Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1899-02-27 · Heft 17 (27.2.1899) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 17 (27.2.1899)
Date
1899-02-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448953-2448970--47796-2498164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

318 Gewährsmann für diese Mischung von mm ’aw und mm H3W auszuspielen und in seinem Eifer ganz vergessen, daß, wenn das richtig wäre, Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer n im Jjar 5644 diesen Fall ganz übersehen haben muß. Daß er ihn nicht übersehen hat und wie dieser eine Hinweis typisch zur Charakterisirung der ganzen Gegnerschaft meines Gegners ist, das nachzuweisen, behalte ich mir vielleicht für eine besondere Darstellung vor. Jetzt aber zur Sache. Nach allem obigen, kann ich die mir widerfahrene „Abfertigung" ruhig selber jedem unbefangenen Leser vorleqen. „Wenn ein Schüler Dr. Hildesheimers", so lautet der erst« Satz, der mich absertigen soll, „die anderen Schüler einen Widerspruch gegen die Haltung hreS Meisters in einer öffentlichen Frage zum Vorwurf machen will, so hat er zunächst den Nachweis zu fübren, daß für ihn selbst jene- Vorbild unbedingt maßgebend gewesen sei." Ich habe gar keinen Beweis zu erbringen, wenn es auch in demselben Brusttöne wiederholt heißt: ..Wer anderen Untreue vorwerfen will, weise seine eigene Treue nacht" Nein, verehrter Herr, so bequem liegt die Sache nicht für Sie. ’jtoB'tps is* fjpw. Ist denn jeder ohne weiteres treulos, der erst den Beweis seiner Treue erbringt? Ich habe keine Treue zu beweisen, denn ich halte mich nicht für treulos, wenn Sie mich ja dafür halten, so ist der Beweis dafür, doch wahrscheinlich Ihre Sache. Es dürfte Ihnen schwer halten; aber wenn es Ihnen wirklich gelänge, was wäre damit für Sie, Ihre verlorene Sache gewonnen? Nichts; ja noch einiges unter minus. Wenn Sie mir Nachweisen können, daß auch ich eine Treulosigkeit auf dem Gewissen habe, dann qualificire ich mich allerdings schlecht dazu, dieses Unrecht anderen vorzuhalten. Aber wird das Unrecht damit aus der Welt geschafft? Wird es nicht noch vergrößert? Sind Ihre Klienten gerettet, wenn Sie mich discreditirt haben? Nein, Sie hätten nur den traurigen Ruhm die Zahl der Unfolgsamen unter Hildesheimers Schülern um einen vermehrt zu haben. Sie wären dann der richtige "nv nfca ton als den Sie mich gern hinstellen möchten. Ich habe keine Schuld an dem Widerspruch, das haben die Herren selber vor aller Oeffentlichkeit besorgt, ich habe ihn nur constatirt. Sie aber müßten den wieder erst ausschnüffeln, denn heute ist er noch so tiefes Geheimniß, daß ich selbst nichts davon weiß. Aber mein verehrter Herr Ausschnüffler giebt sich redl'ch Mühe, mir etwas am Zeuge zu sticken. Herr Dr. Hildesheimer hat einmal eine Erklärung zur richtigen Würdigung des Talmud erlassen, dabei hätten ihm einige Schüler die Nachfolge verweigert, e's liegt sehr nahe darunter auch den jetzigen Artikelschreiber zu vermuthen, also — wird der Jude verbrannt. Als einziger Be-! leg für seine Bermuthung bringt er vor — man höre und staune: ‘12-6 »'» Das sind nette prw “op. „Warum hat der streitbare Mann," fragt mein Gegner weiter, „falls es wirklich kein anderer gewesen, die ihren Meister in Bezug auf die Pflich en gegen das gesetzestreue Judenthum meistern zu sollen vermeinten, nicht damals feine Stimme zum Schutze ves gemeinsamen Lehrers erhoben?" Aus den vwlen Auiwolten, öie er auf du je Frage giebt, lasse ich nur die eine Folge: Was Damals, als bereits Altersbeschwerden den Meister heimsuchten, Anmaßung gewesen wäre ist heute, wie ich es in meinem vorigen Briefe bereits betonte, gebieterische Pflicht: den Namen Hildesheimer gegen seine Trübung und Verdunkelung zu schützen. Aber etwas hat er doch glücklich gegen mich heraurgeschnüffelt und er begiebt sich auf seine höchsten Cafure, um diesen feiten B ssen noch fetter zu machen: Ich trage anonym unfaß b are Verdächtigungen in der Welt umber z. B. „daß die Schüler Niemals die Hand zu dieser Verbietung geboten hätten, wenn man sie nicht systematisch über die abweichende Gesinnung und Prinz pientreue getäuscht hätte, mit der unser väterlicher Freund und Lehrer sich von der Verquickung mit allen diesen Elementen stets frei zu halten wußte " Dazu wird mir folgender Text gelesen: „Ueber diese unwürdige Unterstellung auch nur ein Wort zu verlieren, wäre uns in innerster Seele zuwider. Einevon Zweien, entweder kennt der Artikelsctneiber jemanden, der diese Täuschung vollbracht, dann nenne er ihn klar und bündig, oder er weiß Keinen, dann lese er nach, was König Salomo über den V7JH3 77'Q vrjn fnip geurteilt hat." Nur gemach! Der Artikelschreiber kennt Jemanden, der diese Täuschung vollbracht, er braucht ihn aber nicht zu nennen, denn er hat die schon längst in seinem zweiten Briefe mit einer Deutlichkeit gethan, die nichts zu nörgeln übrig läßt. Don war von Herrn Dr. May b a um die Rede, von feiner früheren B.fchimpfunq Dr. Hildesheimers, von der nur veränderten Taktik des von ihm geleiteten Berliner Reformjudenthums. „Wie klug er dann von seinem Standpunkte aus handelte", schrieb ich damals „sieht man an der Verwirrung der einfachsten Begriffe bei sonst einsichtigen, characterfesten Wortführern de» orthodoxen Judenthum S, aus welcher doch G f. d. das Gros des von Hildesheimer ausgestellten Rabbiner besteht. Mit derselben Täuschung operirt mit demselben Erfolg der Deutsch Israelitische G^meindebund u. s. w. Was bleibt nun nach alledem übrig? Der Eidbruch, nicht wie ich gefühlvoll, sondern wie ich wahrheitsgemäß sagte, bleibt. *) Wenn die Herren glau- *) In demselben Blatte Nr. 2 Seite 12 findet sich in der wiedergcgebenen Rede eines Jubiläumsredners der Passus bestäligt, den ich dabei im Sinne hatte: „uruN 'l dbo ujntrj. Ja, lasset uns theuere Brüder unc> Genossen, heute bei Gott den Treueid schwören, die alte Mutter

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.