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Der Israelit · 1899-03-06 · Heft 19 (6.3.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 19 (6.3.1899)
Date
1899-03-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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|PP|PPP1IP§P§M*4^ * ■ -7 . - - - 359 christliche Kircheninstrumente profanirt ist. Da entschied man sich für einen Zögling der Geiger'schen Hochschule in Berlin und wählte vor einigen Jahren Herrn Dr. HLnnes als Rabbiner, der aber mit Rabbi Meier bal Hannes keinerlei Wahlverwandtschaft hat. Wenn der Rabbiner das Gewissen seiner Gemeinde ist, so hat die Konstanzer Gemeinde ein gutes, zahmes Gewissen, das nicht viel schlägt, pocht und lärmt, sondern bestrebt ist, den Wünschen und Neigungen der Gemeinde, soweit als irgend möglich und noch ein Stück darüber hinaus, Rechnung zu tragen. Von dieser Fügsamkeit und Schmiegsamkeit geleitet, hat die zarte Dr. Hannes'sche Rücksichtnahme auf die localen Eigenthümlichkeiten der Konstanzer Gemeinde u. a. folgende Blase getrieben. Herr Dr. Hannes hat scharfsinniger Weise herauSgefunden, daß seine Heerde von ihren Geschäften und ihrem Morgenschlaf mehr angezogen wird, als von der Synagoge. Da sie auch Montags und Donnerstags Morgens den Gottesdienst nicht besuchten, so hat er mm «np von diesen Tagen auf zwei andere verlegt, an welchen seine lieben Konstanzer mehr Zeit und Muße für ihre Synagoge haben sollen; ich glaube auf Freitag und Sonntag! Das hat dem kühnen Reformator nun allerdings mehr Spott als Erfolg gebracht, was man sich übrigens ohne besonderen Spiritus asper an den fünf Fingern abzählen kann. Die Leute, die sich noch so viel Pietät für die Religion der Väter bewahrt haben, um am Montag und Donnerstag Morgen den Gottesdienst aufzusuchen, die wollen eben an Montag und Donnerstag gehen, und die anderen, die gehen Freitag und Sonntag so wenig, wie sie Montag und Donnerstag gegangen sind! Ein besseres Mittel wäre vielleicht gewesen, jeden Montag und Donnerstag Harmonium oder Orgel spielen zu lassen. Noch besser und erfolgreicher hätte es sich vielleicht gemacht, wenn der Ehor für diese Tage in die Synagoge commandirt worden wäre, wenn auch ohne die Damen; das hätte dann ohne Zweifel ein Minjan mit Pauken und Trompeten ergeben. Ob diese originelle Novität des Konstanzer Reformtheaters heute noch zugkräftig ist, oder ob sie als bereits veraltet schon den Weg aller Reformen gegangen ist, weiß ich nicht; das ist auch gleichgiltig; Herr Dr. Hannes sucht und findet jeden Tag neue Ueberraschungen. Dieser Tage war ein Leichenbegängniß. Nach der Rückkehr vom Friedhof begab sich der große Theil des Leichencondukts ins Trauerhaus, damit dort mit pÄgelernt und trip gesagt werden könne. Der Herr Rabbiner wurde ersucht, etwas vorzulernen; doch weigerte er sich, weil dies Sache des pn sei, der aber verreist war und erst gegen Abend zurückkam. Als man ihn wiederholt ersuchte, doch ausnahmsweise zu lernen, blieb er standhaft bei seiner Weigerung und verließ das Haus. Zufällig war ein Herr aus einer benachbarten Gemeinde da, der sich auf Verlangen bereit erklärte, einen iw zu lernen. Es scheint aber, als ob einer seiner Getreuen den Herrn Rabbiner auf das Unbegreifliche seiner Handlungsweise aufmerksam gemacht habe. Sr kehrte wieder in's Trauerhaus zurück, wo inzwischen der Vortrag begonnen hatte. Der Vortragende ersuchte den zurückkehrenden Rabbiner den Vortrag fortzusetzen, was dieser denn auch nach einiger Weigerung that! Aber das alles sind jedoch untergeordnete Kleinigkeiten gegen folgende Einrichtung, die heute noch in Konstanz in Kraft ist. Zwischen dem pn und dem Chor ist in der Synagoge eine electrische Verbindung hergestellt, mit welcher der pn dem Chor ein Signal giebt, sobald er einzugreifen hat! Vielleicht sind auf der Berliner „Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums" die Electrizitäl nicht gelernt worden. Herr Dr. Hannes weiß vielleicht nicht, daß ein solches Signal unmöglich ist, ohne einen Funken zu erzeugen und ohne somit das biblische Verbot zu übertreten: w'2 nr'msirfö b22 tra vuwi mtm „Ihr sollt kein Feuer anzünden, an all eueren Wohnungen am Sabbattage!" (II. B. M., Cap. 35, V. 3.) Sobald er es aber jetzt durch diese Zeilen erfährt, wird er gewiß nicht ruhen und nicht rasten, bis dieser offizielle me» ‘mr beim Gottesdienste abgestellt iss. Herr Dr. Hannes ist zunächst nur auf drei Jahre angestellt, erst wenn er sich während dieser Zeit zur Zufriedenheit der Gemeindepotentaten geführt hat, darf er auf definitive Anstellung rechnen. Ich glaube, daß er sich damit nichts vergiebt, wenn er gegen diese unerhörte Blasphemie, einer Entweihung des Sabbats beim Gottesdienste, entschieden Stellung nimmt! Theilt Herr Dr. Hannes diesen Glauben nicht, dann wird's wohl beim Alten bleiben. Es wird kein Oberrath danach krähen, ja es wäre nicht ausgeschlossen, wenn er bei seiner Schulchan- Aruch-, Mila- und Tefillin-Razzia noch Zeit und Sinn für -12^ b'brr. ntrip über hat, daß er eine solche Sabbatentweihung ad majorem dei gloriam für eine empfehlenswerthe Einrichtung hält. Die reiche Konstanzer Gemeinde hat die Stirn gehabt, in dem Vertrag mit ihrem Rabbiner diesem zu verbieten, sich während der drei Jahre des Vertrags zu verheirathen und der Herr Rabbiner hat den erforderlichen Charakter gehabt, eine solche Bedingung einzugehen! Vielleicht macht sie seine definitive Anstellung von einem Keuschheitsgelübde ab-

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