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Der Israelit · 1899-03-09 · Heft 20 (9.3.1899) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 20 (9.3.1899)
Date
1899-03-09
Page
– (sequence 19)
Language
German
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889 Uebersetzen — sowohl hinsichtlich der Aneignung als des Verständnisses, daß man behaupten könne, ein wirklich geistbildendcs Uebersetzen sei von grammat. Einsicht bedingt. Der hebräische Grammat -Unterricht habe daher eine ideelle, ganz besonders aber auch eine sachliche Bedeutung als Hilfsmittel für das Lesen und Übersetzen. Ref. entscheidet sich für den anlehnenden Gram.- Unterricht im Anschluß an das Uebersetzen, insoweit sich derselbe aus diesem ungezwungen ergiebt und für das richtige Lesen und Uebersetzen unbedingt nothwendig erscheint. Aufgabe des Religions-Unterrichts sei es weniger, viel abstraktes Wiffen zu vermitteln, als viel mehr dem werdenden Menschen derartige konkrete Kenntnisse einzupflanzen, die sich bei entsprechender Charakter- und Willensbildung in die That umsetzen. Ueberzeugungstreue, fromme Glaubensbrüder ließen sich auch ohne weitläufigen Gram.-Unterricht erziehen. Was Lehrgang und Lehrstoff anlange, so halte man sich soweit als thunlich an den Gang des deutschen Sprachunterrichts. Wie hier mit Sprachübungen begonnen werde, so diene als erstes Sprachobjekt im Hebräischen die 11W2, von denen jedes Kind aus religösem Hause einige Kenntniß milbringe. Hier sei berichtigend einzugreifen und beim Memoriren auf richtige Betonung und Aussprache zu dringen. Zur Förderung des Verständnisses übersetze man die r,2-i2 mit den Kleinen. Dies geschehe schon vor der Kenntniß des hebräischen Lesens, mit dem erst in der zweiten Hälfte des ersten Schuljahres begonnen werden solle. Im zweiten Schuljahre beginne das Uebersetzen aus der r6*cr. Nun trenne sich der gram. Unterricht in zwei Wege. In eigener Leseübungsstunde sollen die grammat. Regeln entwickelt und eingeübt werden, wie Schewa, Dagesch, Buchstabenwort nte und ^0, sowie das Elementarste der verbindenden und trennenden rttyss Im Uebersetzen finden nun die rein sprachlichen Theile des Gram-Unterrichts ihre entsprechende Stelle. Es genüge die Sicherheit im Gebrauch der v' 2 '2, Kenntniß von 9 *3 *3 des Artikels, der Mehrzahlendung und richtige Uebersetzung der besitzanzeigenden Fürwörter. In der Mittelklaffe erweitern sich die grammat. Begriffe um die Kenntniß der Dualisform, des Status construetus, des Hauptwortes in Beziehung zum Eigenschastsworte, des hinweisenden Fürworts und des persönlichen Fürworts in Verbindung mit dem Partizip. Die Schüler werden befähigt, 12p und "iw der äußeren Form nach zu unterscheiden und gelangen zur Erkenntniß der Bedeutung der diesbezüglichen „Bedienungsbuchstaben" am Anfänge und Ende des Zeitwortes. In der Oberklasse werde der gesammte Stoff wiederholt und einigermaßen in ein System gebracht. Vorhandene Lücken werden ausgefüllt, beispielsweise die Suffixe als Ergänzungen, beim Eigenschaftsworte und hinweisenden Fürwort die syntaktische Bedeutung der Wortfolge und dgl. mehr. Der hp des regelmäßigen Zeitworts müffe nur vollständig und gründlich geübt und eingeprägt werden. Die Stoffauswahl erfolgt immer in konzentrischen Kreisen. Nach Erledigung des seien die übrigen Formen nur äußerlich, nach den unterscheidenden Merkmalen zu betrachten. Für die Stoffauswahl stellt Referent folgende Grundsätze auf: Der Stoff des grammat. Unterrichts wird durch das beim Lesen und Uebersetzen sich ergebende Bedürfniß bestimmt. Auf Aneignung eines gewissen Wortschatzes ist von vornherein Bedacht zu nehmen. Die Wurzelbeftimmung der Worte ist von wesentlicher Wichtigkeit. Im allgemeinen ist der grammat. Lehrstoff zu beschränken. Redner empfiehlt noch, übersetzte Abschnitte in deutscher Uebertragung niederschreiben zu lassen und hält das Nachbilden der jüd. Druckbuchstaben namentlich zur Fixirung der Synonima für werthvoll. An der sich anschließenden Debatte betheiligten sich auch die Herren Distriktsrabbiner Dr. Stein— Schweinfurt, Dr. Bamberger—Burgpreppach und Dr. Kohn—Ansbach, deren Ausführungen in der Forderung gipfelten, daß der Lehrer vor allem ein lautrichtiges accentuirtes Lesen erzielen müffe. Insbesondere gebe der als Kantor fungirende Lehrer durch einen mustergiltigen Vortrag ein nachahmungswertheS Beispiel. Um hierzu befähigt zu sein, müsse in den Lehrerbildungsanstalten der Grün) gelegt werden. Eine diesbezügliche Resolution fand einstimmige Annahme. Herr Präparanden-Hauptlehrer Eschwege—Höchberg erstattete nun Namens der Revisionskommission den Revisionsbericht über die Rechnung pro 1897. Diese gab zu keiner Erinnerung Anlaß, den Antrag, dem Kassier Herrn Dr. Braunschweiger—Würzburg, unter dem Ausdrucke des Dankes-Decharge zu ertheilen, wurde stattgegeben. Aus dem erstatteten Geschäftsberichte führen wir an: Der Verein zählt 156 ordentliche und 630 außerordentliche Mitglieder. Ein ordentliches Mitglied, Herr Schuldirektor Blum—Würzburg, verloren wir durch den Tod. Dem treuen Mitgliede und Mitbegründer des Vereins widmete s. Z. der Vorsitzende am Grabe ehrende Worte des Nachrufes. Auch die Versammlung ehrte das Andenken des Hingeschiedenen durch Erheben von den Sitzen. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf ca. 45 000 Mk. Auf Unterstützungen an 4 dienstunfähige Lehrer und 17 Wittwen mit 14 Waisen wurden 2375 Mk. verwendet.

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