Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1899)
- Date
- 1899-03-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Sö7 Sympathien für das Chriftenthum weckt. Darüber können sich die Veranstalter dieser Riesenausgabe wohl kaum täuschen; und dennoch diese Opfer! Es wäre interessant einmal statistisch festzustellen, wie viel jüdische Leser auf diesen Leim gehen und sich dadurch ihrem Judenthum entfremden lassen. Dann bekäme man einen Begriff davon, wie hoch der englischen Mission jede Judenseele zu stehen kommt. Wir unsererseits haben nur den aufrichtigen Wunsch, daß die Kreuzzeitung und ihre Gesinnungsgenossen sich keiner anderen Mittel zur Bekämpfung des Judenthums bedienten, als dieses harmlosen. Wenn ihr die Juden auf der einen Seite so lieb sind, daß sie solche Opfer gutheißt, um dieselben auf ihre Seite zu bringen, so handelt sie eigentlich doch recht inconsequent, wenn sie gegen dieselben Juden sonst das ganze, liebelange Jahr Gift und Galle speit! Köln, 1. März. Die „Köln. Ztg." schreibt: (Die neue Synagoge in Köln.) Unter Führung des Architekten Schreiterer, des Theilhabers der Firma Schreiterer u. Below, die die neue Synagoge am Königsplatz gebaut hat, besuchte vor einigen Tagen der Kölner Gewerbeverein diesen interessanten Neubau. Wer von Bonn mit der Eisenbahn kommt und das Bild der kölnischen Neustadt an sich vorüberziehen läßt, der wird auch den phantastischen Tempel mit dem grünen Dache nicht übersehen, der aus den Neubauten aufragt und der Neustadt eine originelle Charakteristik giebt. Der Bau ist leider zwischen Miethhäusern eingeklemmt, sodaß nur seine Stirnseite in der Nähe wirkt. Vor dieser Stirnseite schieben sich flügelartig zwei Wohnungsbauten aus dem gleichen gelben Gestein und den romanischen Stil andeutend, der nun im zurücktretenden Hauptbau eine freie phantastische Entwickelung erhält. Ueber einer zwischen reichen Strebepfeilern liegenden Vorhalle, an deren Außenwand die Gesetzestafeln prangen, erhebt sich mit großem Reize eine mächtige Fensterrose. Mit klarer Entwickelung die Raumeonftruktion bezeichnend, steigt der Bau auf zu einer von Thürmen in zwei Abstufungen flankirten pyramidenartigen Dachbildung. Eine starke malerische Wirkung wird erzielt durch die Harmonie zweier unterer mit rothen Ziegeln gedeckter Pyramiden von eigenartiger schlanker Form mit dem grünen Dache des Hauptaufbaues und den, dieses flankirend, wieder anders geformten Thiirmchen. Es entsteht bei der Mischung klar übersichtlicher Symetrie der Baugliederung und eigenartigen malerischen Reizen ein Werk, das fremdländisch wirkt und die Phantasie nach irgend einem asiatischen Märchenlande lenkt, ein richtiger „Tempel", der aber doch wiederum nicht zügellos phantastisch wie eine Theaterdeeoration wirkt, sondern eben durch die romanische Grundlage ernsten architektonischen Gehalt hat. Im Innern sehen wir einen weiten Raum, der durch eine weite Mittelkuppel, die sich auf die vier weiten Gewölben des Allerheiligsten und dreier Emporen entwickelt, eine tief berührende Feierlichkeit erhält. Von großer künstlerischer Bedeutung sind die die Wände völlig bedeckenden Malereien nach Entwürfen des Professors Schaper in Hannover. An den alten, für Decorationsmalerei neuerdings sehr beliebt gewordenen Ravennastil anknüpfend, geben diese Malereien in einem Wechsel zweier Haupttöne, blaugrün und mattziegelroth, eine edel ruhige Stimmung, auf der sich theils leicht anmuthende geometrische Motive, theils massig wirkende Pflanzeumotive entwickeln. Diese Pflanzenmotive geben mit Vorliebe die Palme in reichen Windungen und Wendungen, so in den Zwickeln, aus Vasen aufsteigend und sich federartig krümmend. Reizend sind die grünen Gurten in der Kuppel, die in Blüthenbüschel auslaufen. Die Kuppel hat einen besonderen Schmuck in runden farbigen Glasfenstern mit juwelenartig leuchtendem Zierwerk. Die große Rose und andere Fenster sind aus amerikanischem Opalglas mit Pflanzenmotiven. Das Allerheiligste zeigt eine Balustrate aus weißem Donaukalkstein, die Kanzel und eine Wand mit der eingelassenen Bundeslade, aus weißem bayrischen Mamor, mit gelbem und schwarzem Mamor ausgeziert, und aus der Höhe der Wand und der heiligen Lade reiche Vergoldung. Romanische Säulenstellungen tragen die offenen, hochhalligen Frauenemporen zu beiden Seiten und die Kinderempore gegenüber dem Allerheiligsten. Die Synagoge faßt 1400 Sitzplätze und hat noch neben deul Haupttempelraum eine ganze Reihe nothwendiger Nebenräume. Sie ist ein Bauwerk, das ein fesselndes und siegreiches Bild der modernen Architektur- Entwicklung gibt, Zeugniß ablegt für den ernsten Sinn und den sichern künstlerischen Blick, der jetzt durchdrungen ist. M. Nürnberg, 5. März. Die Ausführungen des Berichterstatters G. aus Nürnberg in Nr. 17 Ihres geschätzten Blattes, enthalten in schlichten Worten eine tiefe, beherzigenswerthe Wahrheit. Man darf durch die Errichtung von Central-Unterstützungskassen den altbewährten jüdischen Wohlthätigkeitssinn nicht verkümmern und absterben lassen; man muß vielmher den Einzelnen Gelegenheit geben, diese vielgerühmte, selbst von den Feinden anerkannte Eigenschaft des jüdischen Charakters, die Ausübung der rtp-rxr *sc zu erhalten und weiter zu entfalten. Wie erhebend und schön, wenn man sieht, daß jüdische Kreise gerade in der Bethätigung dieses so wichtigen Gebotes der Thora wetteifern! Dieser nie versiegende Wohlthätigkeitssinn der Einzelnen hat in den letzten Tagen auch in unserer Stadt reiche Früchte gezeitigt. Der Klageruf der von Hungersnoth heimgesuchten Glaubensbrüder in Jerusalem blieb nicht