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Der Israelit · 1899-03-06 · Heft 19 (6.3.1899) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 19 (6.3.1899)
Date
1899-03-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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364 ZettuugSnachrlchteu «uv Correspondenzeu Deutschland. Berlin, 3. März. In der Frage der jüdischen Lehrerinnen hat, der „Freis. Ztg." zufolge, das Provinzial-Schulkollegium der Berliner städtischen Schuldeputation nunmehr mitgetheilt, daß es vom Kultusminister beauftragt worden sei, weitere Maßregeln mit der städtischen Schuldeputation zu vereinbaren. ES sollte zu dem Zwecke am Dienstag den 28. Febr. eine kommissarische Berathung in Aussicht genommen sein. In dem Bescheide des Ministers heißt es: „Die Vorstellung der hiesigen städtischen Schuldeputation vom 10. November vorigen Jahres hat mir Veranlassung zu erneuter Prüfung der Vorgänge gegeben, welche zu meiner Verfügung vom 27. Dez. 1895 geführt haben. Ich habe aber keinen Grund zu einer Zurücknahme oder auch nur zu einer Abänderung der Verfügung finden können. Sie gründet sich auf die Vorschriften des Artikels 24 der preußischen Verfassungsurkunde, nach welcher bei Errichtung der öffentlichen Volksschulen die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen sind. Der Verfassung entspricht es nicht, wenn für eine Klasse, die von Kindern nur einer Konfession besucht wird, ein Lehrer oder eine Lehrerin anderen Glaubens als Erzieher bestellt wird. Es hat mir aber die Absicht fern gelegen, ältere und in langjähriger treuer Ausübung des Ordinariats bewährte Lehrpersonen plötzlich daraus zu entfernen, und ihnen damit rücksichtslos unverdiente persönliche Nachtheile zuzufügen. Wenn dies gleichwohl geschehen, und dadurch eine erklärliche Bitterkeit erregt worden ist, so liegt das nur an der Art und Weise, in welcher meine Verfügung vom 27. Dezember 1895 zur Ausführung gekommen ist. Es hätte der städtischen Schuldeputation nicht schwer werden können, die jüdischen Lehrerinnen, welche ihr Ordinariat um deswillen nicht mehr behalten durften, weil in ihren Klassen Kinder ihrer Religion überhaupt nicht oder nur ganz vereinzelt vorhanden waren, an eine andere Gemeindeschule oder Klasse zu versetzen, in der mindestens so viel jüdische Schulkinder waren, daß sie dort ein Ordinariat erhalten konnten, oder wenn das nicht der Fall war, doch ihre Verwendung außerhalb desselben nicht auffällig und für die betheiligten Lehrerinnen verletzend erschien. Ich wünsche, daß bei weiterer Ausführung meiner in Rede stehenden Verfügung insbesondere ältere Lehrpersonen geschont werden. Es handelt sich hierbei lediglich um rein sachliche, im Interesse der Schule liegende UnterrichtSeinrichtungen, bei denen jüdische Lehrpersonen den gleichen Anspruch auf gerechte und billige Rücksichtnahme haben, wie sie anderen in vorwrurfsfreie Pflichterfüllung bewährten Lehrern und Lehrerinnen schon im Interesse der Schule und des für eine gedeihliche Lehrwirksamkeit erforderlichen Ansehens gezollt werden muß." — Der Kultus - Minister sucht also die Hauptschuld jetzt auf die Schuldeputation abzuwälzen. Er kann sich damit aber nicht entlasten, am wenigsten durch den von ihm vorgeschtagenen Ausweg. Was ist das für eine pädagogische Auffassung, nach der die Lehrerinnen von Klasse zu Klasse und von Schule zu Schule wandern sollen? Daraus würden sich doch ganz unhaltbare Zustände ergeben. Amerika.? Liverpool. Der große Bazar, der hier zum Besten der Hebrew Charetirs gehalten wurde, hat die Erwartungen seiner Veranstalter noch weit übertroffen. Man batte ja nur auf b00 000 Mk. gerechnet, es sind aber 85 000 Mk. eingekommen. Auch das christliche Publikum hat viel Antheil an der Veranstaltung genommen und besonders der Lord Mayor und Mr. Ralhbone, die am ersten, resp. zweiten Tage die Ausstellung eröffneten, hielten sehr sympathische Reden. Ter letzte geb in warmen Worten dem Schmerze Ausdruck, der die englischen Christen befiele bei dem Gedanken an die Verfolgungen, denen die Juden ans dem Continent ausgcfitzt seien. Die Ausstellung und der Bazar waren ein großer Erfolg sowohl materiell, wie ideell. Feuilleton. —verkauft. Eine Erzählung aus Ungarn. 45) Von Samuel B. Rosuer. Nachdruck verboten- Als Nuben wieder allein war, nahm er noch einmal den Brief vor und versenkte sich grübelnd in seinen Inhalt. Und je mehr er sich mit ihm beschäftigte, um so mehr Nahrung fand er in ihm für seine Besorgniß. Warum wurde nicht genau der Tag der Reise angegeben? Die Bestimmung des Tages wurde für ein späteres Schreiben Vorbehalten. Die Frau Professor wiederholte es einigemale, daß man ja einen guten Wagen und kein gewöhnlichcs Bauerngefährte zur Bahn schicken möge. Bedurfte es eines klareren Beweises, daß Schulamit krank sei, und daß man ihm das verhüllt andeuten wollte? .... Im Laufe des Tages dachte er einigemale daran, sich durch eine telegraphische Anfrage Gewißheit zu verschaffen, unterließ das aber schließlich dennoch. Wozu? Man wird ihm ja doch nicht die Wahrheit mittheilen.

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