Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1899)
- Date
- 1899-03-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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338 er mir den sehnlichsten Wunsch meines Lebens gewährt hat, Euch noch einmal ins Auge schauen und Euch Abbitte thun zu können für all das Leid, das ich Euch bereitet habe." „Ihr werdet mich durch dieses Gewinsel nicht weich machen. Mein Entschluß steht fest, Euch mit Zinsen heimzuzahlen, was Ihr mir gethan habt. Euer Werk ist es, daß ich wie ein reudiger Hund aus der menschlichen Gesellschaft in die Verbannung und in das Elend gestoßen wurde. Ihr habt es Böse mit mir im Sinne gehabt, Gott hat es zum Guten geführt, und mich endlich den Tag erleben lassen, den ich so lange erhofft und vorbereitet habe, den Tag, an dem Ihr meiner Rache verfallet. Ich kannte Euere Absicht, einst das Land der Väter aufzusuchen. Hierher habe ich mich deßhalb direct gewandt, als ich aus Frankfurt durch Euer Betreiben hinausgestoßen wurde. Hier in Jaffa wußte ich, werdet Ihr mir nicht entgehen. Jaffa, sagte ich mir, müsset Ihr passiren, und wie eine Spinne im Netze auf ihre Opfer lauert, so stand ich hier viele Jahre auf der Warte, bis endlich die Stunde gekommen ist, die mir meinen Feind in die Hände gegeben hat. Als ich vor sechs Jahren dieses Haus baute, habe ich dieses Zimmer für Euch bestimmt. Hier verfallet Ihr meinem Dolche. Ihr könnt hier schreien, es hört Euch Niemand durch die dicken Mauern und die schweren Doppelthüren. Ihr könnt nicht fliehen, denn Ihr seid in fünf Minuten eine Leiche, die ich heute Abend ins Meer zum Fraß der Fische werfen lasse. So wie rch's lange vorhergesehen und geplant hatte, ist alles gekommen. Ihr reist Euerem Wunsche gemäß incognito und allein, und wenn diejenigen, die Euch in Jerusalem suchen, Euch vermissen, so haben Euch Beduinen auf dem Wege angefallen und Euch Geld und Leben genommen. Versteht Ihr mich?" Rabbi Jesaja wollte reden, aber es gelang ihm nicht, zu Worte zu kommen. Mtt gezücktem Dolch trat der Wütherich auf Rabbi Jesaja zu und wollte ihn durchbohren. Da fiel Rabbi Jesaja auf die Kniee und suchte die Mordgier seines Todfeindes durch einige Worte zu besänftigen; es war umsonst. „Schenkt mir nur noch eine einzige Viertelstunde. Gestattet, daß ich noch vor dem Tode meine Sünden vor Gott bekenne und noch ein einziges Mal bete, dann werde ich ohne Widerrede mich Eurem Todesurtheil unterziehen. Thut es um der Liebe und Achtung willen, die-" „Laßt das Geschwätz! Ich gewähre Euch noch eine Frist nicht nur von einer viertel, sondern sogar von einer halben Stunde. Seht auf die Sanduhr, wenn sie abgelaufen ist, bin ich wieder da und dann ist Euere Lebensuhr auch abgelaufen. Benützt aber die kostbaren Minuten nicht zu eitlen Fluchtversuchen. Ihr seid hier lebendig begraben, selbst wenn ich nicht käme und Euch diesen Dolch in die Brust stieße. Aber ich werde kommen und es wird keine Minute längere Frist gewährt." Mit diesen Worten näherte er sich rasch der eisernen Thüre ohne Schloß und Riegel, öffnete sie geräuschlos durch einen geheimen Mechanismus; geräuschlos schloß sich die Thüre und Rabbi Jesaja war allein. (Fortsetzung folgt.) Der erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens Met Doge*. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Wer -vchtzavdel verkehrt tzvrch T. $. £tet««*cc. Lripstg, Ilvßplvtz 16. — Inserate 25 Pfennig die 4spaltige Petitzeik oder deren Raum. Preis de» Zeile im Reclametbeu 76 Psemüg. — Direct« Francvzusendung unter Streifband vr» Jahrgang für Deutschland «ck Oesterreich 14 Reichs-Mark oh« 8 st. Ssterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusende«. mime mMfemtmmg M* aa **• Motz-Dl»* ria0tfaa»*ta 9t«ssafrri|>*m stadot nicht statt, mm bittet p-»»a», stch HO» am Giaseadaagea eine Lopie rarüstzadehattoa« Inhalt (Hauptblatt). Lebender Artikel: Der deutsche Rabbineroerband. Von I. H- — Zeitungsnachrichten u. Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Köln. München. Oester. Ungar. Monarchie: Prag. — Feuilleton: Späte Sühne. (Fortsetzung. > Anhalt >et ersten Vellagei Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Wmv berg. Bremen. Oester -Ungar. Monarchie: Wien. Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. Pädagogische Beilager Israelitischer Lehrerverein für das Königreich Bayern. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Jsraelü", Schottftraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Joh. WirthAschen Hofbuchdruckerci-Actien-Gesellschoft in Mainz Hierzu zwei Beilagen.