Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1899)
- Date
- 1899-03-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Xli. Jahrgang. M «L Ein er Israelit GenLrat-Hrgan für das orlhodore Iudenthum. Begründet von Dr ITelmann in Alain}. montaa, de« 13. März 5659 (1899). Leitender Artikel. Der 31onlsinus unö fein DrrhSItiliß »um sesetzestreuen 3uöenttmm.^; Von Saly Geis, Frankfurt a. M. langsam verschwindet der feurig-goldene Sonnenball am Himmelszelt; leise, unhörbar leise, ziehen die Trabanten der Nacht herbei, wie stiller Abendfriede nach dem Kampfe des Tages senkt's sich nieder auf das menschliche Herz. Leise, ganz leise, als fürchte er die Ruhe zu stören, legt der Arbeiter, legt der Handwerksmann sein Werkzeug hin und leise, ganz leise entgleitet auch der schreibenden Hand des Kaufmanns und des Beamten die geschäftige Feder. Ein Jeder träumt, auch ich — auch ich gebe mich bin meinen Gedanken. Doch heute bleiben diese nicht basten an den bundscheckigen Ergebnissen des verscheidenden Tages und gar bald verweben sie sich inniglich mit den Schicksalsfäden meines Volkes. Was ist es, das mich in seinem Banner gefangen hält? Leuchtest Du, vielthnrmiges Zion, — *) Ta in der vergangenen Wache ein Herr Dr. Kahn aus Wien eine Ziouistenversammlung in Berlin abhielt, die in den Blättern unter der Vorgabe ansgeschrieben wurde, daß das Hauptthema „der Zionismus und das geseßesrreue Iudenthum" sei, während der Redner in nur wenigen Minuten zusammendrängte, was er über das Verhältniß des strenggläubigen JudenthumS zu dieser Richtung zu sagen wußte, im Nebrigen aber nur in der sattsam bekannten Manier für den Zionismus Propaganda machte, so halten wir es für notbwendig, unseren Standpunkt wieder einmal nach dieser Seite hin zu präcisiren; es geschieht dies in obiger Darstellung in vorzüglicher Weise. Red. d. „Isr." einst das Strebeziel der zum Fest eilenden Kinder Jacobs — mit Hellem Diademenglanz so freundlich und verheißungsvoll zu mir hinüber? Oder ist es jenes Zion, das — Gott gebe es bald — wieder auferftehen wird in tausendfach schönerem Gewande s Ach nein, nicht das Zion, welches auferstehen wird, sondern das Zion, welches viele meiner Brüder erwecken möchten, beschäftigt mich eben. Meine Lieben! ich will Euch ein Märchen erzählen; Märchen haben oft einen tiefen Sinn und lasten in ihrem phantastischen, die Aufmerksamkeit erregenden Gewände ihre Lehren leichter eindringen in das menschliche Herz, wie die begeistertsten Moralpredigten; höret also zu! „Weit entfernt von der Welt draußen, im Innern eines großen Waldes lebte einst ein Köhler. Sein Beruf war schwer und sein Brot kläglich. Trotzdem fühlte er sich unendlich glücklich, denn er hatte ein liebes Kind und so doppelten Ersatz für all' die Freuden, welche das Getriebe der Menschen bietet. Leider mußte er das Kind oft ohne Aufsicht zu Hause lasten. Jedesmal ging er mit schwerem Herzen fort und jedesmal Dürfte er seinem Liebling von neuem ein, sich auf keinen Fall zu entfernen. Da geschah es eines Tages, als es wieder sehnsüchtig durchs Fenster schaute, daß ein Eichhörnchen herbeigehüpst kam und ihm zuwinkte. Sofort war das Gebot des Vaters vergessen und unser Kind lief dem Eichhörnchen nach immer tiefer in das Dickicht hinein. Keiner der mit schimmelig-grünem Wasser angesüllten Waldgräben war zu tief und keine der ihre knorrigen Acste hoch in bte Lust streckenden Wurzeln zu hoch, um dem Kinde halt zu gebieten. Aber plötzlich verschwand das Eichhörnchen; das Kind stand mutterseelenallein in dem finsteren Walde, — und in der armseligen Köhlerhütte schrie ein Vater auf, als er sein Liebstes nicht mehr oorfand. Und noch heule sucht der Vater nach seinen: Kinde und das Kind nach seinem Vater."