Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1899)
- Date
- 1899-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Z t'. 402 lungsgehilfenverbandes, Ortsgruppe Heilbronn, seien. Die Strafkammer trat dieser Anschauung bei, gewährte jedoch in Anbetracht des jngentlichen Alters der Angeklagten mildernde Umstände. Rexirrgen b. H. Dieser Tage starb hier der Senior der Gemeinde, Jesaias Levi, einer der beliebtesten und geachtetsten Bürger, Rerigens. Der merkwürdige Mann hat ein Alter von nahe 86 Jahren erreicht und war bis vor wenigen Tagen körperlich und geistig frisch und rüstig. Er interessierte sich lebhaft für die Angelegenheiten der politischen wie der Kirchengemeinde, las noch mit Eifer die Tagespreste und zitierte im täglichen Gespräch seinen Schiller und Heine. Er besaß eine auf dem Lande seltene Bildung und Belesenheit. In seiner Jugend kam er als „wandernder Geselle" nnch Karlsruhe. Baden-Baden, Heidelberg, Würzburg :c., wo er als ehrsamer Handwerker arbeitete. Es gelang ihm jedoch nicht, in eine „Zunft" ausgenommen zu werden, denn sein Name war zu biblisch. So zog er denn wieder nach seiner Heimat wo er lange Jahre sein Gewerbe betrieb, bis er sich später ganz der Landwirthschaft widmete. Darin fühlte er sich glücklich. Ein Sohn des Verstorbenen ist der Chef der Großfirma Levi und Kocherthaler in Madrid und Barcelona und Ritter des Militärverdienstkreuzes 1. Kl., ein zweiter Sohn ist Direktor in Barcelona, ein dritter Mitinhaber eines großen Newyorker Hauses, einer ist Lehrer und Prediger in Hechingen, die Tochter an Hauptlehrer Graf in Esten verheiratet, während der älteste Sohn die Pflege des Vaters im Elternhause übernahm. Das Begräbnis gestaltete sich zu einer großen Trauerkundgebung der katholischen und israelitischen Bevölkerung Rexingens und der Umgegend. Die Armen beider Konfessionen wurden zum ehrenden Andenken des Entschlafenen mit namhaften Gaben bedacht. Am Grabe schilderte Herr Lehrer Ascher mit bewegten Worten die Bedeutung und den Lebensgang des seltenen Mannes. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pretzburg, 6. März. Sr. Ehrwürden, der Herr Oberrabbiner und Director der hiesigen, mit dem Otffentlichkeiisrechte ausgestatteten „Jeschibah" (Rabbinatsschule) hat seinen Sohn, den diplom. Rabbiner, Herrn Akiba Schreiber, zum Director- Stellvertreter dieser Lehranstalt ernannt und im Wege der jüdischen-orthodoxen Landeskanzlei der hohen kgl. Regierung zur Anmeldung gebracht. Das kgl. Cultus- und Unterrichts-Ministerium hat diesen Akt der Ernennung zustimmend zur Kenntniß genommen und laut Zuschrift an die genannte Kanzlei sub Z. 3094/99 dto. 13. Januar l. Js., den Preßburger kgl. Schuliuspector, der gleichzeitig Ministerial-Commistär der hiesigen „Jeschibah" ist, amtlich verständigt, daß die vom neuernannten Director-Stellvertreter Unterzeichneten Zeugniste gesetzliche Giltigkeit haben. Sr. Ehrwürden, Herr Aklba Schreiber, ein nach jeder Beziehung hin talentirter Mann, steht wohl noch im jugendlichen Alter, ist aber ein, den Anforderungen der Gegenwart entsprechender fein gebildeter, tüchtiger Talmudist, durch seine Liebenswürdigkeit, bescheidenes und sicheres Auftreten, allerseits geachtet, daher vollkommen würdig, seinem hochgeschätzten Vater -ir^np-r t-s* ^;n pxn rirr rrcx in der Leitung und Führung der bestens berühmten Preßburger hilfreich und unterstützend zur Seite zu stehen. Wir können nicht umhin, dem ehrw. Herrn Oberrabbiner zur wohlqetroffenen Wahl einen herzlichen “rc und dem Herrn Stellvertreter ein psrn prn zuzurufen. Prag, 28. Febr. Hierselbst verstarb Anfangs dieses Monats Herr Jsaias Lampl im vollendeten 80. Lebensjahre. Mit ihm wurde ein Godol be Jisroel in die kühle Erde gesenkt. Sein ganzes Leben zeugte von einer seltenen Frömmigkeit, welche zu bethätigen er nicht Kosten scheute. Niemand hätte in diesem einfachen Hausirer eine solche Gelehrtheit und solches Misten vermuthet. In seiner Vaterstadt Neustraschitz, wo noch bis vor 6 Jahren eine Schiur- Chewra bestand und wo jeden Samstag Nachmittag Gemarah sammt Commentaren vorgetragen wurde, war er einer der Hauptvortragenden und gern Gehörten. Obwohl die ganze Woche mit dem Erwerb seines täglichen Brotes beschäftigt und geplagt, versammelte er an Samstagen nach dem Gottesdienst die jüdische männliche Jugend und unterrichtete sie in der Thora, ohne je ein Entgelt zu beanspruchen oder zu erhalten. Er bekleidete in Neustraschitz viele Jahre das Amt der israelitischen Matrikenführung, ließ sich aber nie für Ausfolgung eines Auszuges, eines Zeugnisses oder einer Eintragung zahlen, vielmehr bestritt er, obwohl selbst nicht glänzend situirt, aus eigener Tasche Papier und nicht selten auch Stempelgebühr. Nur derjenige, der, wie der Gefertigte, mit dem Verewigten mehrere Jahre verkehrte, weiß seine hohen Tugenden, seine Gelehrsamkeit und besonders seine Friedensliebe zu würdigen. Vor ö Jahren übersiedclte er hierher, weildie früher orthodorjüdische Gemeinde Neustraschitz sich der fortschrittlichen Richtung zuneigte. Aber selbst in dieser kurzen Zeit seines Aufenthaltes in Prag erkannte man den Werth dieses seltenen Mannes; das bezeugte die starke und auserwählte Betheiligung an seinem Leichenbegängniß, das Freitag, den 3. d. M. stattfand. Zu demselben erschienen fast sämmtliche Rabbiner, Prediger und Talmud-Gelehrte Prags, Schriftsteller Herr S. Kohn, der größte Theil der Gemeidemitglieder aus Neustraschitz und viele seiner Freunde und Verehrer, die ihn Alle bis zum Grabe geleiteten.