Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1899)
- Date
- 1899-03-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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340 aus welchen Elementen sich oft die Gesellschaft gerade in den Hotels, in denen die reisenden Kaufleute verkehren, zusammensetzt, der wird mit Schaudern erkennen, daß eine im jugendlichen Leichtsinn an nichtjüdischer Tafel genossene Mahlzeit nebst einer Flasche Wein im Kreise munterer Kollegen das ganze schwere Erziehungswerk der Eltern und Lehrer oft an einem Abend zu Nichte machen kann. Diesen großen, unendlichen Gefahren, denen unsere reisende kaufmännische Jugend ausgesetzt ist, will der neue Verein abzuhelfen suchen. Und wahrlich, wir können uns keinen schöneren und edleren Zweck denken. Wie man uns mittheilt, will der Verein nicht gegen bereits bestehende Vereinigungen, seien sie nun im Norden oder Süden unseres schönen Vaterlandes, kämpfen, er will vielmehr mit diesen Vereinen Hand in Hand gehen. Daß ein besonderer Verein gegründet wurde, hat seinen Grund darin, daß die bestehen« den Vereinigungen meist durch Rabbinen und nichtreisende Kaufleute geleitet werden, während der neue Verein hauptsächlich durch Herren, die große Erfahrungen auf Reisen gesammelt, organisirt werden soll. Zunächst sollen in Dortmund, Dresden, sowie einigen in- und ausländischen Badeplätzen strengjüdische Küchen errichtet werden, in kleineren Plätzen sollen die bwi» oder Private subventionirt werden. Hoffen wir, daß das für das gesetzestreue Judenthum so wichtige Unternehmen genügende Unterstützung finde. Mit einigem guten Willen, einigen Opfern und etwas Ausdauer sind schon schwierigere Dinge ausgeführt worden. Berlin, 1. März. Auf Beschluß der 5. Strafkammer re» Landgerichts I vom 2t. Februar ist die Nummer der „Staatsbürgerzeitung" vom 9. Februar und ein kürzlich als Flugblatt verbreiteter Sonoeraboruck auf Grund des § 130 des StrafgefitzbucheS (öff ntliche Anreizung zu Gewaltthätigkeiten) gestern Nachmittag beschlagnahmt worden. Der belnssende Artikel beschäftigt sich mrt der auch im Abgeordnelenhause erwähnten, dem Minister deS Innern aber völlig unbekannten R de deS excentriichen AmlsvorsteherS Graf Pückler, worm der deutsche Michel ziemlich unverblümt aufgefordert wird, die Juden mit Dreschflegeln niederzuschlagen. Die „StaatSbürgerze'tung" ist natürlich tief traurig, daß auf solche Aufforderung der § 130 de« Strafgefitzbuch« angewandt wird, und sie schließt ihren Klageartikel mit folgenden charakteristischen Sätzen: „Die Juden sollen uns doch nicht glauben machen, daß sie wirklich furchten, lodlgefchlagen zu werden. Tie von ihnen losgelassene Denunziation ist lediglich ein Vorwand zur Unterdrückung der anlisemiti'chen Bewegung, und wenn eS ihnen gelingt, damit durckzuoringen, dann werden sie sich noch mehr als bisher rühmen, daß die Gerichte ihnen heute willfähriger seien als früher. In dem ganzen Verhalten der Juden aber zeigt sich auch in diesem Fall wieder der Uinerschied der deutschen urn jüdischen Eigenart. Der gesunde Deutsche würde den Kampf anfnehmen, auch wenn es dabei Dresche, d h. deutsche Hiebe geben konnte. Der Ju>e ist Heide und deim'ntirt. (Höherer Blödsinn. Red.) Es erfüllt uns mit einer gewissen Genngthuung, daß er das so beutlid) gezeigt hat, eine Judendiktatur strebt er an, er ivird dadurch die Kluft zwischen Dentschthum und Judenthum noch mehr erweitern/' Nürnberg, im Febr. Im Hotel Plaut fand die Neuwahl der Vorstandschaft des Vereins Adas Jsroel (Verein der orthodoxen Mitglieder der hiesigen Gemeinde) statt. Als erster Vorstand wurde Herr Don Sichel wieder gewählt. Der bisherige zweite Vorstand, Herr Moritz Neuburger, trat nach mehr als 20jähriger Thätigkeit (feit Bestehen des Vereins) freiwillig zurück und kam an deffen Stelle Herr Martin Hirfchmann. Ais drittes Mitglied der Vorstandschaft wurde Herr L. Grünbaum wieder gewählt. Als Ersatzmänner wurden gewählt die Herren Jacob Goldberger, Max Meyer, Moritz Ullmann und Julius Klugmann. Gleichzeitig wurden für die Rttual- Kommsssion fünf Herren (bisher sieben) gewählt, welche die Schechita-Anqelegenheit zu überwachen und zu erledigen haben. Zur Beaufsichtigung der dieser unterstellten (bis jetzt drei) Metzger existiert ein besonderer Maschgiach (ein Schüler der Preßburger Jeschibah.) Bei dieser Gelegenheit wurde die schon längst erörterte Frage eines eigenen Synagogenbaues besprochen, nachdem das bisber gemielhele Betlokal (am Gräslein) den jetzigen Bedürfnissen nicht mehr genügt, und beschlossen, mit derHauptgemeinoe behufs Zuschusses eines Baufonos in Unterhandlung zu treten, deren hoffentlich nicht ungünstiger Erfolg abgewartet werden muß. Auch das Errichten eine« befonderen Religions-Unterrichtes (vorläufig n» und Sonntag) kam auf die Tagesordnung. Der Verein zählt bis jetzt 75 ordentliche und eine ziemliche Anzahl außerordentlicher Mitglieder. Mit dem Cynagen- Neubau soll auch eine neue Mikwe in Stand gefitzt werden, da hiefür ein bisher nur mietheweife gehabtes Lokal auf die Dauer nicht geeignet ist. Bremen, 22. Febr. Am 16. d. hielt Herr Rabbiner Dr. Carlebach aus Lübeck im hiesigen Llteraturverein, vor sehr zahlreich versammelten Publikum einen gediegenen, lehrreichen Vortrag über „Die Juden und das Theater." Ist da« Thema an sich schon interessant, so gewinnt es doch an Bedeutung, wenn es so meisterhaft behandelt wird wie es hier geschah, indem die „leidende" Rolle gekennzeichnet wurde, welche die Juden auf den Brettern der Bühne, seit den Anfängen des deutschen Theaters, schon in den Fastnachtsspielen deS 15. Jahrhunderts sich gefallen lassen mußten und noch heute gefallen lassen müssen. Was dem herrlichen Vortrag neben seiner