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Der Israelit · 1899-03-02 · Heft 18 (2.3.1899) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 18 (2.3.1899)
Date
1899-03-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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334 liche Charakterfestigkeit mit, die sich in den Augen der Gemeinde nichts vergeben will — und doch ist dies möglich und ausführbar. Es handelt sich in unserem Falle um orthodoxe Rabbiner, die als b'kt in ihrem ganzen Leben, Thun und Lasten nur das eine unverrückbare Hochziel im Auge daben mui mnirfa, die jüdische Religion mit allen ihren Verpflichtungen zu erhöhen und im praktischen Leben in die richtige Ausführung zu bringen; das sind Männer, die wie alle strenggläubigen Juden gleich ihren Vorfahren zu allen Zeiten und so auch in der Gegenwart für die jüdische Religion und ihre Erhaltung für ihre Kinder zu den größten und schwersten Opfern stets bereit sind, um auch in vorliegender Angelegenheit im Jntereste des traditionellen Judenthums eine Aenderung eintreten zu lasten; die unter Hintansetzung ihrer eigenen Persönlichkeit ihre Geist es stärke darin suchen und finden können, von einer Vereinigung, in die sie in der besten Absicht getreten, zu lüsten, bei der auch nur die Möglichkeit vorhanden ist, daß daraus für das orthodoxe Judenthum Gefahren entstehen könnten. Dabei haben die Herren in a l l e n einsichtsvollen und vorurtheilslosen Kreisen der Judenheit nicht die geringste Einbuße an Ansehen zu befürchten; im Gegentheil würde ihre Handlungsweise allgemeine Bewunderung Hervorrufen, durch das vorleuchtende Beispiel, das sie der Welt gäben und durch den thatsächlichen Beweis, den sie lieferten, daß auch in unserer Zeit es noch Männer gibt, die durchdrungen von ernstem und unerschütterlichen Glaubensmuthe, zu ren rmce fähig sind und in selbstlosester Weise gern und freiwillig ihre eigne Meinung auf dem Altar der Religion opfern, wenn es gilt vie altüberlieferte Väterreligion vor Gefahren zu schützen. Man sagt, die Zeit des Kampfes sei vorüber, es fei eine Periode des Friedens eingetreten. Da dürfe man die Hand, die sich zum Frieden darbiete, nicht zurückweisen. Zugegeben, daß dem so sei. Das bedingt aber dann doch nur ein friedliches Nebeneinandergehen und nicht eine widernatürlrche Verschmelzung entgegengesetzter Elemente. Der Friede zwischen und unter den Parteien ist am besten gesichert, wenn jede Partei ihre religiösen Angelegenheiten selbstständig ordnet; während gerade im Gegensatz im Rabbinerverband wegen der grundsätzlichen Verschiedenheit der Meinungen die Geister unvermeidlich scharf aufeinander stoßen würden und von da aus leicht einen neuen Geist der Zwietracht in die Gemeinden bringen könnten. Zu ersterem liefern die letzten zwei Jahrzehnte den besten Beweis. Die jetzige friedliche Gesinnung der Parteien datirt vom Jahre 1876, seitdem das Austrittsgesetz in Kraft getreten, welchedurch Gewährung der Gewissensfreiheit die Parteien gleichberechtigt und gleichstellt und sie zur Respektirung der gegenseitigen Rechte zwingt. Und gerade weil ich diesen Männern die größte Ehrerbietung entgegenbringe, habe ich zur Feder gegriffen, um vielleicht mit meinen in der reinsten Absicht geschriebenen Worten zu bewirken, daß sie sich diese Angelegenheit noch einmal reiflich überlegen möchten. Zeitungsnachrichten nnd Korrespondenzen. Deutschland. 8. Berlin, 27. Febr. Zur Gründung eines „Israelitischen L e h r e r i n n e n h e i m s" war heute Nachmittag eine constituirende Versammlunng nach dem Logensaale in der Wilhelmsstraße einberufen worden. Den Vorsitz führte Frl. Münchhausen, in das Bureau wurden von der Versammlung ferner gewählt Frau Professor Landau und Frl. Köllen und die Herren Rektor Dr. Adler und Eugen Rosenstiel. Nachdem die Vorsitzende nach herz icher Begrüßung der zahlreich Erschienenen in kurzen Worten die Entstehungsgeschichte dieser Jvee, die von ihr im Jahre 1891 bereits angeregt sei, gegeben, entrollte Herr Dr. Adler in großen Zügen den Zweck und die Ziele des zu gründenden Lehrerinnenherm-. Zunächst richtete der Redner Worte des wärmsten Dankes an Frl. Münchhausen für die außerordentliche Hingebung und Mühe, welche diese dem Werke nun seit acht Jahren gewidmet hätte. Er schilderte die großen Schwierigkeiten, auf welche der Plan gestoßen sei, aber wenn jemals ein idealer Gedanke seine Macht aller Hinderniste zum Trotz zur Geltung gebracht hätte, so sei es in diesem Falle. Wenn auch der Deutsch Israelitische Gemeinoebund durch dankenswerthe Maßnahmen den jüdischen Lehrermnen die Möglichkeit gewähre, durch Einkauf in eine Rentenversicherung sich eine Versorgung für die Zeit ihrer Dienstunfähigkeit zu verschaffen, so könne doch nur ein kleiner Theil von dieser Vergünstigung Gebrauch machen. Nur etwa 100 Lehrerinnen befättden sich in fester Position, mindestens die zehnfache Zahl in Privatstellungen mit recht kärglichem Gehalt und müßte mit Kummer in die Zukunft schauen. Die bestehenden Feierabendhäuser, die meist einen spezifisch confessionellen Charakter trügen, seien ihnen versperrt, zu den wenigen interconfessionellen, die zumeist, was char ckteristisch sei, von jüdischen Lehrerinnen in angestrengter Thätigkeit begründet seien, sei der Zudrang so stark, daß nur eine einzige Jüdin bisher in diesen Anstalten Aufnahme gefunden hätte. Diese Gedanken hätten zu dem Plane einer Begründung eines israelitischen Lehrerinnenheims geführt, das keine konfessionellen Unterschiede machen soll.

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