Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-02-27 · Heft 17 (27.2.1899) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 17 (27.2.1899)
Date
1899-02-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448970--47802-2498170
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zurückfordern. Der Andrang wächst von Minute zu Minute, Polizei muß aufqeboten werden und obwohl durch mehrere Tage alle L.nlagen prompt zurückgezahlt werden, wollen sich die Masten nicht beruhigen. — Nun kommt das Charakteristische an der ganzen Affaire. Die öffentliche Meinung, resp. die hiesige Preste als Tonangeberin derselben, hat sich der Angelegenheit bemächtigt, dieselbe wird nach den verschiedensten R chtungen hin commentirt, und siehe — das „Slowo polskie“, das bis nun zum Aerger der arischen Moral im PhilosemitiSmuS gemacht hatte, bringt plötzlich in Erfahrung, daß die ganze Panique „ein Machwerk der Juden sei." — Man begreift wohl, daß eine solche Nachricht in „gewissen" Kreisen der Bevölkerung freudigen Wiederhall fand, umsomehr da einige zu wiffen glaubten, die jüdischen FmanciereS wollten die galizffche Sparkasse zu Fall bringen, um dann eine jüdische Bank gründen zu können. Nun war ein Sünoenbock gefunden, und die Juden mußten Über sich so manchen unsanften Hieb ergehen lasten. Doch schon kurze Zeit darauf sollte die Grundlosigkeit dieser vagen Gerüchte ans Licht treten, indem sich herausstellte, daß in der That die Direcnon der Sparkaffe bei der Gewährung von Anlehen allzu lax vorgeqangen sei und gewissen Unternehmungen größere Summen anvertraut hatte, deren Eintreibung sich mindestens fchwieria gestalten dürfte. Drefe Nachricht wurde vom „Przeglad“, dem Organ der clerical confervativen Partei aufaegr ff n und auf ihre Richtigkeit hin geprüft und bald konnte man auf Grund concreter Daten ein Bild gewinnen, wie faul es im Staate Dänemark aussieht. Wenn auch dank dem großen Reserv 'fonde für die Spareinleger, wie dies von der vom Statthalter eingesetzten R-visionsconunijsion ausdrücklich constatirt wurde, nicht die geringste Gefahr obwaltet, so erfuhr man doch, wie H'rr Drr.ctor Zima, der bei Beginn der Affaire zu behaupten wagte, die Juden wären von den Rabbinern in der Synagoge aufgehetzt worden, ihre Einlagen zu kündigen, durch viele Jahre gewirthschaftet hatte. Wädrend die Ansuchen reeller jüdischer Kauft Ute und Industrieller um Gewährung von Anlehen zurückgewiesen wurden, fanden Günstlinge, Freunde und Verwandte des DirectorS stets Hilfe in jeder Noch. Es wird nun über Initiative der Regierung im Einvernehmen mit den größten Bankinstituten daran gearbeitet, eine Sanirung der tristen Zustände innerhalb der galizifchen Sparkasse herbeizuführen und derselben durch geeignete Vorkehrungen das Vertrauen der Bevölkerung neuerdings zu sichern. So also sah das von den Juden „angestiftete Machwerk" aus, das sich im Grunde genommen als plumpe und böswillige Erfindung darstellte. Mit anerkennenSwerthem Eifer ist der „Przeglad“, dem man schon seiner clericalen Tendenzen wegen alles eher als Philosemitismus Vorhalten kann, der ganzen Sache auf den Grund gegangen. Die Redaction wendete sich an die beiden Rabbiner Lembergs mit der Anfrage ob sie die Angelegenheit irgendwie beeinflußt hätten, was dieselben damit beantworteten, sie bürgen nicht nur für sich, sondern für alle ihre galizifchen Collegen, daß irgendwelche Beeiriflustung der jüdischen Bevölkerung in- oder außerhalb der Synagogen absolut nicht stattgefunden hat. Ebenso lächerlich ist die jüngst aufgetischte Märe, als ob aus diesem Anlässe von Seiten des RabbinatS eine Dispensation betreffend die Beobachtung eines Sabbattages erfolgt wäre. Wir wollen uns an dieser Stelle nicht des weiteren darüber auslaff n, wie schwer das Gesammtjudenthum darunter gelitten hätte, wenn zufälligerweise ein dem jüdischen Glauben angehörender Director an der Spitze der galizifchen Sparkaffe zur Zeit einer solch n Panique gestanden wäre, und constatiren nur mit Genugthuung, daß der ganze Schimpf, der diesmal den Juden zugedacht war, auf diejenigen zurückfällt, welche das große Publikum über den wahren Sachverhalt hinwegtäuschen und unsere Glauben-genoffen als Urheber einer finanziellen Krisis im Lande hinnellen wollten. Mattersvorf. Dem Jahresbericht des Vereins „Jessode-Thoras-Emes" rscx imr, '-w rran zu Mattersdorf über das Verwaltungsjahr 5658 entnehmen wir: Nachdem wir uns beehren. Ihnen den diesjährigen Bericht unserer Anstalt vorzulegen, sind wir leider in der unangenehmen Lage, constatiren zu muffen, daß unsere diesjährige Verwaltung einen Fehlbetrag (80 fl.) aufweist. Dieses Defizit entstand aber nicht dadurch, daß wir etwa die Anstalt, einer steten Fortentwicklung entsprechend, mehr ausgestattet hätten; oder aber daß wir die Lage der Lehrkräfte, deren rastlose Bemühung und selbstlose Hingabe für die edle Mühe volle Anerkennung verdient, verbessert hätten; oder endlich daß wir der bedürftigen Jugend die mit aller Liebe dem Thora-Studium obliegt, zulänglichere Mittel geboten hätten! Nein! nichts von alldem! Wir haben uns streng im Rahmen des Röthigen gehalten; haben selbst dort Ersparnisse zu machen versucht, wo solche mit dem Geiste und dem Zwecke der Anstalt fast cvllidiren, und nichts destowewger erwiesen sich die uns dargebotenen Mittel als unzureichend. Theuere Glaubensgenossen! Ihre edelsinnigen Unterstützungen halfen uns die Institution ins Leben rufen, Sie stellten sich in den Dienst des heiligen Werkes in der edlen Absicht, daß der einzige Schatz, der uns von all' unfern kostbaren Heiligthümern geblieben, uns erhalten werde. Wir entsprachen Ihrer Intention, gründeten eine Stätte, wo Talmud-Thora in hingebungsvoller Weise gehegt und gepflegt wird, wo die unserer heiligen Religion

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.