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Der Israelit · 1899-02-27 · Heft 17 (27.2.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 17 (27.2.1899)
Date
1899-02-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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320 an Dutzenden von Beispielen Nachweisen, daß wir damit schöne Erfolge im Privatleben erzielt haben. Wir würden uns außerordentlich freuen, wenn diese Anregungen speziell in Süddeutschland, wo eben im Aufträge der jüngst dahier stattgefundenen Delegirten- Sitzung ein neues Statut ausgearbeitet wird, berücksichtigt würden. Frankreich. Paris, 23. Febr. (Freisprechung antisemitischer Banditen.) Die Pariser Geschworenen sind eifrig besorgt, ihren Nus der — Originalität in der Welt zu wahren Diesmal sind sie wohl aber doch über die erlaubte Grenze hinausgegangen und der überlegene Spott scheint dem Wahrspruch gegenüber, den die zwölf von der „Libre Parole" als wackere Helden gefeierten Spießbürger in dem Prozesse Philibert Roger gegen Guerin und Genoffen gefällt haben, nicht hinreichend. Die Thalsache, daß notorische Messerhelden wegen eines nächtlichen Ueberfalls angeklagt trotz eigenen frechen Geständnisses sreigesprochen werden, muß zu ernsten Erwägungen Veranlassung bieten, welche Bürgschaften bei den augenblicklichen Verhältnissen in Frankreich für Leben und Eigenthum der eigenen Bürger des Landes und noch in viel höherem Grade der Ausländer zur Zeit vorhanden sind Es handelte sich um den Messerangriff, den drei streitbare Antisemiten Rinder, Guichard und Retoul in der Nacht des 12. September gegen den Chefredakteur des dreyfusistischen Blattes „La grande bataille“, Herrn Philibert Roger unternommen hatten. Rinder, der sich selbst „Antijuif algGrieir nennt und von Guerin, dem Direktor des Pariser „Antijuif“ ausgehalten wurde, war auf Roger losgesprungen, als dieser gegen Mitternacht sich nach Haufe begab, und hatte demselben einen Messerstich versetzt. Während dessen suchte Guichard den Begleiter Rogers, Herrn Amiot, festzuhalten, hatte damit aber kein Glück, sondern wurde, als auf die Hilferufe der die beiden Herren begleitenden Frau Denis Polizei herbeierlte, von Herrn Amiot denWächtern der öffentlichen Ordnung übergeben, während seine beiden Spießgesellen die Flucht ergriffen. Alles ließ darauf schließen, daß es sich um ein Komplott handelte, und sofort wurde Guücin als Anstifter desselben bezeichnet, da er mit Roger in heftiger nicht nur politischer, sondern auch persönlicher Feindschaft lebte. Verschiedene Zeugenaussagen scheinen das zu bestätigen, so die eines gewissen Vengeon, der erklärte und in der Verhandlung wiederholte, er habe von Guerin fünf Francs erhalten, als er ihm die Kunde von dem Ueberfalle Rogers überbrachte; daher ließ der Untersuchungsrichter Pasques den Direktor des „Antijuif“ in die gerichtliche Verfolgung mit hineinziehen. Mit außerordentlicher Frechheit beantworteten Rinder und Guörin alle an sie gerichteten J Fragen des Vorsitzenden; ersterer erklärte frank und frei, er habe Roger erwürgen wollen, weil dieser die Antisemiten beschimpft habe. G6rin leugnete jedes Mitwissen um den Anfall ab — für ein solches waren die vorgebcachten Beweise, um der Wahrheit die Ehre zu geben, in der Thal etwas schwach, sodaß die Freisprechung Guörin's selbst sich allenfalls rechtfertigen läßt — und erlaubte sich, dem Vorsitzenden, der ihm seine Vorstrafen und seinen gewaltthätigen Charakter vorhielt, höhnisch zu antworten: „Sie lesen ja da einen Dreyfusblatr-Artikel vor!" Der gesammte antisemitisch-nationalistische Generalstab war erschienen, Drumont an der Sp tze, um Zeugniß für den „heldenhaften, offenen und ehrlichen Charakter" Guörins abzulegen und die andern Angeklagten als durch die fortwährenden Aufreizungen verirrte unschuldige Lämmchen darzustellen. Wie gesagt, die Geschworenen schlossen sich diesen „klassischen" Aussagen rückhaltslos an und ließen die der Belastungszeugen gänzlich unberücksichtigt, sodaß allgemeine Freisprechung — es fehlte nicht viel, so wären die antisemitischen Banditen noch von den „Volksrichtern" beglückwünscht worden — unter großem Jubel der versammelten Generalstäbler erfolgte. Die Antisemiten können also ihre Heldenthaten auf der Straße ungestört fortsetzen; und da die Anarchisten und Revolutionäre sich von diesen nichts vorweg nehmen lassen wollen, so dürften die lärmenden Kundgebungen von Neuem losgehen und zu einigen Kämpfen führen, die die gewünschte Intervention der Militärgewaltigen zur Folge haben könnten. Die meisten Zeitungen, abgesehen von den revisionistischen, übergehen diesen verblüffenden Wahrspruch stillschweigend, wahrscheinlich wegen der sehr begründeten Befürchtung, daß die Angelegenheit im Auslande nicht gerade zur Hebung des französischen Ansehens und zur Anziehungskraft für die Ausstellung beitragen werde. Vermischtes. Chicago. Unsere reichen Israeliten veranstalteten einen Bazar zmn Besten des hier neugegründeten Waisenhauses. Ter .-zweck wurde erreicht; über 100,000 Dollar- Reinertrag, die zur Erziehung unserer armen Waisenkinder verwendet werden. St. Louis. Die Israeliten hiesiger Stadt hielten einen Wohlthätigkeitsbazar ab, der einen Reinertrag von 50,000 Dollars einbrachte. Das Geld fällt den vereinigten WohlthätigkeitS-Gesellschaften von St. LouiS zu. Gar viele Bedürftige warten auf Hilfe. Johannesburg. Unser Rabbiner, Rev. Joseph H. Hertz, welcher kürzlich in Prätoria weilte, hat auch die Behörden der Republik besucht. Als er am Sabbat in der Synagoge predigte, waren neben fast allen Geistlichen der Stadt auch zahlreiche Rotabilitäten anwesend, u. A. der General-Postmeister Ban Alphen. Rev. Hertz hatte eine zweistündige Audienz bei dem Präsidenten Krüger, und man hofft, daß es ihm gelungen ist, für die Juden eine Verbesserung ihrer politischen Rechte zu erwirken.

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