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Der Israelit · 1899-03-13 · Heft 21 (13.3.1899) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 21 (13.3.1899)
Date
1899-03-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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405 ob er in einem nebelartigen, gluthheißen Dunst schwimme. Mit einmal wurden in diesem Dunst zwei große rothstrahlende Feuerringe sichtbar, die aus verschiedenen Richtungen vibrirend und sich stets verengend einander immer näher kamen. Im Zentrum, seinem Kopfe, trafen die Feuerringe heiß auf einander, kreuzten sich und entfernten sich, wieder langsam von einander nach entgegengesetzten Richtungen, während sie immer mehr anwuchsen bis sie als große feurige Räder, verschwimmend sich in dem von ihnen röthlich gefärbten Nebel verloren. Doch kaum waren sie verschwunden, als sie wieder deutlich auftauchten und das geschilderte Manöver von vornen anfingen, um es ohne Ende und Unterlaß fortzusetzen. Dieser Zustand entwickelte sich zu einem typhösen Fieber, in welchem Perioden tiefster, apatischer Mattigkeit und wilder Delirien einander ablösten. Nur selten hatte er lichte Momente des Bewußtseins. Von Rüben befragt, äußerte sich der Arzt wenig zuversichtlich. Die schwächliche Constitution des jungen Mannes gebe zu Besorgnissen Anlaß. Und vor Allem dessen krankes, schwaches Herz. „Wenn nur das Herz keinen Schabernak spielt," sagte er in seiner urwüchsigen Weise. Als Schulamit das erste Mal hineinging, um den Kranken zu besuchen, redete er gerade irr und geberdete sich sehr unruhig. Kaum erblickte er jedoch die Eintretende, als eine plötzliche Ruhe über ihn kam. Er starrte sie mit einem Ausdruck scheuer Furcht an und als sie sich neben dem Bette niederließ, da machte er eine Bewegung, als ob er gegen die Wand hin entfliehen wollte. Doch als sie ihn mit weicher Stimme nach seinem Befinden fragte, als ihre Stimme an sein Ohr schlug, da schwand die Furcht aus seinen Mienen und ein milder Schein, wie von den Lichtern süßer, dämmernder Erinnerung herrührend, breitete sich über sein Gesicht aus. Er griff nach ihrer Hand und bewegte die Lippen zu einem unhörbaren Flüstern. Sie neigte das Ohr zu ihm hin und er flüsterte lauter, indem seine Augen noch heller strahlten: „Du bist meine Braut, meine ewige Braut. Hörst Du meine ewige Braut. . . Hab' keine Angst. . . . E — wige — Braut —" Und dann lachte er leise eigenthümtich, während sich seine Züge tiefschmerzlich verzogen.-- Am vierzehnten Tage nach der Erkrankung Moscheh's trat die Entscheidung ein und brachte die Wendung zum Bessern. Er war zwar sehr entkräftet, aber das Fieber hörte auf und nach einigen Tagen konnte er auch schon das Bett verlassen. Vor der Thüre lockte und lachte die prächtigste Maisonne und Moscheh verbrachte manche Stunde draußen auf dem kleinen Bänkchen sitzend. Aber auch die warme Sonne vermochte nicht rechtste bleichen. eingefallenen Wangen des Reconvaleszenten röther zu färben. Während der Krankheit Moscheh's war der Gedanke an jenen nächtlichen Besuch Mirjams und seine verhängnisvollen Folgen bei Rüben fast ganz zurückgetreten. In dem Maße, als der Kranke wieder gesund wurde, drängte sich jener Gedanke mehr und mehr in den Vordergrund. Dinah hatte die Vorgänge jenes Abends mit keiner Silbe noch erwähnt. Das, was damals geschehen, erschien ihr so unfaßbar, so unglaublich, daß es ihr nicht einsiel, als ob daraus irgendwelche Folgen entstehen könnten. Allmählich machte auch bei Rüben die Zeit ihre abschwächende Wirkung geltend. Von dem abnormen Seelcnzustande jenes Tages befreit, konnte auch er es nicht mehr verstehen, wieso er sich damals von seiner Angst so weit konnte Hinreißen lassen. Er konnte jetzt darüber ruhiger Nachdenken und je mehr er dies that, um so mehr schwand sein verzweifelter Kummer über das Unglück, welches sein sinnloses Gelöbniß über sein Kind verhängt hatte. Konnte seinem damals gegebenen Worte irgendwelcher Werth beigelegt werden? Stand das, was er damals gelobte, überhaupt in seiner Macht? Und gesetzt, es stand in seiner Macht — gab cs ein göttliches oder menschliches Gesetz, welches ihn zur Erfüllung seines ihm in einem unzurechnungsfähigen Zustande erpreßten Wortes verhalten könnte? Ruhig und besonnen faßte er seine Beschlüsse. Er wollte Schulamit Alles bekennen und dann soll sie selbst die Entscheidung trcssen. Keine abergläubische Furcht soll die Freiheit und Unabhängigkeit ihres Willens beeinträchtigen. Will sie sein Wort einlösen, so wird er sich dem nicht entgegenstellen. Wo aber nicht, dann wird er hingehen und einem Collegium vor drei ehrwürdigen Männern sein Anliegen vortragen, damit sie ihn seines in unfreienlZustande gegebenen Wortes entbinden! Dieser Entschluß wirkte erlösend auf Rüben und befreite ihn auch von dem tiefen Haß, der in ihm gegen Mirjam und ihren Sohn Wurzel gefaßt hatte und der selbst vor der schweren Erkrankung de« Letzteren nicht gewichen war. Er wartete bloß auf eine Gelegenheit, um Schulamit von dem, was geschehen war, Mittheilung zu machen. So war der Lag-Boaumertag heraugekommen. Als ob es auch die Natur geahnt hätte, daß an diesem Tage der dunkle Schleier sich lüftet, der für den jüdischen Menschen diese Zeit umdämmcrt, übergoß sie diesen Tag mit einer märchenhaften Pracht. Moscheh saß auf dem Bänkchen vor dem Hause und weidete sein Auge an der sonnigen Herrlichkeit, die ihn umgab. Da gesellte sich Schulamit zu ihm. Das Mitleid hatte sie ihm wieder näher gebracht. Sie erkundigte sich theilnehmend, wie es ihm gehe und er

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