt, daß Moskau reich an Kapital ist. Aber die Moskauer Kapitalisten sind durch Nichts aus ihrer Schwerfälligkeit zu bringen. Wenn sie nicht Zinshäuser bauen oder Wuchergeschäfte treiben (selbst Millionäre haben unter der Herrschaft des neuen Wuchergesetzes, welches mehr als 12°l0 jährlich verbietet zur gerichtlichen Verantwortung gezogen werden müffen), so kaufen sie Staatspapiere, schlagen aber einen Heidenlärm, wenn einige Ausländer irgendwo eine Fabrik bauen. Es hilft auch wenig, daß die Ausländer, welche in Rußland große Industrieanlagen machen wollen, dadurch die Gemüther zu beschwichtigen suchen, daß sie für ihre Arbeiterschaft eine orthodoxe Kirche bauen, den Geistlichen derselben unterhalten, Schulen anlegen, mit einem Wort in jeder Hinsicht den Beweis liefern, daß sie wirkliche Pioniere der Kultur sind, die russische Gesellschaft fällt wieder sichtbar in ihre Feindschaft gegen das Ausland, in ihre Abschließungsbeftrebungen zurück. Solange in der russischen Gesellschaft noch eine lebhaftere Bewegung für die Gewinnung größerer politischer Freiheiten war, hatte dieselbe eine Beschäftigung. Das innere Leben wurde todt und leer, seitdem unter dem Regime Alexander's Iü., dessen Traditionen sein Sohn Nicolai II. fortsetzt, die Hoffnung schwand, daß die Verhältniffe andere werden könnten. Und so stürzt sich die in allen ihren Idealen getäuschte Gesellschaft auf andere Wege, die Wege des Chauvinismus, welcher in den Regierungskreisen lebhafte Ermunterung erfährt. Rumänien. Bukarest, 27. Febr. In einer Sitzung der Deputirtenkammer ist das Gesetzprojekt über die Bildung, die Aufgaben und die Rechte landwirtschaftlicher Genosienschaften oder Syndikate in dritter Lesung angenommen worden. Die Vorlage will den Zusammenschluß der Jntereffenten des landwirtschaftlichen Klein- und Großbetriebs zum Zwecke der billigen Beschaffung von Saatgut, Zug- und Zuchtvieh, landwirtschaftlicher Geräthe und Maschinen u. s. w., sowie auch zum Zwecke eines vortheilhafteren Verkaufs! der landwirthfchaftlichen Produkte unter Ausschluß von Zwischenhändlern erleichtern. Von den zahlreichen im Laufe der Spezialdebatte eingebrachten Zusatz- und Abänderungsanträgen sind blos zwei von der Kammer angenommene Amendements hervorzuheben. DaS eine bezog sich auf die Streichung der im Projekte vorgesehenen Ermäßigung der Eisenbahnfrachten für die landwirthfchaftlichen Syndikate und kann, außer mit fiskalischen Gründen, auch damit begründet werden, daß durch diese Ermäßigung die bei den Syndikaten nicht betheiligten Landwirthe indirekt benachtheiligt würden. Das zweite bildete ein von Dinu Bratianu eingebrachter Zusatzantrag, daß nur rumänische Bürger Mitglieder der mit dem Rechte juridischer Personen auszustattenden landwirtschaftlichen Syndikate sein können. Der genannte sehr junge Abgeordnete, der außer dem Namen seines Vaters, des früheren, langjährigen Ministerpräsidenten Joan Bratianu, kein Verdienst besitzt, das ihm einen Anspruch auf eine politische Stellung im Lande gewähren könnte, benutzte die Gelegenheit, um sich durch seinen gegen die Fremden und nicht naturalisirten Juden gerichteten Antrag in gew'.ffen chauvinistischen Kreisen populär zu machen. Daß die Majorität diesem Antrag Beifall zollte, beweist, daß die Nationalliberalen als Regierungspartei denselben chauvinistischen Anschauungen huldigen, die sie in der Opposition durch ihren Widerstand gegen die Zulassung von Fremden zum Bergbau und zur Anlage von Privatbahnen, sowie gegen die Ausdehnung des obligatorischen unentgeltlichen Unterrichts auf die Kinder von Fremden, und von einheimischen nicht naturalisirten Juden bethätigt hatten UebrigenS hat Domäneminister Stolojahn aus Aerger darüber, daß die Regierungspartei sein Gesetzproject nicht unverändert angenommen hatte und er auch von Seite der Regierung gegen die Angriffe der Opposition nicht in Schutz genommen wurde, wieder einmal seine Demission gegeben. Feuilleton. —Verkauft. — Eine Erzählung aus Ungarn. 47) Von Samuel B. Rosner. Nachdruck verboten. Moscheh schlief nicht ein. Unabläffig marterte ihn der Gedanke, daß seine Mutter Zauberei übe. Er wußte nicht, was der Gedanke eigentlich wollte, der wie eine zudringliche Drohne immer wiederkehrte, so oft er ihn auch verscheuchen mochte. Plötzlich verlor er die Klarheit der Gedanken. Es war ihm, als

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