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Der Israelit · 1899-03-02 · Heft 18 (2.3.1899) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 18 (2.3.1899)
Date
1899-03-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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335 Die Gründung solle jedoch nicht nur ein Feierabendhaus sein, sie solle auch den durch körperliche Leiden oder durch Anstrengungen Geschwächten Erholung gewähren und endlich solle eine Stätte geschaffen werden, in der die Lehrerinnen ihre Ferien zubringen und Erholung von der schweren Arbeit eines Jahres finden können. Der Referent schloß mit der Bitte, dazu beizutragen, den Plan bald in die Wirklichkeit umzusetzen. Herr Rosenstiel giebt alsdann einige näheren Angaben über die Ausführung des Planes. Er betonte, daß das Institut keine Armenversorgung sei, sondern ein freudiges Alter gestalten solle; die Anstalt solle von den Lehrerinnen als Selbsthilfe betrachtet werden. In hochherziger Weise sei bereits in Ems ein Terrain zur Verfügung gestellt worden und voraussichtlich würden auch dort die Mittel zum Bau aufgebracht werden. Zunächst würde es sich empfehlen, in der Nähe von Berlin mit Miethsräumen anzufangen, doch habe sich das Gründungscomittz hierin vollnändig freie Hand Vorbehalten. Herr Rosenftiel verlas alsdann eine große Reihe aus den verschiedensten Städten eingetroffener Sympathiekundgebungen, darunter auch eine der in ihrer Woh'tthätigkeit so unermüdlichen Frau Baronin Hirsch. In der sich anschließenden Diskussion bestätigte der rühmlichst bekannte Philantrop Herr Alfons Jacobson aus Leipzig die über Ems gemachten Angaben und versprach seine rege Mitwirkung an dem edlen Werke. Einen breiten Raum der Debatte nahm die Frage der Konfessionalität oder Jnterkonfessionalität des Institutes ein, doch entschied sich die Versammlung durch Abstimmung mit überwiegender Majorität zur strengen Wahrung der konfessionellen Scheidung Auf Anfrage giebt Herr Dr. Adler noch an, daß natürlich nur diplomirte Lehrerinnen ausgenommen werden können, wozu auch Musik-, Handarbeit- und Turnlehrerinnen, die ihr Examen abgelegt, gehörten. Nachdem noch die 'Namen derjenigen Damen und Herren zur Verlesung gelangt waren, welche für das zunächst zu bildende Kuratorium in Vorschlag gebracht sind, schloß der Vorstand die Versammlung mit herzlichen Worten des Dankes an die Erschienenen und an diejenigen, die mit bewährter Opferfreudigkeit und nie versiegendem Opfermuthe an die Gründung des Lehrerinnenheims herangetreten sind. Köln. Die Kreuzzeitung schreibt: „Mit großer Befriedigung melden jüdische Faclidlätter, daß der Vorn and der Judengemeide in «öln die Einführung einer Orgel in der Sunagoge einstimmig abgelehnt hat. Gewisse jüdische Kreise erblicken in der Einführung der Orgel den ersten Schritt zur „Ehristianisirung" der Synagoge." Die Kreuzzeitung würde dieser Anschauung gewisser jüdischer Kreise gewiß nicht unwidersprochen Ausdruck geben, wenn sie dieselbe nicht theilte. Wenn aber schon die Kreuz-Zeitung in der Orgel eine Verkriftlichung der Synagoge erblickt, so darf man in der That alle vom Herzen beglückwünschen, welche dazu beitrugen, die alte Kölner Gemeinde von einer so verhängnißvollen Neuerung zurückzuhalten. -ä- München, 27. Febr. Der bayer. Landtag beschäftigt sich nun schon viele Sitzungen hindurch mit der Berathung des Gewerbesteuer-Gesetzentwurfs und namentlich nimmt die Besteuerung der — wie Finanzminister v. Riedel sich ausdrückt — „hassenswerthen Betriebe", nämlich der Maaren- Häuser, einen sehr breiten Raum ein. Nebenbei sei bemerkt, daß in Preußen einmal ein Analagon eines derartigen Entwurfes von amtlicher Seite in nicht gerade euphemistischer Weise die Bezeichnung „Erdroffelungssteuer" erfuhr. Natürlich ist es denjenigen Herren Abgeordneten, welche den Herrn Finanzminifter geradezu drängten, mit einem solchen Entwürfe hervorzutreten, einzig und allein darum zu thun, die Firma Hermann Tietz zu treffen. Das geht deutlich aus den von einzelnen Herren im Steuerausschuß und im Plenum gehaltenen Reden hervor. Denn weß das Herz voll ist, deß läuft der Mund über, und dem Zentrums-Abgeordneten Dr. Heim scheint daS Herz oft recht voll zu sein. Damit, in das Land hinausgeschleuderte Behauptungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen, hält sich der Herr Abgeordnete freilich nicht auf, das hat man ja aber auch gar nicht notbwendig, denn wozu wäre dann die Jmunität da? Werden auch schlimmsten Falles die Behauptungen widerlegt, so sind sie trotzdem nach der bekannten Regel semper aliquid haeret ... nie ganz ohne Wirkung geblieben. So hatte kürzlich Herr Dr. Heim behauptet: „Ein Hopfenbauverein Jmmeldorf bei Spalt, der nur aus wenigen Mitgliedern besteht, giebt sich zum Beitreiber für eine Nürnberger iSrael. Firma, Stern u. Hahn, her! Das Geschäft des Vereinsvorstandes besteht darin, daß er die von Nürnberg nach Sachsen gekommenen Hopfensendungen weiter verfrachtet. Der Hopfen kommt von der jüdischen Firma Stern u. Hahn, in deren Comptoir alle Briefe der Genossenschaft geschrieben werden. Schreibt man an den Verein, so erfolgt die Antwort stets ohne Unterschrift, nur mit dem Stempel „Hopfenbauverein Jmmeldorf bei Spalt" versehen. Der Hopfen hat natürlich Jmmeldorf nicht gesehen; doch das Geschäft geht prächtig, besonders nach Norddeutschland, denn man glaubt es mit einer Genoffenschaft „im Spalter Land ' zu thun zu haben." Nun stellt sich heraus, daß die Inhaber der au* geblichen „Nürnberger israelitischen Firma Stern und Hahn" katholische Christen sind. Ehemals war der Israelit Stern mit dem Katholiken Hahn afsocirl, schied aber vor drei Jahren ans der Firma aus, wofür der ebenfalls katholische Schwager Hahn's,

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