Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 40 (1899)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1899)
- Date
- 1899-02-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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m WWW 319 ben, es sei keiner, so geben sie sich aber einer verhängnißvollen Täuschung hin. Das ist meine Ueberzeugung, und das Recht sie ohne Winkelzüge auszusprechen, je geschäftiger sie von anderen todtgeschwiegen wird, lasse ich mir durch keinen Phrasenschwall von haltlosen Unterstellungen und Verdächtigungen verkümmern. „Ueber eine religiöse Frage eine von der eigenen abweichende Ansicht ruhig anzuhören, und darüber sachlich zu verhandeln," hat übrigens Herr Dr. Maybaum verlangt, wie mir zuguterletzt noch rechtzeitig einfällt. Vor dieser Autorität beugt sich mein verehrter anonymer Gegner gewiß so sicher, daß er sein Oberrichterthum und seinen übrigen blauen Dunst von neuem für sich behält; auf die bisher ige Weise wird er feine Schützlinge nicht rehabilitiren, und am Ende gar noch beim Präsidenten des Rabbinerverbandes in Ungnade fallen. Berlin, 23. Febr. (Oeffent lich e Armenpflege.) In einer Versammlung der Berliner städtischen Armenkommissionsvorsteher brachte jüngst der Vorsitzende zur Sprache, daß wiederholt jüdische Bürger mit ihren UnterstützungSgesuchen zurückgewiesen worden seien, weil den jüdischen Gemeinden reichlichere Geldmittel zu Gebote ständen. Das sei unstatthaft, da die jüdische Gemeinde wohl über reichlichere Stiftunasmittel verfüge, Unterstützungsanträge aber gleichmäßig angenommen und geprüft werden müßten, da es für die öffentliche Armenpflege keine Konfessionsunterschiede gebe. 0. Nürnberg. Die in Ihrem geschätzte" Blatte in letzter Zeit gebrachten Verhandlungen des D. I. G. B. gegen den Wanderbettel und ganz besonders der in Nr. 15 von Nürnberg zum Abdruck gebrachte Bericht des Herrn Pastor v. Bodelfchwing zwingt uns, zu dieser Frage Stellung zu nehmen, denn man scheint es in gewissen Kreisen als Modesache zu betrachten, die vom jüdischen Standpunkte aus von jeher gepflogene Wohlthätigkeit und von aller Welt anerkannten gemüthvollen Ärmenunterstützung zu bekämpfen, die Vorschrift unserer heiligen Thora?r,n fr:, worauf unsere Weisen sagen hks hinsichtlich der soll um jeden Preis verschwinden. Die eingerichteten Unterstützungskassen haben in dieser Beziehung schon das ihre gethan, das jüngere Geschlecht gleichgiltig zu machen gegen Armuth und Wohlthätigkeit, denn man kaust sich von np-a: rate als vermögender Mann mit 10—20 Mk. per Jahr frei und die schönen altjüdischen Sitten von e*n~J* rc»n existiren nur noch vereinzelt. Kömmt ein Armer, so nicht zu Verlusten uud nicht au verschmähen, lasset uns in dieser Stunde feierlich geloben "p: "pcn -pn den Weg des Königs werden wir gehen, den Weg, den min T& rD?D, unser großer Lehrer, der Thorafnrst in Israel un$ vorgezeichnet. wird nicht mehr wie früher die Würdigkeit geprüft, er wird einfach zur Cassa gewiesen, wie dortselbft mit ihm verfahren wird in den meisten Fällen, das weiß nur derjenige, der Gelegenheit hatte, das mit anzusehen. Nun sollen aber auch noch die Unt.-Kassen schädlich wirken!? Dabei finden wir aber gerade bei dem Abschluß der Fürther Centralkaffe von 1898 ganz entschieden keinen Grund zur irgend welcher Befürchtung, da trotz der vorjährigen Galizianischen Unruhen und anderer Momente dieser Art keine unverhältnißmäßige Zunahme der Petenten zu bemerken war. — Herr Pastor v. Bodelfchwing mag eS gewiß gut meinen, allein er kennt denn doch die Art der jüdischen Armen zu wenig. In der Hauptsache kommen ja doch verheirathete Leute, die einen großen Theil ihres Unterhaltes verdienen und die Unterstützungen an ihre Familien senden zur Ergänzung des Unterhaltes; was sollen für solche Leute Arbeitshäuser? Jeder Stromer, der in den christlichen Arbeitshäusern untergebracht ist, hat doch wenigstens eine Heimath, wie steht es aber mit unseren armen russischen und galizianischen Brüdern, die oft gezwungen werden, Halls und Hof plötzlich zu verlassen, ihre Familie bei armen Verwandten unterzubringen und ztlm Wanderstab zu greifen, um sich einige Existenzmittel für die Zukunft bei guten Menschen zu schaffen? Wie gerne würden diese Bedauernswerthen in den meisten Fällen arbeiten, wenn ihnen solche ausreichend für sie und Familie nachgewiesen werden könnte, allein sie werden ja auch in Deutschland nicht geduldet. Arbeitshäuser an der Grenze werden füglich empfohlen; wer die russifche Polizeigewalt kennt, kann wirklich an die Ausführbarkeit eines solchen Planes keinen Moment denken. Der Schwerpunkt liegt ganz wo anders, es müßten unsere deutschen Glaubensbrüder wieder zur alten Wohlthätigkeit zurückkehren und es müßte an den Unterstützungskassen genau geprüft werden nach Würdigkeit der Petenten, und genau unterschieden werden zwischen Gewohnheitsbettlern und Leuren, die durch irgend ein elementares Ereigniß gezwungen wurden Hüfe zu suchen, letztere, wenn sie zum ersten male kommen, sollten so ausgiebig unterstützt werden, daß sie sich wieder eine Existenz gründen können, während erstere nur Fahrkarten und winzige Unterstützungen bekommen. Heute wo schablonenmäßig an der Cassa gegeben wird, ist dem wirklich Bedürftigen nichts damit gedient, wenn er beispielsweise an der größten Centralkasse Bayerns, Fürth—Nürnberg 10-15 Mk bekömmt (das will heißen von etwa 2400 Familien) gebe man doch einem solchen Manne den Verhältnissen entsprechend mit dem Bemerken, daß ihm Gelegenheit gegeben werden soll, in seinem Lande sich wieder zu ernähren und nicht ein zweitesmal zu kommen nöthig hat, wo er als Gewohnheitsbettler betrachtet wird; wir könnten