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Der Israelit · 1899-03-13 · Heft 21 (13.3.1899) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 21 (13.3.1899)
Date
1899-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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^•'WWWP^JlU ,'J MAMWWWWWPWWW 400 Gerade so ging es (dem jüdischen Volke, als der Sirenengesang der Toleranz es aus seinem Ghetto lockte. In ein Nichts zerstoben da die Erfahrungen einer 3000-jährigen Geschichte, einer Geschichte, welche selbst dem Widerspenstigsten geradezu das Bekenntniß aufzwingen muß, daß das “S als Bedingung dessen Gott unseren Vater Abraham ausersah, für seinen hohen Beruf noch heute Gottes Segen auf uns legt und noch heute den Juden als Äbrahamiden dastehen läßt, inmitten der Andersgläubigen. Nicht schnell genug konnten die Fesseln der jüdischen Lehre abgeworfen werden, mit Leichtigkeit wurde jedes Hinderniß genommen, um in blinder Jagd dem Eichhörnchen nachzujagen. Doch steh, das Unglück schreitet schnell! Glücklich entmischte die Beute, und als der Jäger erwünscht den Rückweg antreten wollte, da waren die Spuren seines Fußes verweht. So fand der Jude den Weg hinaus aus dem engen Gäßchen des Ghettos mit ihrer Aermlichkeit nach außen und der Liebe im Innern. Immer weiter entfernte er sich von dem trauten Heim seiner Väter, bis er sah, daß er einem Phantom nachgerast war, bis sich ihm drohende Fäuste entgegenftreckten, aus Neid genährter Haß — die erbärmlichste Spezies dieser Untugend — ein donnerndes Halt rief. Jetzt endlich kam der Fahnenflüchtling zur Besinnung, doch nun gab es kein Zurück mehr. Auserzogen im nichtjüdischen Geiste und entfremdet der jüd- Lehre, mußte ihm das religiös jüd. Leben ein Buch mit sieben Siegeln bleiben, wo er sich weigert, die Gesetze des Judenthums praktisch auszuüben, und so blieb nichts anderes übrig, als Pläne unter Jgnorirung unser heiligen Thora zu schmieden, und das einzig folgerichtige Facit dieser Pläne mußte sein und wurde es auch: der Zionismus. Und gerade deßhalb, weil die Erkenntniß der Zionisten nur eine halbe ist, sie sich wohl aufschwingen vom Geburtsschein-Juden zum National-Juden, jedoch den wahren Lehenskeim unsere- Volkes, welcher wurzelt in der felsenfesten Ueberzeugnng an die Göttlichkeit der jüd. Lehre, als eine Privatsache des Einzelnen betrachten, gerade darum müssen wir gesetzestreuen Juden uns von dieser Bewegung fernhalten. Wem haben wir Juden es überhaupt zu verdanken, daß wir noch da sind und nicht längst unterlegen der erdrückenden Last unseres politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Geschickes? Vielleicht jenen, die das verachteten, wofür ihre Väter ihr und ihrer Kinder äußeres Lebensglück opferten? Jawohl wir haben gekämpft, wir haben es bewiesen, daß Muth, Tapferkeit und eiserne Willenskraft in unserer Brust wohnen; war doch die Krone der Tapferkeit, die Selbstüberwindung, im jüdischen Kreise zum „Volkscharakter" geworden, als in den Jahrhunderten des finsteren Mittelalters unsere Urahnen den herben Golusbecher bis zur Neige leerten. Auch uns schmerzt es tief, zu wisien, daß noch 9/10 des jüd. Volkes durch Ausnahmegesetze in der Entfaltung der in ihm wohnenden Kräfte künstlich gehemmt wird. Aber es hat schlimmere Zeiten gegeben, als die jetzigen, und diese Zeiten haben nicht allein dem jüd. Volkskörper keine Wunden zugefügt, sondern ihn gekräftigt. Jahrhunderte lang erhellte nicht der geringste Lichtstrahl das Dunkel unseres Elends; nur ein grenzenloses Gottvertrauen durfte da hoffen auf eine einstmalige Wendung zum Befferen. Damals war der Jude niedriger wie das Thier geachtet, recht- und schutzlos mit Leben und Gut der Willkür seiner Peiniger preisgegeben; heute aber sieht seine Umgebung doch in ihm den Menschen, der als solcher die Wohlthat der Gesetze genießt. Deshalb kann ein Rückblick auch nur die Veranlassung geben zur Dankbarkeit Gott gegenüber für das Erreichte und darin bestärken, die altbewährte Praxis weiter zu beachten, welche lehrt, die strenge Befolgung der jüd. Gesetze und die Ueberlaffung des äußeren Geschickes einer höheren Hand. Man sagt freilich: „Wir sind im Zeitalter der Nationalitätenfrage. Das kleine Griechenland hat sich befreit aus der Klaue des mächtigen Türken, das magyarische Volk hat sich selbstständig gemacht und das Czechische will sich losreißen. Machen wir es ihnen nach!" Das ist ja theoretisch ganz schön gesagt, aber practisch zeigt sich sofort ein gewaltiger Unterschied dadurch, daß diese Völker von vorherein auf der heimatlichen Scholle saßen, und wir doch erst eindringen müßten in das Land unserer Wünsche, — und da macht uns bereits jetzt der Türke die Thüre zu. Freilich, wenn die Schwierigkeit des Werkes allein der Grund, uns abzuschrecken, wäre, dann dürfte — solange noch ein Schimmer von Hoffnung vorhanden, nichts unversucht bleiben, das Werk auszuführen, denn es gälte — um mit den Zionisten zu sprechen — ein sehr intelligentes Volk vor Verkümmerung durch den aus ihm lastenden Druck für die Kultur der Menschheit zu reiten und so die Tragödie des ewigen Juden zu beenden; und da giebt es wirklich nur eine Lösung, welche lautet: „Palästina." Aber die jüdischen Verhältnisse sind mit anderen Maßen zu messen, wie die üblichen. Unseren Handlungen gibt das Buch der Bücher die Richtschnur, und schlägt man darin jenen Theil auf, worin dem Volke Israel seine Zukunft vorausgesagt, wird, das heißt es: „t^z rx -X7 zpr \r.nz rx war. *“Z-X pNIT TZ7X CmZX TT'Z DX?X7 pHST." In drei aufeinander folgende Perioden theilt sich das Golus ein, die erste gleichend dem Lebensgange unseres Stammvaters Jacob, die zweite dem Isaak und die dritte dem Abraham, dann erst paro

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