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Der Israelit · 1899-02-23 · Heft 16 (23.2.1899) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
40 (1899)
Issue
Heft 16 (23.2.1899)
Date
1899-02-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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‘292 wird förmlich überrascht, ob der auf allen Seiten gähnenden Lücken. Das sind die marktschreierisch verkündeten Wirkungen der Reform!!! Brünn. (Das Testament eines Menschenfreundes.) Am 25 v. M. wurde beim Bezirksgerichte Brünn das Testament des Großindustriellen Herrn Bernhard Morgenstern eröffnet. Man hatte wohl erwartet, daß Morgenstern zahlreiche Legate für humanitäre Vereine und Institute bestimmen und auch Wohlthätigkeitsstiftungen errichten werde. Diese Erwartungen wurden jedoch noch weit übertroffen durch die diesbezüglichen testamentarischen Verfügungen. Herr Bernhard Morgenstern ist dem Zuge seines edlen Herzens gefolgt, indem er dieses Testament niederschrieb. Es ist das Vermächtniß eines wahren Menschenfreundes und der Verblichene hat sich damit das schönste Denkmal gesetzt, das überhaupt ein Mensch sich setzen kann, ein Denkmal dauernder als Erz, denn er hat für alle Zeit seinen Namen mit dankbarer Erinnerung verbunden. Herr Morgenstern, der bei Lebzeiten, oft im Stillen, so viel Noth gelindert und Thränen getrocknet hat, war darauf bedacht, daß auch nach seinem Todte humanitäre Vereine und Institute in die Lage gesetzt werden, in seinem Sinne sortzuwirken. Wie uns versichert wird, soll Herr Bernhard Morgenstern jährlich durchschnittlich 20.000 fl. für wohlthätige Zwecke verausgabt haben. Die von ihm testamentarisch errichteten Legate und Stiftungen für verschiedene Anstalten ohne Unterschied der Confession erreichen die Höhe von 360.000 fl. Das Testament wurde vom Herrn Landesgerichtsrath Dr. Swoboda im Beisein des Universalerben Herrn Albert Morgenstern, des Malzfabrikanten S. Schindler und des Testamentsvollstreckers Herrn Dr. Ehrlich kundgemacht. Das Testament ist vom Verstorbenen eigenhändig geschrieben und am 22. Januar 1898 datirt. Die im Testamente errichteten Legate und Stiftungen sind vom Universalerben gebürenfrei an die Legatare und Stiftungsbehörden auszuzahlen. Für nur jüdische Institutionen bestimmt das Testament folgende Legate: Der Haskara Maskir Nescliomos in Brünn und Lundenburg je 1000 fl. Der Haskara Älaskir Neschomos in Ung.-Brod 500 fl. Den israelitischen Armen in Brünn 500 fl., Lundenburg 200 fl., Ung.-Brod 200 fl. Dem israelitischen Frauenverein in Olmütz 200 fl. Dem israelitischen Freitischverein in Brünn 3000 fl. Dem israelitischen Waisen-HilfsVereine in Brünn 5000 fl. Dem israelitischen Frauen-Hilfsverein in Brünn 2000 fl. Dem israelitischen Proseminar in Brünn 1000 fl. Der israelitischen Okervra-Laäiseka in Brünn 1000 fl. Dem israelrtischen Verein Likur Ckolim in Brünn 1000 fl. Dem Verein zur Beförderung des Handwerkes unter den inländischen Israeliten in Wien 1000 fl. An Stiftungen wurden testirt : Eine Armenj Stiftung in der Höhe von 20.000 fl., zu Händen der israelitischen Cultusgemeinde in Brünn, für jüdische Orts arme in Brünn. Eine Schülerstiftung in der Höhe von 20 000 fl., zu Händen der israelitischen Cultusgemeinde in Brünn, für 30 würdige Studierende jüdischer Confession. Eine Armensttftung von 3000 fl. für die israelitische Cultusgemeinde in Lundenburg. Ein Nachtrag vom 12. September 1898 verfügte Folgendes: Zur Errichtung einer Familien-Stiftung, welche meinen Namen führen soll, widme ich 30.000 fl., dessen jährliche Zinsen zu gleichen Theiten au drei würdige und dürftige Personen meiner Familie, bezw. der Familie meiner Ellern, im Monate October eines jeden Jahres verheilt werden sollen. Die Verleihung hat durch den jeweiligen Vorstand der Brünner israelitischen Cultusgemeinde zu erfolgen. Wereinsnachrtchten. Berlin. Tie hiesige Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen (1895) „Judas Töchter", feierte am 4. d. Mts., AbendS 9 Uhr, in der Ressource zur Unterhaltung ihr viertes Stiftungsfest, das zahlreich besucht war und ein reichhaltiges Programm hatte. Dieser Verein hat, wie die Vorsitzende Frt. Ida in ihrer Festrede hervorhob, das Bestreben, durch Vorträge das jüdische Wissen, die Begeisterung für das Iudenihum und seine Ideale zu verbreiten, dann auch die Noth zu lindern, Trante zu pflegen und arme minder zu erfreuen. Von den zahlreich erschienenen Ehrengästen ergriff zuerst Herr Rabbiner Höxter das Wort, welcher nachwies, daß dieser ideale Sinn, der von diesem Vereine gepflegt wird, ganz dem jüdischen Geist entspricht, daß schon von jeher die jüdische Frau, wenn sie auch nur auf das Haus angewiesen war, durchaus nicht von jedem idealen Streben allsgeschloffen wurde, was auch ans vem heute perle euen . Wochenabschnitt. hervorgeht, in welchem es heißt Tjm Ipp' IV2- ~)DNn ro worauf unsere Weisen sagen: Wer ist das HauS Jakobs? — Das sind die Frauen; sie sind berufen, die jüdische Sitte und Religion zu pflegen und zu verbreiten. Und dieser Verein ist bestrebt, die jüdische Jungfrau mit den jüdischen Kenntnissen vertrant zu machen lind sie so zu ihrem späteren Beruf als jüdische Hausfrall vorzubereiten, die dann eine wahrhaft richtige Auffassung vom jüdischen Leben haben wird. Herr Rabbiner Hamburg aus Eharlottenburg brachte den Wunsch zum Ausdruck, daß „Juda" die Fahne der Humanität sein solle, dann wird dieser Verein wachsen und gedeihen. Herr caud. ptul. Scheftelowitz legte dar. daß dieser Verein bei der heutigen Zeitströmung bes nders seine Existenzberechtigung habe, der ganz dem ovtiunstifchen Sinne der Jöiaeliten gemäß das Guie, die Begeisterung für die jüdischen Ideale zugleich mit dem Angenehmen, mit der sittlich erlaubten Freude zu vereinigen sucht, wie es das heurige Fest erkennen läßt Herr Redakteur Fla n ter brachte in schönen Worten einen Hymnus auf den Verein, dessen Bestrebungen uns Juden die wir uns geradezu schämen müßten, wie wenig Ideale heutzutage sonst im Judenthum leben, mit Genugthuung zu erfüllen vermag. Sehr witzig führte Herr Redacieur Wohlberg aus, wenn wir heurigen Juden, ebenso wie das alte Israel nach dem AuSspruche unserer Weisen wegen der Verdienste frommer Frauen in Israel von der cgyptischen Knechtschaft befreit

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