Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1899)
- Date
- 1899-03-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448953-2448971--47818-2498187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XX. Jahrgang. Erste Beilage M M 18 des „Israelit". Zeitungsnachrichten rrnd Correfpandenzen. Deutschland. Mainz, 27. Febr. Der Mangel an zuverlässig rituellen Restaurationen ist seit vielen Jahren von dem auf Kaschruth refloctirenden reisenden Publikum, namentlich an stark frequentierten Verkehrsorten auf's Drückendste empfunden worden. Ebenso macht sich dieser Mangel an hervorragenden Badeplätzen, Luftkurorten w. seit langer Zeit fühlbar. Und selbst da, wo offiziell koschere Wirthschaften bestehen, konnte der gewissenhafte Jehudi durchaus nicht immer ohne Bedenken speisen, da der Einblick in die Führung unv Einrichtung mancher angeblich koscheren Restauration Verhältnisse ergab, die nichts weniger als beruhigend waren. Diesem Uebelstand abzuhelfen, durch Errichtung unbedingt zuverlässiger Speisehäuser, au bedeutenden Verkehrs- und Badeplätzeu ist der Zweck eines neuzubegründenden Vereins, der demnächst unter dem Ramen „Verein zur Errichtung zuverlässig ritueller Speisehäuser" ins Leben treten wird. „In Betreff aller auf das Kaschruth bezügl. Momente werden wir uns," so heißt es in einem von den Begründern versandten Circular, „mit Rabbinern, die als Autorität anerkannt sind, in Verbindung setzen und bestrebt sein, ihre Anordnung in gewlffenhaftester Weise zu befolgen, namentlich in Betreff der Approbation der Schächter, der Bestimmung der Berkaufstäden, von denen das Fleisch und alle sonstigen Viktualien bezogen werden sollen, der Persönlichkeit der Restaurationsinhaber, etwaiger Kontrollpersonen (d. h. Schomrim, Maschgichim), der Einrichtung der Küche, der Vorkehrungen für ree* bhp u. s. w. Bestehende Restaurationen können sich dem Verein unterstellen. Die Leitung des Vereins wird einem Central-Vorstand, bestehend aus o—15 Mitgliedern, übertragen. Derselbe konstituirt an hervorragenden Verkehrspunkten Deutschlands und der Schweiz, wie z. B. Frankfurt a. M., Hamburg, Berlin, Breslau, Königsberg, Posen, Köln, Fürth i. B., München, Wien, Baden (Schweiz) — Lokalkomitees. Die Mitglieder des Central - Vorstandes und der Lokalkomitees sollen theils Rabbiner, theils Privatleute sein, die sämmtlich der gesetzestreuen Richtung angehören müssen. Die Kosten zur Bestreitung der Vereinszwecke, als Einrichtung von Restaurationen, Subventionirung bestehender, Besoldung von Kontrolleuren u. s. w. werden durch die regelmäßigen Jahresbeiträge und freiwilligen Spenden aufgebracht. — Als Jahresbeitrag ist vorläusig 10 M. festgesetzt. Die Mitglieder werden durch regelmäßige Mittheilungen von dem Stande des Vereins unterrichtet, unter Angabe der demselben unterstehenden Restaurationen." Der Aufruf ist unterzeichnet von den Herren: M. Altmann—Karlsruhe, D. Apelt Sohn—Halle, Aron Auerbach—Hamburg, Juda Bamberger Frankfurt a. Oder, Gustav Baer - Hamburg, Louis Benzian—Hamburg, Maier Bing—Frankfurt a. M., Jonas Bing—Hamburg, B. Birkenruth Fuloa, Marcus Bondi—Wien, Herz Cahn Mainz, Dr. Berthold Cohn—Wien, Alfred Cohn—Hamburg, Isidor Dülken—Cöln, Philipp Falk—Breslau, Louis Feist (i. F. Beer, Sondheimer > u. Co.), Frankfurt a. M., I. L. Feuchtwanger— München, Maier Selig Goldfchmidt—Frankfurt a. M., Sally Guggenheim—Berlin, Hermann Gumpertz— Hamburg, L. Heß Wwe.—Frankfurt a. M., Heinr. Herz—Schwab. Hall, Mar Joseph—Frankfurt a. M., Julius Klugmann—Nürnberg, Wilh. Kober—Breslau, Gebr. Lob—Frankfurt a. M., Hugo Mainz— Hamburg, Banquier Marx—Königsberg, Dr. Merzbacher-München, M. L. Munk—Cöln, Jacob Oppenheimer (i. Fa. M Oppenheimer Söhne), Frankfurt a. M., Moritz Pollak—Breslau, Jakob S. Posen— Frankfurt a. M., Rosenblatt u. Mosbacher—Frankfurt a. M., Emil Schwarzschild—Frankfurt a. M., Joseph Seligmann-Cöln, Leopold Silberberg— Breslau, E. Stern Fulda, R. Stiebel -Kitzingen, David Struck (i. Fa. Eisenberg u. Struck), Berlin, Mendel Wertheim—Fulda, Sal. Wiener—Kattowitz, Philipp Wolf—Dettelbach, Mauri Zimmer-Fürth. Wir brauchen wohl nicht hinzuzufügen, mit welcher Freude wir ein derartiges Unternehmen begrüßen. Die Wichtigkeit eines solchen, ist eigentlich nur der in der Lage zu erkennen, der den Mangel desselben am eigenen Leibe gespürt hat, der wochen- und monatelang draußen herumreisen und während dieser Zeit sich mit Bier, Brot und Eiern helfen muß, um endlich nach einigen Jahren solcher Thätigkeit mit irgend einem Magen- oder sonstigen Leiden behaftet, seine Reisethätigkeit vorzeitig aufgeben zu müssen. Es ist deshalb in erster Reihe Pflicht dieser Herren, in ihrem eigensten Interesse, diesen neuen Verein zu kräftigem Leben zu verhelfen. Wie mancher isi schon durch den anhaltenden Mangel an Koscherkost auf der Reise für immer dem wahren Judenthum verloren gegangen. Hat sich erst einmal Jemand gewöhnt, die Speisegesetze zu verletzen, dann kommen die anderen Uebertretungen ganz von selbst. Dem Verkehr mit nichtjüdischen Kollegen ist kein Damm mehr in den Weg gefetzt, "und wer es weiß.