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Der Israelit · 1899-03-02 · Heft 18 (2.3.1899) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 18 (2.3.1899)
Date
1899-03-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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841 Popularität einen besonders wissenschaftlichen Charactcr verlieh, waren die großartigen Erklärungen verschiedener Talmud- und Midraschstellen, welche in den Fastnachtsspielen nur verstümmelt und entstellt wiedergegeben werden. Der verehrte Redner hat in diesem einstündigen Vorträge seine Meisterschaft in der Redekunst und seine Gewandheit in der Erklärung schwieriger Talmudftellen von neuem bewiesen, wofür ihm durch anhaltender Applaus die Anerkennung und Dankbarkeit des Publikums bezeugt wurde. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Wien, 21. Febr. (Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde.) Im Einlaufe befindet sich folgendes Schreiben des Herrn Prof. Dr. David Kaufmann aus Budapest: „Verehrter Vorstand! Indem ich für die gütige Uebersendung des Fürther Memorbuches, das anbei folgt, wiederholt danke, beehre ich mich mitzutheilen, daß ich von den die Geschichte Ihrer Gemeinde vor 1670 betreffenden Blättern eine sorgfältige kalligraphische Copie habe anfertigen lasten und daß es geglückt ist, die im Verlöschen begriffenen Urkunden noch rechtzeitig zu retten und zu bergen. Was ich längst vermutbet habe, bestätigt sich nunmehr: Dieses Memorbuch ist das Seelengedächtnißregister von Wien und 1670 von der Familie Fränkel nach Fürth gebracht worden, wo es zu ferneren Eintragungen benützt wurde, bis sein wahrer Ursprung in Vergessenheit gerieth. In der Hauptsynagoge von Wien, die jetzt als Kirche dient, ist aus diesem ehrwürdigen Zeugen der dort vor 1670 erblühten Gemeinde an Sabbaten und Festen das Andenken der Todten verkündet und festgehalten worden. Mit dem anderen in Mißlitz in Mähren vorhandenen, von mir bereits herausgeg^benen älteren Memorbuche der Zacharias Lewi'schen Klause hilft diese werthvolle Reliquie eine wissenschaftliche Neubelebung einer verrauschten Epoche anzubahnen. Ich hoffe, die Schatten, die da an uns vorüberziehen, in Helles geschichtliches Licht setzen zu können. Doch möchte ich dem verehrten Vorstande weder einen Zwang noch ein Opfer auferlegen und werde für eine Edition dieser Geschicktsquelle Sorge tragen, wie es mein unablässiges Bestreben ist, die Steine des Friedhofes in der Seegasse dereinst nach ihrem wahren, oft geschichtlich überaus lehrreichen Wortlaute sprechen zu lassen. Zu diesem Behufe hatte ich mir erlaubt, vor mehr als einem halben Jahre um freundliche Lieferung getreuer Abklatsche ergebenst anzusuchen. Das Verfallen und Schwinden der authentischen Kunde unserer Geschichte illustrirt der von Anfang bis zu Ende sagenhafte und falsche Bericht über Samson Wertheimer, von dem ich durch Ihre Güte eine Abschrift erhielt. Mit dem Wunsche, daß von einzelnen Ornamenten des Memorbuches Photographien angefertigt werden mögen, empfehle ich mich als des verehrten Vorstandes allezeit bereitwilliger und ergebenster Professor Dr. David Kaufmann." Vicepräsident Dr. Kohn theilt mit, daß von den alten Gedenksteinen auf den Friedhofe in der Seegasse Photographien ausgenommen wurden; nach Fertigstellung der ganzen Sammlung werde dieselbe dem Professor Kaufmann zugeschickt werden. Herr v. Mises theilt mit, daß bereits über 700 Photographien von Denksteinen fertig sind und in kürzerer Zeit die Sammlung — über 1000 Stück — voll sein wird. P a l ä st i n a. Jerusalem. Das Ereigniß der letzten Wochen ist der Besuch des Barons und der Baronin Edmund Rothschild. Am 25. Januar landete der Baron auf seiner eigenem Pacht in Jaffa. Er besuchte den Kaimakan und begab sich dann nach Rcschon le Zion, wo er gründlich die Kellereien inspizirte und dann auf seine Pacht zurückkehrte. Am folgenden Tage besuchte der Baron und die Baronin Pethach Tikwah und empfingen dort Deputationen der Gemeinden von Jaffa und Jerusalem. Am 27. Januar besuchte dann der Baron Ekron, Waadel Chanin und Rechowoth und kehrte dann nach Rischon Lezion zurück, wo er mit seiner Gemahlin über Schabbos blieb. Er betete Freitag Abend und Samstag früh in der Kolonistensynagoge, zu Mincha in der Betstube der Taglöhner, und nach Sabbat Ausgang versammelten sich alle Kolonisten in dem Volkshaus, wo er eine große Ansprache hielt. Schon im Laufe des Tagehatte er alle Kolonisten in ihren Häusern besucht, nur zwei Familien nicht, weil deren Häuser ihm für Bauernfamilien zu luxuriös erschienen. Auch im Volkshaus sprach er energisch gegen den Luxus, tadelte, daß einige Frauen oder Mädchen Hüte mit modernem Aufputz trugen und erinnert die Kolonisten daran, daß sie früher arm gewesen seien und daher jetzt ihre Mittel statt auf Luxus lieber auf die Unterstützung armer Taglöhner re. verwenden sollten. Vor allen Dingen ermahnte er sie, treu alle Vorschriften unserer heiligen Religion zu bewahren und ging ihnen allen mit gutem Beispiel voran. Auf der Pacht des BaronS wird nur koscher gekocht, alle Thüren sind mit Mesuses versehen, eine kleine Synagoge ist vorhanden rc. In die Kolonie ging der Baron trotz strömenden Regens ohne Schirm und beobachtete die Tradition. Die Kolonisten wieder Baron darauf hin, daß es in Europa so schwer sei, alle Vorschriften zu beobachten, aber in Palästina

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