Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1899)
- Date
- 1899-03-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448972--47843-2498213- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XL. Jahrgang. rilage zu M19 -es „Jsnwltt“. -'JilMiaW-'lMi!'.l«-iJLl'-L!LL^-LJ^--Ugy-™-...1!.;,1 3g-J-J.L,’L-L^J Leitender Artikel. Die (Lhukiin. Eine Peßachfest Betrachtung. Von Rabbiner Dr. B. FriedrnaMt, Berlin. Das Peßachfest mit seinen zahlreichen Vorschriften und Symbolen regt, wie kaum ein anderes Fest, die Jugend zu religiösen Fragen an. Ja, es scheint säst, daß es die Thora mit der Häufung von religiösen Symbolen an diesem Feste und namenllich an den beiden Abenden daraus abgesehen Hobe, daß die Jugend Israels zu religiösen Fragen angeregt werde. Solcher Fragen formulirt der Verfaster unserer m;n verschiedene. Wir aber wollen uns in dem begrenzten Raume dieser Blätter nur mit der Frage des L-n, des weisen Denkers und der Antwort beschäftigen, die ihin zu Tyeil wird. Diese Frage lautet also: cmx “rp^x m; “trx c'BEBW cpinn: myn ne:. „Was bedeuten die Feugmsse und die Satzungen und die Rechte, die der Ewige, unser Gott euch geboten hat?" Und die Antwort: foijycx rccn nnx ("rece px. „Es dürfe nach dem Genuß des Peßachopfers kein Nachtisch genommen werden." Schon die Frage ist dunkel gehalten, geradezu räthselhaft aber klingt die Antwort. Ich habe darüber nachgedacht, und möchte das Ergebnis meines Nachdenkens den Lesern des „Israelit" nicht vorenthalten. Wir unterscheiden in unserer Thora dreierlei Gottesgebote: L'pn ,rrr$ .D’aetpe. Zunächst c'srctrc die Gesetze der Gerechtigkeit und Billigkeit. Und welche Gerechtigkeit, welche Billigkeit? Jene Gerechtigkeit, die nicht Halt macht vor dem Fremden, dem Ausländer, dem Andersgläubigen, die da gebietet: „Einerlei Weisung und einerlei Recht sei für euch alle, für den Fremdling wie für den Eingesessenen des Landes", nnd jene Billigkeit, die gebietet: „Liebe den Fremdling, denn fremd warst auch du im Lande Mizrajim", jene Gerechtigkeit, die Gott sprechen läßt: „Fremdlinge bedrücke nicht, Wittwen und Waisen kränke nicht; denn wenn sie in ihrem Herzeleid aufschreiend zu mir ausblicken, dann erhöre ich sie, weil ich gnädig und barmherzig bin." Nebst ü'Lvpv enthält unsere Thora nny Zeugnisse, die an einzelne Ereignisse der Geschichte Israelanknüpfend, Zeugniß oblegen von der unendlichen Liebe und Treue Gottes zu Israel, Zeugnisse von der Allgüte und Allbarmherzigkeit Gottes, die in Gestalt von Buß- und Feiertagen an uns herantreten, uns belehren und erheben, erbauen und veredeln. Das größte aber dieser geschichtlichen Zeugnisse, das hervorragendste dieser historischen Denkmäler ist das Peßachfest, das uns an die wundervollste Erlösung eine» Volke« erinnert, die je stattgefunden hat. xa*? v'pbn nwn ix *21 nento D'niior. rmxa moca ir nps i: •b nnpS. „Hat es sonst je eine Gottheit versucht, sich herauszuholen ein Volk aus der Mitte eines andern Volkes, durch Versuchungen, durch Zeichen, durch wundervolle Kriege und mit großen Schrecknissen, wie es der Ewige, Euer Gott, für euch in Mizrajim gethan hat, vor deinen Äugen d" Allein zwischen rny und anscwe, zwischen den Zeugnissen der Geschichte und den Gesetzen der edelsten Menschenthums stehen die v'pn. Hier setzt der Unglaube ein; hier ist der Punkt, den er als „schwach und unhaltbar" bezeichnet und von wo ec unsere Religion mit Erfolg bekämpfen zu können vermeint. Aber auch der weise Denker beschäftigt sich mit ihnen eingehend, suchr sie zu beleuchten und auf ihren Grund zu dringen. Wohl zweifelt er keinen Augenblick an der Verbindlichkeit auch dieser Gottesgesetze, weist ihnen deßhalb den Platz zwischen dhj? und ensttpe an und betont scharf, daß er überzeugt sei, daß sie der Ewige, unser Gott geboten hat. Aber er fragt: o’cctperr epinm nnyn nc. Was bedeutet diese Verbindung von geschichtlichen Zeugnissen, Chukim und herzerfreuenden Gesetzen der Rechtes und der Billigkeit, die der Ewige, unser Gott, zusammen euch geboten hat? Weshalb nehmen die Chukim die Mitte ein zwischen nny und e'ößtpe, zwischen den Zeugnissen der Geschichte und den Gesetzen de« edlen Menschenthums? Weshalb erscheinen uns auch die Feste Gottes, die Denkmäler der Geschichte, im Gewände der Symbolik, und weshalb umgeben sich selbst die v-vve« mit opr? (Fortsetzung folgt.)